ArchivDeutsches Ärzteblatt7/199650 Jahre Ärztekammer des Saarlandes: Ärzte und Zahnärzte seit Beginn in einer Kammer

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50 Jahre Ärztekammer des Saarlandes: Ärzte und Zahnärzte seit Beginn in einer Kammer

Glöser, Sabine

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LNSLNS Die Ärztekammer des Saarlandes feierte ihr 50jähriges Bestehen. Anläßlich dieses Jubiläums sprach die Landesministerin für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales, Marianne Granz, der Kammer ein großes Kompliment aus: "50 Jahre Ärztekammer des Saarlandes – das ist eine beispielhafte Allianz, die geprägt ist von kollegialer Zusammenarbeit und gegenseitiger Toleranz im Interesse der gesamten Ärzteschaft."


Kaum jemand kann sich heute vorstellen, was es bedeutete, in dieser Zeit ärztlich tätig zu sein, in der es an den einfachsten Dingen mangelte", so beschrieb Sanitätsrat Prof. Dr. med. Franz Carl Loch, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, anläßlich der 50-Jahr-Feier die Situation in den Gründungsjahren der Ärztekammer Saar. Am 30. Oktober 1945 ordnete der damalige Regierungspräsident des Saarlandes, Dr. jur. Hans Neureuter, in der "Verordnung über die vorläufige Regelung der Ausübung der Heilkunde im Saargebiet" die Errichtung einer Ärztekammer an. Im Amtsblatt des Regierungspräsidiums Saar Nr. 13 vom 13. November 1945 heißt es dazu: "Zur Vertretung der Ärzte und Zahnärzte im Saargebiet wird eine Ärztekammer errichtet." Der bis heute bestehende Zusammenschluß von Ärzten und Zahnärzten in einer Kammer ist eine Besonderheit in Deutschland. Sanitätsrat Dr. med. dent. Werner Röhrig charakterisierte diese "Symbiose" zurückblickend: "Der Wille zur Zusammenarbeit von Ärzten und Zahnärzten in der gemeinsamen Kammer war von echtem saarländischem Pragmatismus in der Art einer regionalen Bootsgemeinschaft geprägt, wodurch vieles zum Wohle aller Kammermitglieder in die Wege geleitet wurde."
Nachdem der Regierungspräsident Dr. med. Albert von Brochowski zum ersten Vorstandsvorsitzenden berufen hatte, wählten die saarländischen Ärzte im Januar 1950 den Geheimen Sanitätsrat Dr. med. Max Obé zu ihrem ersten Kammerpräsidenten. Obé war ein Jahr später, am 1. Juli 1951, wesentlich an der Gründung des Versorgungswerkes der Ärztekammer des Saarlandes beteiligt. Dem Geschäftsbericht für die Jahre 1950 bis 1953 ist zu entnehmen, daß es "ein Werk der Selbsthilfe" war, "das aus den Ständen heraus erwachsen ist und auf diese allein gründet und gestützt wird".
Die politische Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1956 bewirkte schließlich per Gesetz, daß die bis dahin bestehenden Abteilungen Kassenärztliche Vereinigung und Kassenzahnärztliche Vereinigung wieder aus der Ärztekammer gelöst wurden. Mit der Verabschiedung des Gesetzes über die Einrichtung der Ärztekammer wurde im Jahr 1957 dann die rechtliche Grundlage für das Versorgungswerk geschaffen. In der Fassung der Änderungsgesetze aus den Jahren 1968 und 1975 stellt es die Grundlage für die Tätigkeit der heutigen Ärztekammer dar.
Der historische Rückblick auf das saarländische Organisationswesen läßt zudem eine weitere saarländische Besonderheit erkennen: Im Jahr 1948 wurde das "Saarländische Ärzte-Syndikat" gegründet. Der Verband machte es sich zur Aufgabe, die wirtschaftlichen Belange der Ärzteschaft zu vertreten. Schon zu Beginn des Jahrhunderts hatte Sanitätsrat Dr. med. Hermann Hartmann mit der Gründung des Hartmannbundes eine ähnliche Zielsetzung verfolgt. Das Ärzte-Syndikat, welches kürzlich seinen Namen in "Ärzteverband des Saarlandes" änderte, versteht sich als Dachverband der ärztlichen Interessenvertretungen im Saarland.
Die Kontinuität in der Führungsspitze der Kammer hob Röhrig hervor: "Es spricht wohl für uns Saarländer, daß in 50 Jahren Ärztekammer des Saarlandes das Vertrauen zur Führung der Ärztekammer an nur vier Präsidenten vergeben war. Alle sorgten mit der notwendigen Tatkraft für den Aufbau einer Institution, die sich für Ärzte und Zahnärzte bewährt hat." Nachdem Obé das Amt des Präsidenten bis zum Jahr 1962 innehatte, stand Sanitätsrat Dr. med. Herbert Micka 24 Jahre an der Spitze der Kammer. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und die ParacelsusMedaille, die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft. Seit 1986 steht Loch der Kammer vor.
Zu den Gratulanten gehörte auch der saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine, der während der Feierstunde in Saarbrücken am 9. Dezember 1995 besonders all denjenigen dankte, "die die ehrenamtliche Tätigkeit der Ärztekammer getragen haben". Die 50-Jahr-Feier nahm der amtierende Präsident jedoch auch zum Anlaß, die aktuelle Schwerpunktsetzung in der Arbeit der Kammer zu erläutern: Gegenwärtig sei "die Organisation des ärztlichen Weiterbildungswesens, das gerade unter Qualitätssicherungsgesichtspunkten immer mehr an Bedeutung gewinnt", eine der wichtigsten Aufgaben. Dr. Sabine Glöser

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