VARIA: Post scriptum

Nimm keinen Dolch!

Dtsch Arztebl 2004; 101(36): [108]

Pfleger, Helmut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Der englische Schriftsteller H. G. Wells (1866 bis 1946) kann als der Begründer des Genres „Science- Fiction“ angesehen werden. Filme wie „Star Trek“ und „Star Wars“ gehen auf seine Erzählungen wie „The War of the Worlds“ zurück. Er war aber seit seiner Kindheit auch ein passionierter Schachspieler mit einem ambivalenten Verhältnis zu dieser Leidenschaft, wie ein Auszug aus seinem Aufsatz „Concerning Chess“ (Schach betreffend) zeigen mag:
„Die Schachleidenschaft ist eine der unverantwortlichsten der Welt. Sie schlägt der Theorie der natürlichen Selektion ins Gesicht. Keine andere Beschäftigung nimmt dich so gefangen mit Haut und Haar, keine befriedigt dein Verlangen weniger – ein zielloser Auswuchs des Lebens. Sie vernichtet einen Menschen. Da gibt es beispielsweise einen viel versprechenden Politiker oder Künstler, den du zerstören willst. Dolch oder Bombe wären archaisch, plump und unzuverlässig – aber lehre ihn, impfe ihn mit dem Schachspiel!
Es ist vielleicht gut, dass die richtige Art, Schach zu lehren, so wenig bekannt ist. Unsere Staatsmänner säßen da mit Taschenschachs, während das Land zum Teufel führe, unsere Armee würde sich in karierter Kontemplation vergraben, unsere Ernährer würden ihre Frauen vergessen auf der Suche nach unmöglichen Matts. Die ganze Welt wäre ein Chaos. Ich kann mir gut unsere Kutscher vorstellen, wie sie in Springerzügen die Charing Cross Road rauf und runter fahren. Und ab und zu ein Selbstmörder mit der pathetischen Inschrift auf seiner Brust: ,Ich gab zu früh ein Schach mit meiner Dame. Der Gedanke daran ist mir unerträglich‘.“ Doch auch Wells irrt gelegentlich, beispielsweise bei der folgenden Stellung vom letzten Deutschen Ärzteturnier. „Ein Matt hängt drohend und steigt nie herab.“ Beim Konstanzer Onkologen Dr. med. Dieter Hardt stieg es sehr wohl herab. Die weißen Freibauern c7 und d6 sind umwandlungsbereit, doch Dr. Hardt als Schwarzer am Zug, wohlweislich die Turmbeute auf c2 verschmähend, beendete die Partie trotz hoher Zeitnot mit einem unparierbaren Mattangriff. Wie?

Lösung:
Nach dem Springerzug 1. ... Sf3! (nicht auf der Londoner Charing Cross Road, sondern im Kursaal von Bad Neuenahr) drohte 2. ... Tg1 matt. Weiß versuchte deshalb noch 2. Sg3, musste aber so die Deckung seines anderen Springers auf h2 aufgeben, so dass 2. ... Txh2 matt setzte.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema