ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2004Schulmedizin und Komplementärmedizin – Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden: Das zweite Standbein verloren

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Schulmedizin und Komplementärmedizin – Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden: Das zweite Standbein verloren

Dtsch Arztebl 2004; 101(34-35): A-2314

Benoit, Walter F.

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LNSLNS . . . Der Sturz von Hochschullehrern auf gleiche Augenhöhe mit Vertretern alternativer Heilmethoden kann nicht besser als mit dem Bild beschrieben werden, dass sie das zweite Standbein medizinischen Denkens – wovor schon Sokrates warnte – verloren haben. Eine Entwicklung, die Lowen (2004) in den USA als „Die verlorene Kunst des Heilens“ bezeichnet.
Das Argument einer Naturheilkunde von Natur als etwas Sanftes gemahnt
an die prästabile Harmonie eines Leibniz und hat durch die Erkenntnisse der Naturwissenschaften ihre Überzeugungskraft verloren. Immerhin sind gefährliche Gifte in der Natur zu finden oder in Naturprodukten enthalten. Über den wissenschaftlichen Wert altindischen Wissens fällt der persische Naturwissenschaftler al Biruni vor tausend Jahren ein vernichtendes Urteil. Man muss sich aus wissenschaftlicher Korrektheit mit der Gegebenheit auseinander setzen, dass in den letzten vierhundert Jahren über vierundneunzig Prozent aller weltweit wesentlichen geistes- und naturwissenschaftlichen Entdeckungen und Erfindungen aus dem europäischen Kulturkreis stammen. Für Virchow war der Bezug auf die psychosoziale Situation des Patienten der wesentliche Schritt von der reinen Nosologie hin zur Pathologie als Lehre vom leidenden Menschen. Krankheiten sind Störmeldungen biologischer Systeme, die an die Grenzen ihrer Ressourcen geraten. Solange Ärztevertreter und Krankenkassen die materielle und ideelle Bewertung von Gesprächsleistungen weiter abwerten und ihre therapeutische Bedeutung leugnen, ist keine Änderung in Sicht. Im Gegensatz dazu sind Ärzte, die alternativ praktizieren, durch intensive, zeitliche und körperliche Zuwendung zum Patienten ausgezeichnet und angemessen honoriert.
Dr. med. Walter F. Benoit
Im Ebbe 5, 58849 Herscheid
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