ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2004Recherche zu Zwangsstörungen: Wissenschaftliche Projekte im Internet selten

WISSENSCHAFT

Recherche zu Zwangsstörungen: Wissenschaftliche Projekte im Internet selten

Laszig, Parfen; Rieg, Kathy

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LNSLNS Überblick über empfehlenswerte Web-Seiten zu Zwangsstörungen

Als Zwangsstörungen werden Krankheitsbilder bezeichnet, bei denen Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen im Vordergrund der Symptomatik stehen. Unter „Zwang“ werden Vorstellungen, Handlungsimpulse und Handlungen zusammengefasst, die sich einem Menschen aufdrängen und gegen deren Auftreten er sich vergebens wehrt. Zwangserscheinungen werden als dem eigenen Ich zugehörig, jedoch meist als unsinnig und bedrohlich erlebt. Zwangssymptome können auch im Rahmen anderer psychischer Erkrankungen auftreten. Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind von Zwangsgedanken und/oder -handlungen betroffen.
www.zwaenge.de
www.zwaenge.de
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften hat unter dem Link
www.uni-duesseldorf.de/www/AWMF/ll/kjpp-007.htm die Kriterien einer Zwangsstörung, die Klassifikation, die störungsspezifische Diagnostik, die multiaxiale Bewertung der Diagnose und die Interventionen aufgelistet.
Informationsseiten
Recherchiert man im Netz unter „Zwangsstörungen“ ergeben sich bei google.de 10 500 Treffer. Bei der Suchmaschine metager.de sind es immer noch 112 Treffer. Hauptsächlich sind Selbsthilfegruppen und Informationen von Betroffenen für Betroffene vertreten. Unterteilt man die restlichen Homepages in verschiedene Kategorien, so finden sich Gesellschaften, ausführliche Informationsseiten, Literatur sowie Onlineforen für Betroffene.
Bei der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e. V. (www.zwaen ge.de) sind die Anmeldung zur Jahrestagung abrufbar sowie die Zeitschrift Z-aktuell, die vierteljährlich erscheint und sich sowohl an Experten bei der Therapie von Zwangserkrankungen als auch Betroffene richtet. Unter der Rubrik „Forschung“ werden verschiedene laufende Projekte und deren Ansprechpartner beschrieben. Unter der Rubrik „für Experten“ finden sich neben bibliothekarischen Empfehlungen auch Artikel zur Thematik. Des Weiteren gibt es einen Link zur Thematik „Angehörige von Zwangserkrankten leiden mit“. Es werden die Stigmatisierungserfahrungen im Alltag von Angehörigen beschrieben und unterschiedliche Foren für Betroffene und Experten angeboten. Bei der Schweizerischen Gesellschaft für Zwangsstörungen (www. zwang.ch) gibt es Verweise zu Hintergrundinformationen, Selbsthilfegruppen und ein Forum. Unter „Selbsteinschätzung“ steht die deutsche elektronische Version zu dem von Dr. Wayne Goodman erstellten Florida-Fragebogentest zur Feststellung von Tendenzen zu zwanghaftem Verhalten zur Verfügung.
Die englischsprachige Obsessive-Compulsive Foundation informiert unter www.ocfoundation.org über Zwangserkrankungen, Zwang bei Kindern, Medikation; außerdem findet man Artikel zu verschiedenen Themen, den Büchershop oder den sechs mal jährlich erscheinenden Newsletter, der in Auszügen online abgedruckt ist.
Ausführliche Informationen zu Zwangserkrankungen enthält die Website Medicine-Worldwide unter www. medicineworldwide.de/krankheiten/psy chische_krankheiten/zwangsstoerungen.html zu Häufigkeit, Grundlagen, Ursachen, Symptomatik, Verlauf und Therapie.
Weitere Informationen zu Zwangsstörungen in Abgrenzung zur zwanghaften Persönlichkeitsstörung, zu Inhalten und Merkmalen von Zwängen, ihrer Diagnostik und Therapievorschlägen etc. stehen unter www.neuro24.de/zwangsneurosen.htm von Karl C. Mayer, Heidelberg.
Beim englischsprachigen National Institute of Mental Health www. nimh. nih.gov/HealthInformation/ocdmenu. cfm gibt es zur Thematik ausführliche Informationen dazu, was man unter einer „Obsessive-Compulsive Disorder“ (OCD) versteht, welche Symptome sich zeigen und welche Behandlung möglich ist.
Unter www.lptw.de/vortraege2002/hr_ambuehl.html ist ein Vortrag von Dr. phil. Hansruedi Ambühl zur störungsorientierten Behandlung der Zwangsstörungen einsehbar, der bei den Lindauer Psychotherapiewochen 2002 gehalten wurde. Die Zeitschrift Psychotherapie im Dialog (http://www. thieme.de/pid) hat im Archiv eine Ausgabe zu Zwangserkrankungen, Heft 3/2003, und bietet im „besonderen Fall“ auf derselben Seite „Spezifische Erfahrungen in der Behandlung eines Zwangspatienten“ mit Ausführungen zum Zuweisungskontext, zur Lerngeschichte, zur Zwangssymptomatik, Interventionsplanung, Fallkonzeptualisierung und dem zweiphasigen Therapieverlauf.
Weitere, allerdings englischsprachige Artikelabstracts zur Thematik der Zwangserkrankungen finden sich bei bei Pubmed (www.ncbi.nlm.nih.gov/ entrez/query.fcgi?CMD=search&DB= pubmed), wenn man unter „Search“ die Buchstaben „OCD“ für Obsessive-Compulsive Disorder eingibt.
Selbsthilfe
Unter www.zwangserkrankungen.de findet sich ein Onlineforum für Betroffene einer Zwangserkrankung und Angehörige, das als privates Selbsthilfeprojekt von Menschen mit einer Zwangserkrankung erstellt wurde und für Betroffene Informationen zur Krankheit, zu Selbsthilfegruppen, zur Therapeutensuche, spezielle Literatur und
eine Linkdatenbank liefert. Auf der Mailingliste http://members.aol.com/zwaenge können sich Betroffene austauschen und unter „Links“ gibt es weitere interessante Sites (zum Beispiel Therapeuten, Kliniken, Selbsthilfegruppen etc.).
Es gibt zwar eine Vielzahl von Internetseiten zu Zwangsstörungen, darunter viele allgemeine Informationsseiten und Selbsthilfeseiten, wissenschaftliche Projekte werden jedoch eher selten beschrieben. Die Seite der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e. V. ist diesbezüglich als vorbildlich in der Gestaltung und Aufbereitung insbesondere für Experten zu bezeichnen. Sie listet Literatur zur Thematik auf, bietet Texte im Volltext und liefert unter „Forschung“ einen Überblick über laufende Projekte an Universitäten.

Anschrift der Verfasser:
Dr. sc. hum. Parfen Laszig, Dipl.-Psych. Kathy Rieg
Psychosomatische Klinik, Abteilung Psychosomatik, Universitätsklinikum Heidelberg, Thibautstraße 2, 69115 Heidelberg, Telefon: 0 62 21/56 58 72, Fax: 0 62 21/ 5 63 35 49, E-Mail: parfen_laszig@med.uni-heidelberg. de oder kathy_rieg@med.uni-heidelberg.de, Internet: www.laszig.uni-hd.de
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