ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1996Kurzfristige Anlage – Festgeld: Ein sterbendes Produkt

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Kurzfristige Anlage – Festgeld: Ein sterbendes Produkt

Metzger, H.

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LNSLNS Als wichtigste Voraussetzung für den Abschluß einer Festgeldanlage muß man genug Geld auf der hohen Kante haben. Die "Schallmauer" liegt nach Beobachtungen der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände in Bonn meist bei einem Betrag von 10 000 DM. Nur wenige Kreditinstitute würden sich bereits mit 5 000 DM zufriedengeben. Für Gottfried Neumann, den Vorstandssprecher der Augsburger Aktienbank, ist eine Festgeldanlage im Hinblick auf das gegenwärtige Niedrigzinsniveau ausschließlich für die kurzfristige Geldanlage "bedingt sinnvoll". Renner bei den Laufzeiten sei seit Jahrzehnten die Anlagedauer von 90 Tagen. Bei seinem Institut würden rund 90 Prozent aller Festgeldanlagen auf diese Laufzeit entfallen.
Eine Festgeldanlage ist für Jutta Gelbrich von der Ökobank in Frankfurt dann ratsam, wenn noch nicht klar ist, wie lange eine Festlegung erfolgen kann, oder wenn sie unter der Laufzeit von einem Jahr liegt. Wenn ein Kunde Geld geerbt habe und auf Schnäppchensuche nach einem Haus sei, dann empfehle sich beispielsweise ein Monatsfestgeld. Allerdings werde Termingeld oft angelegt, weil man sich nicht festlegen wolle oder weil es professioneller erscheine als ein Sparkonto. Dies ist für Gelbrich jedoch "nicht die beste Lösung".
Nach der Anlagedauer richtet sich unter anderem auch die Verzinsung des Festgeldes. Dabei gilt für die Verbraucherschützer als Faustformel: Je länger die Laufzeit, desto höher ist der Zins. Ebenfalls Einfluß auf die Verzinsung habe jedoch auch die Höhe des Anlagebetrages. Die Grenzen für höhere Zinssätze würden häufig bei 30 000 DM oder 50 000 DM und bei 100 000 DM liegen. Häufig würden die Verträge auch eine Klausel enthalten, nach der sich das Festgeld nach Ablauf der Anlagedauer für einen weiteren Zeitraum von gleicher Länge zu den dann geltenden Konditionen verlängere, wenn man der Bank oder Sparkasse vorher nichts Gegenteiliges mitteile.


Konditionen kritisch vergleichen
Auch bei Festgeldern sollte man die Konditionen verschiedener Kreditinstitute vergleichen und sich nicht gleich für das erstbeste Angebot der Hausbank entscheiden. Gerade bei dieser Anlageform ist es nach den Erfahrungen der Verbraucher-Zentralen kein Problem, auch mit fremden Kreditinstituten handelseinig zu werden. Belohnt werden könne dies durch wesentlich bessere Anlagebedingungen, denn die Unterschiede könnten von Anbieter zu Anbieter bei gleichen Beträgen und Laufzeiten durchaus ein Prozent per annum und mehr betragen. Vor allem der Wechsel zu einem nicht am eigenen Wohnort ansässigen Institut könne sich lohnen, da es beträchtliche regionale Unterschiede gibt. Es gibt allerdings ein großes Ärgernis: In den regelmäßig publizierten Vergleichstabellen legen sich viele Institute bei den Festgeldzinsen nicht fest. Sie lassen sich nicht in die Karten schauen und ziehen sich auf die Formel "nach Vereinbarung" zurück. Bei den Instituten, die ihre Konditionen nennen, ergab jedoch eine Umfrage, daß für Festgeld von 10 000 DM bei einer Anlagedauer von 90 Tagen derzeit zumeist zwischen 1,25 Prozent (Citibank) und drei Prozent (CTB Bank von Essen) geboten werden. "Unsere aktuellen Sätze betragen", wie Neumann ergänzt, "von 90 Tagen bis ein Jahr einheitlich 2,75 Prozent per annum und ab 50 000 DM ebenfalls einheitlich drei Prozent per annum."
Wenn die Konkurrenz im Konditionenvergleich besser als die Hausbank liegt, so kann man seinem bisherigen Geschäftspartner, wie die Verbraucherschützer raten, "mit einem deutlichen Hinweis darauf eine Chance geben". Oftmals wirke das Wunder, und man erhalten plötzlich ebenfalls den besseren Zinssatz. Auch wenn eine Verlängerung anstehe, sei es sinnvoll, sich einen Marktüberblick zu verschaffen. Häufig würden Banken und Sparkassen nämlich darauf vertrauen, daß Kunden ohnehin den bequemen Weg der automatischen Verlängerung wählen. Deshalb würden sie sich bei Verlängerungsangeboten nicht sonderlich ins Zeug legen.


Alternative Anlagevarianten
Die Festgeldanlage ist jedoch auch generell in die Kritik geraten. Neumann urteilt, "daß das Festgeld nach meiner Einschätzung ein auf Dauer sterbendes Produkt ist". Der Verbraucher sei nämlich besser beraten, alternative Anlagevarianten zu wählen, die ohne Festlegungsfrist höhere Konditionen bieten würden. Beispiele dafür seien die Tagesgeldkonten insbesondere der Direktbanken.
Auch für Gelbrich ist oft schon für Beträge ab 10 000 DM bis 25 000 DM ein Splitting zwischen kurz- und mittelfristiger Anlage sinnvoll: Beispielsweise 5 000 DM auf dem Sparkonto zur Liquiditätsreserve anlegen und den Rest auf ein bis drei Jahre in Sparbriefe oder andere festverzinsliche Wertpapiere investieren. Die Vorteile des Sparkontos seien die monatliche Verfügung über 3 000 DM und die Tatsache, daß es absolut flexibel, unbürokratisch und eigenständig zu managen sei. Und der Vorteil der mittelfristigen Anlage sei die in der Regel höhere Verzinsung. Wenn unklar sei, wann und ob überhaupt das Geld gebraucht werden, empfehle man ein sogenanntes Kapitalsparkonto mit gestaffelter Guthabenverzinsung. Oskar H. Metzger

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