ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2004Medizingeschichte(n): Psychiatrie Wahn (Schwangerschaftspsychose)

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Medizingeschichte(n): Psychiatrie Wahn (Schwangerschaftspsychose)

Dtsch Arztebl 2004; 101(36): A-2397 / B-2017 / C-1945

Schott, H.

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Wahn (Schwangerschaftspsychose)
Zitat: „[Fall 42] Geistige Verwirrung, die eine Mutter dazu anstachelte, ihr Kind, das sie stillte, zu ermorden. Von [...] verwerflicher Begierde war die Frau eines Gastwirtes, sogleich nachdem sie schwanger geworden war, ergriffen worden, nämlich dazu, nach der Geburt und nach dem Stillen ihre im Leib getragene Frucht umzubringen. Und mit dieser Wahnvorstellung quälte sie sich einige Monate, bevor sie wieder zu sich kam, und wurde unbemerkt furchtbar geängstigt, ohne daß der Mann etwas davon merkte. Sie hörte nicht auf, Gott beständig anzuflehen, daß er diese teuflische Meinung wegnehme. Oft dachte sie daran, sich den Tod zu geben, weil der Gatte, wenn er dies auch beobachtete, doch die Ursache keineswegs einsehen könnte. Sie kam nun zu mir in mein Haus, und unter großem Weinen setzte sie mir diesen Fall auseinander und wollte sich, als sie in die Vorhalle des Hauses hinausgegangen war, voll Verzweiflung in eine Wanne, die ihr Wasser aus einer Quelle empfing, kopfüber hineinstürzen, wenn ich es nicht verhindert hätte.
Diese Verwirrung, die sie überfallen hatte, als sie zweimal schwanger war, wurde endlich durch Aderlaß, Purgationen [1] und öfters wiederholte Brechmittel geheilt.“

Felix Platter: Observationes (1614): Krankheitsbeobachtungen in drei Büchern. 1. Buch. Aus dem Lateinischen übersetzt und herausgegeben von Heinrich Buess. Bern und Stuttgart 1963, S. 62. - [1] Abführkuren. – Der berühmte Basler Stadtarzt und Professor Felix Platter (1536–1614) stützte sich im Gegensatz zu den Paracelsisten auf die (fortentwickelte) Galenische Humoralpathologie (mit entsprechenenden Ausleitungsverfahren) in Verbindung mit der neuen Anatomie. Er schildert in den „Observationes“ unter anderem eine Reihe psychiatrischer Fallgeschichten.

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