ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2004Zentrale Ethikkommission bei der Bundes­ärzte­kammer: Ärztliches Urteilen und Handeln

POLITIK

Zentrale Ethikkommission bei der Bundes­ärzte­kammer: Ärztliches Urteilen und Handeln

Dtsch Arztebl 2004; 101(41): A-2729 / B-2300 / C-2207

Zschieschang, Petra

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LNSLNS Das unabhängige und multidisziplinär zusammengesetzte Gremium hat
sich zur vierten Amtsperiode neu konstituiert.

Angesichts des sprunghaft zunehmenden biomedizinischen Wissens und Könnens stellt die Forderung, moralisch zu handeln und dies gegenüber Kritikern zu begründen, gerade für Ärztinnen und Ärzte eine wesentliche Aufgabe dar“, sagte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, anlässlich der konstituierenden Sitzung der Zentralen Ethikkommission für die vierte Amtsperiode.
Der enorme Wissenszuwachs in den letzten Jahrzehnten und die technologische Entwicklung in der Biomedizin ebenso wie Verteilungsprobleme bei relativer Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen haben den Vorstand der Bundes­ärzte­kammer bereits 1994 veranlasst, zusätzlich zu den vorhandenen medizinischen Ethik-Kommissionen eine Zentrale Kommission zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Medizin und ihren Grenzgebieten (Zentrale Ethikkommission) bei der Bundes­ärzte­kammer zu errichten.
Austausch über umstrittene Fragen
Als unabhängiges und multidisziplinär zusammengesetztes Gremium bietet die Zentrale Ethikkommission Vertretern der Ärzteschaft und der Natur- und Geisteswissenschaften die Gelegenheit zu einem Austausch über umstrittene Fragen in der Medizin und ihren Grenzgebieten.
Nach ihrem Statut besteht die Aufgabe der Zentralen Ethikkommission darin, Stellungnahmen zu solchen umstrittenen ethischen Fragen abzugeben. Darüber hinaus steht die Zentrale Ethikkommission auf Wunsch den Ethikkommissionen der Lan­des­ärz­te­kam­mern oder der Medizinischen Fakultäten für eine ergänzende Beurteilung ethischer Fragen zur Verfügung.
Die Zentrale Ethikkommission bei der Bundes­ärzte­kammer hat sich am
7. September zu ihrer vierten Amtsperiode konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Prof. Dr. med. Dr. phil. Urban Wiesing, Tübingen, gewählt, zum Stellvertreter Prof. Dr. med. Dr. phil. Heiner Raspe, Lübeck. Dem Vorstand gehören außerdem Prof. Dr. iur. Jochen Taupitz, Mannheim, Prof. Dr. med. Bernd Gänsbacher, München, und Prof. Dr. med. Ingeborg Walter-Sack, Heidelberg, an.
Am Vorabend der Sitzung wurde der langjährige bisherige Vorsitzende Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Heinz Pichlmaier, Köln, der aus der Kommission ausgeschieden ist, feierlich verabschiedet. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer würdigte Pichlmaier als einen „Kliniker, Wissenschaftler und akademischen Lehrer im vorzüglichen, im wirklich besten Sinne der tradierten Vorstellung ärztlicher Tätigkeit“. Er habe es als Vorsitzender in drei Amtsperioden „mit Klugheit, Besonnenheit und Maß stets verstanden, die ethischen Beratungen und Erörterungen in der Zentralen Ethikkommission durch gezielte Fragen und Nachfragen zu aktivieren und in Gang zu halten“.
Die Zentrale Ethikkommission hat bisher neun Stellungnahmen und Erklärungen zu acht Themen verfasst, unter anderem zum „Schutz nicht-einwilligungsfähiger Personen in der medizinischen Forschung“ (1997), zur Prioritätensetzung in der medizinischen Versorgung (2000), zur Stammzellforschung (2002) und zuletzt zur „Forschung mit Minderjährigen“ (2004). Bei ihren Beratungen sah sich die Zentrale Ethikkommission mit einem Problem konfrontiert, das möglicherweise künftig häufiger auftreten wird: Die Mitglieder konnten in bestimmten Fragen keine Einigkeit erzielen. Nach Ansicht des neuen Vorsitzenden hätte man dies auch nicht erwarten dürfen, da in der Zentralen Ethikkommission Pluralität herrsche. Keine grenzenlose Pluralität und keine Beliebigkeit, sondern eine Pluralität auf der Grundlage bestimmter Überzeugungen, die die Gesellschaft prägen.
Wiesing zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass es der Zentralen Ethikkommission auch künftig gelingen werde, trotz unterschiedlicher Anschauungen zu Ergebnissen zu gelangen. Ein wesentliches Kennzeichen ihrer Arbeit sei schließlich der hohe gegenseitige Respekt gewesen, den sich die Mitglieder stets entgegenbrachten.
In der konstituierenden Sitzung ging es auch um die Frage, wie sich die Zentrale Ethikkommission angesichts zahlreicher Kommissionen und Räte auf Bundes- und Länderebene positionieren sollte. Man war sich einig, dass das besondere Profil der Zentralen Ethikkommission in ihrer Herkunft und ihrer Zuständigkeit liegt: Sie ist eine Kommission der verfassten Ärzteschaft und sollte sich demgemäß vorwiegend Themen widmen, die eine besondere Nähe zur ärztlichen Praxis aufweisen.
Diesem Selbstverständnis nach hat sich die Zentrale Ethikkommission darauf verständigt, sich in ihrer dreijährigen Amtsperiode schwerpunktmäßig mit den Themenfeldern „Wandel des Arztbildes und professionelles Selbstverständnis“, „Ethische Reflexion und Beratung im Krankenhausbereich“ sowie „Therapeutisches Klonen“ zu befassen. Dr. med. Petra Zschieschang

Anschrift:
Zentrale Ethikkommission bei der Bundes­ärzte­kammer
Herbert-Lewin-Platz 1 (Wegelystraße), 10623 Berlin
E-Mail: dezernat6@baek.de
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