ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1996Laserkorrektur der Kurzsichtigkeit: Hohe Erfolgsraten - aber nicht für jeden

SPEKTRUM: Akut

Laserkorrektur der Kurzsichtigkeit: Hohe Erfolgsraten - aber nicht für jeden

Koch, Klaus

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LNSLNS Etwa 15 Prozent der Bundesbürger sind so kurzsichtig, daß sie nicht ohne Brille oder Kontaktlinsen zurechtkommen. In manchen Berufen ist dies ein ernstes Problem: Brillen sind hinderlich, und auch Kontaktlinsen sind oft ungeeignet – zudem verträgt sie nicht jeder. In solchen Fällen kann der Einsatz eines Lasers zur operativen Korrektur der Fehlsichtigkeit sinnvoll sein, sagte Prof. Theo Seiler, Direktor der Augenklinik der Universität Dresden, auf dem 21. Interdisziplinären Forum "Fortschritt und Fortbildung in der Medizin" der Bundes­ärzte­kammer in Köln. Durch den laserchirurgischen Eingriff wird die Brechkraft der Hornhaut verändert. Zur Korrektur der Kurzsichtigkeit (Myopie) wird die Hornhaut etwas abgeflacht, bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) wird sie aufgewölbt.

Bei der Mitte der achtziger Jahre in Deutschland entwickelten "photorefraktiven Keratektomie" wird mit einer Serie von jeweils nur milliardstel Sekunden dauernden Excimer-Laserimpulsen Hornhautgewebe verdampft (Photoablation), ohne benachtbartes Gewebe zu schädigen. Bei Patienten mit einer Kurzsichtigkeit bis zu maximal sechs Dioptrien bezifferte Seiler die Erfolgsraten der laserchirurgischen Behandlung auf über 90 Prozent. In den letzten zwei Jahren hätten verschiedene Studien gezeigt, daß 92 bis 98 Prozent der Patienten nach der Behandlung nicht mehr auf Sehhilfen angewiesen seien. In weniger als einem Prozent der Fälle sei es durch die Operation zu Komplikationen gekommen. Meist seien das geringfügige Trübungen und Unregelmäßigkeiten der Hornhaut, die allerdings die erreichte Sehstärke wieder verringern können. Noch nicht ganz ausgereift ist die Laser-Methode bei Weitsichtigkeit.


Mit einer Komplikationsrate um zwei Prozent muß bei Weitsichtigkeit bis zu vier Dioptrien gerechnet werden. Im Gegensatz zur Kurzsichtigkeit sei man auch mit der Erfolgsrate "noch nicht zufrieden", schränkte Seiler ein. Derzeit brauche etwa einer von zehn Übersichtigen auch nach dem Laser-Eingriff noch zum Lesen eine Brille. Auch bei Kurzsichtigkeit von über sieben Dioptrien stößt die Methode derzeit noch an Grenzen. Gerade bei Trägern sehr starker Brillengläser, die am stärksten von einer Korrektur profitieren würden, "ist die Methode noch kein anerkanntes Verfahren", sagt Seiler. Hier liege die Komplikationsrate mit fünf bis zehn Prozent noch zu hoch. Auf absehbare Zeit besteht laut Seiler keine Aussicht, daß die Kosten des pro Auge etwa 3 000 Mark teuren Eingriffs generell von den gesetzlichen Kassen übernommen werden. Der Eingriff sei nur dann eine Kassenleistung, wenn weder Brille noch Kontaktlinsen vertragen würden. Klaus Koch

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