ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2004Methylphenidat und multimodale psychosoziale Behandlung bei ADHS im Kindesalter

MEDIZIN: Referiert

Methylphenidat und multimodale psychosoziale Behandlung bei ADHS im Kindesalter

Dtsch Arztebl 2004; 101(37): A-2467 / B-2079 / C-2000

rmh

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Ernüchternde Bilanz: Zusätzliche Maßnahmen zur Methylphenidatbehandlung leisten keinen zusätzlichen Beitrag zum Behandlungserfolg bei ADHS im Kindesalter. Foto: Caro
Ernüchternde Bilanz: Zusätzliche Maßnahmen zur Methylphenidatbehandlung leisten keinen zusätzlichen Beitrag zum Behandlungserfolg bei ADHS im Kindesalter. Foto: Caro
Im Juli-Heft des Journals der American Academy of Child and Adolescent Psychiatry wird in einer Serie von fünf Beiträgen über eine Studie berichtet, in der 103 Kinder mit ADHS im Alter von sieben bis neun Jahren, die nicht an zusätzlichen Störungen des Sozialverhaltens oder Lernstörungen litten und auf Methylphenidat ansprachen, drei Behandlungsbedingungen unterzogen wurden: Methylphenidat alleine, Methylphenidat mit einer zusätzlichen umfassenden psychosozialen Behandlung, die sowohl schulische Förderung, Einüben alltäglicher Fertigkeiten als auch Psychotherapie und Elterntraining umfasste (kombinierte Behandlung), oder Methylphenidat plus unspezifische Förderung und Beschäftigung, bei der die Kinder die Art der Beschäftigung auswählen konnten und die von Nicht-Spezialisten durchgeführt wurde.
Es handelt sich um eine methodisch aufwendige, randomisierte Studie, bei der die Kinder nach Zufall und über einen Zeitraum von zwei Jahren den drei Behandlungsbedingungen zugeordnet wurden. Zur Objektivierung des Behandlungserfolges wurden die Kinder mithilfe von Leistungstests untersucht. Darüber hinaus wurden systematische Einschätzungen seitens der Eltern durchgeführt und auch Selbsteinschätzungen der Patienten im Hinblick auf depressive Symptome und Selbstbewusstsein/Selbstwertgefühl.
Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Die Kombination von Methylphenidat plus psychosozialer Behandlung war der alleinigen Behandlung mit Methylphenidat nicht überlegen. Die kombinierte Behandlung erbrachte auch keine besseren Ergebnisse, im Hinblick auf die Schulleistungen oder den emotionalen Status des Kindes im Vergleich zu Methylphenidat. Auch im Hinblick auf das Sozialverhalten ergab sich kein Vorteil der kombinierten Behandlung im Vergleich mit der Behandlung mit Methylphenidat allein oder mit Methylphenidat plus unspezifische Therapie. Die kombinierte Behandlung führte zwar zu einem besseren Wissen der Eltern über Erziehungsprinzipien, verbesserte aber nicht ihre Erziehungsmethoden, wie sie selbst und wie ihre Kinder berichteten. Signifikante Verbesserungen in verschiedenen Bereichen ergaben sich allerdings im Zweijahresverlauf bei allen drei Behandlungsmodalitäten.
Insgesamt ergibt sich also die ernüchternde Bilanz, dass zusätzliche Maßnahmen zur Methylphenidatbehandlung (seien sie spezifisch oder unspezifisch) keinen zusätzlichen Beitrag zum Behandlungserfolg leisten. Dies bezieht sich sowohl auf die Kernsymptomatik der Störung als auch auf die Schulleistungen, die emotionale Befindlichkeit der Kinder, das Sozialverhalten und das Erziehungsverhalten der Eltern. Das Ergebnis der Studie spricht für eine starke biologische Verankerung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, was durch genetische Befunde unterstützt wird. rmh

Klein RG, Abikoff H, Hechtmann L, Weiss G: Design and rationale of controlled study of long-term methylphenidate and multimodal psychosocial treatment in children with ADHD: Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 2004; 43: 792–801.

Abikoff H, Hechtman L, Klein RG, Weiss G, Fleiss K, Etcovitch J, Cousins L, Greenfield B, Martin D, Pollack S: Symptomatic improvement in children with ADHD treated with long-term methylphenidate and multimodal psychosocial treatment. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 2004; 43: 802–811.

Hechtman L, Abikoff H, Klein RG, Weiss G, Respitz C, Kouri J, Blum C, Greenfield B, Etcovitch J, Fleiss K, Pollack S: Academic achievement and emotional status of children with ADHD treated with long-term methylphenidate and multimodal psychosocial treatment. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 2004; 43: 812–819.

Abikoff H, Hechtman L, Klein RG, Gallagher R, Fleiss K, Etcovitch J, Cousins L, Greenfield B, Martin D, Pollack S: Social functioning in children with ADHD treated with long-term methylphenidate and multimodal psychosocial treatment. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 2004; 43: 820–829.

Hechtman L, Abikoff H, Klein RG, Greenfield B, Etcovitch J, Cousins L, Fleiss K, Weiss M, Pollack S: Children with ADHD treated with long-term methylphenidate and multimodal psychosocial treatment: Impact on parental practices. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 2004; 43: 830–838.

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