ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2004Krankenhausfinanzierung: Verteilungsrisiken

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Krankenhausfinanzierung: Verteilungsrisiken

Dtsch Arztebl 2004; 101(41): A-2713 / B-2285 / C-2193

Clade, Harald

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LNSLNS Bei den diagnosebasierten Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups; DRGs) hakt es an vielen Ecken und Enden, obwohl im Zuge der jetzt in die Schlussberatung gehenden Novelle zum Fallpauschalensystem noch Änderungen bei den immer weiter aufgefächerten Zu- und Abschlagsregelungen, Ausnahme- und Sonderregelungen, vor allem für besonders aufwendige Fälle, getroffen wurden. Durch die bis Ende 2008 verlängerte Konvergenzphase und die mildere Anpassung der „Konvergenzquoten“ bekommen die Krankenhäuser noch nicht die volle Wucht des Vergütungssystems zu spüren.
Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Vergütungssystem in vielen Teilen noch unreif, die Kalkulationsbasis noch nicht ausreichend repräsentativ ist und die Krankenhäuser bislang unzulängliche Anstrengungen unternommen haben, ihre Kostenstrukturen im Hinblick auf das neue Entgeltsystem zu durchforsten. Aus der Mechanik des Systems und der Anpassungsphase resultieren ab 2005 Umverteilungen. Diese können wegen der sich bis zu 300 Prozent unterscheidenden krankenhausindividuellen Basisfallwerte einen Budgetzuwachs oder -abschlag im zweistelligen Prozentbereich zur Folge haben. Insbesondere die Hochschulmedizin und die Maximalversorger sehen sich im Hintertreffen.
Universitätskliniken verlieren mehr als eine Milliarde Umsatzerlöse infolge der Umverteilung in Richtung Grund- und Regelversorgung. Krankenhäuser mit mehr als 800 Betten und höheren Fallzahlen dürften ausnahmslos zu den Verlierern zählen. Zwei Drittel der Krankenhäuser dürften hinzugewinnen, ein Drittel dürfte erheblich einbüßen.
Den Schwachpunkt des DRG-Systems haben Experten bei einer Anhörung am 29. September in Berlin herausgestellt: Das DRG-System erklärt allenfalls 70 Prozent aller Kostenunterschiede. Die Schwankungsbreite der Kosten innerhalb einzelner Fallpauschalen betrage bis zu 50 Prozent. Die vorherrschende „Kalkulation am Patienten“ birgt unbekannte Risiken und provoziert ein unübersichtliches, kaum steuerbares Zu- und Abschlagsystem. Inhaltlich insuffiziente Basisfallraten verzerren den Wettbewerb, und innovative Hochleistungsmedizin kann schon bald zu einer Durchschnittsmedizin abdriften. Dr. rer. pol. Harald Clade
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