ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1996Börsebius über Steuersparmodelle (III): Alle Jahre wieder

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Börsebius über Steuersparmodelle (III): Alle Jahre wieder

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Nun ist die Situation auf dem Markt ja so, daß viele Anleger sich recht bockig zeigen, wenn ihnen Modelle angeboten werden, die irgendwie mit Immobilien zu tun haben. Manche wissen halt noch recht gut aus der Zeit mit den havarierten Bauherrenmodellen, daß wie feine Bräute aufgemachte Hochglanzprospekte einen sehr unangenehmen Lästigkeitswert haben können und noch über Jahre finanzielle Nebenwirkungen zeitigen.
Darauf hat sich die Branche aber längst eingestellt. Wem immobiliare Steuersparmodelle nicht geheuer sind, läßt sich, so vermuten die Initiatoren, vielleicht eher von Schiffsbeteiligungen oder Leasingfonds anziehen.
Gerade bei Schiffsbeteiligungen wird als Zückerchen damit geworben, daß der Erwerber für einen Spottpreis über die Weltmeere schippern darf, wann immer er will.
Das ist zwar eine hübsche Idee, doch darf darüber nicht vergessen werden, die Beteiligung als solche einer genauen Bewertung zu unterziehen.
So edel eine Schiffsbeteiligung sich anfühlt, so wenig unterscheidet sie sich von anderen Formen eines geschlossenen Fonds. In der Regel wird der Anleger Kommanditist einer KG. Eben diese KG gibt das Schiff in Auftrag und verchartert es dann, wenn es vom Stapel gelaufen ist. Die KG erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb, und der Zeichner ist demnach Mitunternehmer. Mit allen Risiken und Chancen.
Ohne hier steuerlich allzusehr ins Detail zu gehen, bezog in der Vergangenheit so manche Schiffsbeteiligung ihren Reiz aus steuerlichen Leckerbissen wie einer maximalen Verlustzuweisung von 125 Prozent und einer exzessiven Sonderabschreibung von 40 Prozent auf die Neubaukosten und einem begünstigten Verkaufserlös.
An diesem Bonbon sägt der Fiskus sowieso eifrig, aber das ist es nicht alleine, was Schiffsbeteiligungen so problematisch macht. Ob die in der Regel ab 50 000 Mark mögliche, etwa 10 Jahre währende Schiffsbeteiligung eine lohnende Sache wird, hängt sowohl vom Kaufpreis des Schiffes als auch von den erzielbaren Frachtraten und später erst recht davon ab, was der ausgediente Kahn noch in die Kassen bringt.
Mindestens bei den Frachtraten kann man heute schon sagen, daß die Erwartungen kräftig zurückgeschraubt werden (müssen). Ein alter Freund von mir, Ingenieur bei der Handelsmarine, glaubt gar, daß die Preise für Containerschiffe ziemlich rückläufig sein werden. "Es gibt einfach zu viele davon", meint er, und damit spinnt er wohl kein Seemannsgarn. Die Initiatoren möglicherweise um so ergiebiger. Börsebius
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