ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2004Herbert-Lewin-Platz: Doppelte Erinnerung

VARIA: Post scriptum

Herbert-Lewin-Platz: Doppelte Erinnerung

Dtsch Arztebl 2004; 101(41): [60]

Rieser, Sabine

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Foto: Georg Lopata
Foto: Georg Lopata
Ein wenig Wehmut beim Abschied von Köln nach mehr als 40 Jahren sei schon zu spüren gewesen, gab Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe zu, als er am 22. September als Präsident die Gäste zur Hauseinweihung der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) in Berlin begrüßte. Nahe
dem S-Bahnhof Tiergarten, in direkter Nachbarschaft zur Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur, haben BÄK, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Deutsche Krankenhausgesellschaft gemeinsam einen Neubaukomplex bezogen. Etwas werde aber täglich an Köln erinnern, betonte Hoppe: der Name des Platzes vor den Häusern, der nach Herbert Lewin benannt ist. In Köln hatten BÄK und KBV ihren Sitz in der Herbert-Lewin-Straße.
„So wird ein verdienter jüdischer Kollege geehrt, der
in Köln gewirkt hat und auch hier in Berlin als gynäkologischer Chefarzt am Jüdischen Krankenhaus“, erinnerte Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, Erster Vorsitzender der KBV. Justizsenatorin Karin Schubert begrüßte die Namensgebung ausdrücklich und erinnerte an wichtige Lebensstationen von Dr. med. Herbert Lewin. Er hatte sich 1931 als Fach-arzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin niedergelassen, wurde 1935 Chefarzt der entsprechenden Abteilung am dortigen Jüdischen Krankenhaus und wechselte 1937 zum Krankenhaus des Israelitischen Asyls in Köln.
„Herbert Lewin gehörte zu jenen Ärzten, die von den Nazis als ,jüdisch-bolschewistisch‘ bezeichnet wurden“, erinnerte Schubert. Ihm wurde seine Approbation entzogen, dann durfte er als „Krankenbehandler“ noch jüdische Patienten versorgen, ehe er mit seiner Ehefrau Alice ins Ghetto von Lodz deportiert wurde. Seine Frau starb, er überlebte.
Foto: Zentralrat der Juden in Deutschland Dr. med. Herbert Lewin, geboren 1899 in Bydgoszcz/Bromberg, gestorben 1982 in Wiesbaden
Foto: Zentralrat der Juden in Deutschland Dr. med. Herbert Lewin, geboren 1899 in Bydgoszcz/Bromberg, gestorben 1982 in Wiesbaden
Schubert wies darauf hin, dass Lewin auch nach dem Krieg weiter mit antisemitischen Vorurteilen zu kämpfen hatte: „So lehnte der Offenbacher Magistrat zunächst seine Berufung zum Chefarzt der Offenbacher Städtischen Frauenklinik ab. Ärztekollegen im Gemeinderat und
im Krankenhaus begründeten dies zynisch damit, dass Lewin seine Arbeit mit dem Rachegefühl eines KZlers antreten würde und keine Frau sich ihm mit ruhigem Gewissen anvertrauen könne.“ Erst nach einer Intervention der vorgesetzten Behörden und weltweitem Protest wurde die Entscheidung gegen Lewin korrigiert. Rie
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