ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 3/2004Mit dem PDA am Krankenbett: Die Bibliothek in der Kitteltasche

Supplement: Praxis Computer

Mit dem PDA am Krankenbett: Die Bibliothek in der Kitteltasche

Dtsch Arztebl 2004; 101(36): [16]

Obst, Oliver

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Mit dem PDA kann der Arzt benötigte Informationen bei Bedarf direkt am Krankenbett abrufen. Foto: Philipp Rothe
Mit dem PDA kann der Arzt benötigte Informationen bei Bedarf direkt am Krankenbett abrufen. Foto: Philipp Rothe
Am Universitätsklinikum Münster erproben Ärzte den Einsatz mobiler Computer am Krankenbett.
Seit Anfang 2004 bietet die Zweigbibliothek Medizin der Universitäts- und Landesbibliothek Münster einen neuen Service an, der das Erscheinungsbild der Ärzte in den Universitätskliniken nachhaltig verändern könnte: Künftig sind diese nicht mehr nur am Stethoskop zu erkennen, sondern ebenso an einem kleinen Handheld-Computer, dem PDA (Personal Digital Assistant).
In den Universitäten gibt es mittlerweile immer mehr „Hotspots“ für die Einwahl mobiler Computer über drahtlose lokale Funknetzwerke (Wireless Local Area Networks, kurz WLAN) ins Internet. Wo Flexibilität und Mobilität wichtiger als Komfort sind, ist der PDA eine sinnvolle Alternative zum Laptop oder Tablet-PC: Im Gegensatz zu diesen sind PDAs immer zur Hand, wenn man sie braucht. Denn nicht im Büro oder in der Bibliothek tauchen häufig Fragen auf, sondern direkt beim Patienten, im Krankenhaus, in der Teamsitzung oder unterwegs. Durch das Bibliotheksprojekt „Mobile-Computing“ haben die Ärzte zumindest einen Teil des Bibliotheksangebots ständig zur Verfügung – ohne Vormerkungen, Leihfristen und Kopierkosten. Die Mobilisierung der Information erhöht nicht nur den Komfort, sondern fördert durch die permanente Verfügbarkeit und die Integration in die Arbeitsabläufe der Klinik auch die Güte der Krankenversorgung, wie Studien aus den USA zeigen (1).
PDAs sind inzwischen nicht mehr nur „Organizer“ mit einem schlecht lesbaren Display. Für 200 Euro sind vielseitige Mini-PCs mit leistungsstarken Intel-Prozessoren (400 MHz) und TFT-Bildschirmen (64 000 Farben) erhältlich, gegen Aufpreis auch mit fest eingebautem WLAN und/oder Bluetooth. Die Technik ist ausgereift und mit Windows- und Macintosh-Systemen kompatibel. Einmal mit Anwendungen aufgeladen, sind PDAs eine kleine „Bibliothek in der Kitteltasche“ – genügend Speicher vorausgesetzt. Entweder werden bei jeder Synchronisation mit dem Desktop-Computer die Ressourcen automatisch auf den neuesten Stand gebracht, oder man greift über WLAN direkt auf die Internet-Angebote der Bibliothek zu.
In den USA verlangt mittlerweile jede fünfte medizinische Fakultät von ihren Studenten in der Klinik, dass sie Handheld-Computer benutzen (2). So hat beispielsweise die University of Louisville School of Medicine sämtliche 900 Studenten und Dozenten mit mobilen Computern ausgestattet. Auch an der Universität von Buffalo wird der Nutzen der Handheld-Computer für die medizinische Versorgung am Krankenbett betont (3). In den USA besaß bereits im Jahr 2000 jeder zweite Arzt einen PDA (4); auch die Zahlen in Deutschland steigen kontinuierlich.
Mit dem Projekt ist die Zweigbibliothek Medizin ein Pionier in der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Bibliotheken zu serviceorientierten Informationszentren für Studierende und Wissenschaftler. Von der traditionellen „Hol-Bibliothek“ zur modernen „Bring-Bibliothek“, so lässt sich diese Entwicklung beschreiben: Die alten Zettelkästen sind modernen PC-Arbeitsplätzen gewichen, die Suche in elektronischen Datenbanken ersetzen immer häufiger den Blick in gedruckte Bibliographien, zeitraubende Fernleihen werden oftmals überflüssig durch einen Klick im Internet. Auch denjenigen, die noch über keinen eigenen PDA verfügen, hilft die Zweigbibliothek Medizin: Das Krankenpflegepersonal, Wissenschaftler, Studierende und Ärzte der Universitätskliniken können sich einen PDA mit den notwendigen Installationen kostenfrei vier Wochen lang ausleihen.
Unter den Betriebssystemen Palm OS und Windows Pocket PC bietet die Bibliothek unter anderem folgende Anwendungen an: Harrison’s Internal Medicine, Dorland Medical Dictionary, Stedman’s Illustrated Dictionary, Rote Liste, Gelbe Liste, Arzneimittelpocket, Drug Interaction Facts, Lexi-Comp’s Drug Information, Medline-Journals, Clinical Evidence EBM-Reviews, UpToDate, MedCalc. Informationen im Internet unter http://zbmed.uni-muenster.de/pda. Oliver Obst
Kontaktadresse: Dr. Oliver Obst, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Zweigbibliothek Medizin, Domagkstraße 9, 48149 Münster, E-Mail: obsto@uni-muenster.de


Literatur
1. Rothschild JM, et. al.: Survey of Physicians’
Experience Using a Handheld Drug Reference
Guide. Proc AMIA Symp 2000: 1125. Online:
http://cim.usuhs.mil/pda/why.html.
2. Miller J: Skyscape Health References Enter
University of Louisville. Online: www.palmblvd.
com/articles/2003/7/2003-7-22-Skyscape-
Health-References.html.
3. Fallon MAC: Handheld Devices: Toward a More
Mobile Campus. Syllabus Magazine
1. 11. 2002. Online: www.syllabus.com/article.
asp?id=6896.
4. Ho WL, Forman J, Kannry J: Portable Digital
Assistant Use in a Medicine Teaching Pro-
gram. Proc AMIA Symp 2000: 1031.
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