ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1996Krankenhaus: Verdienstvoll

SPEKTRUM: Leserbriefe

Krankenhaus: Verdienstvoll

Letzel, Heinz

Zu dem Beitrag "Trugschlüsse biometrischer Untersuchungen" von Heino Kuhlemann, Jürgen Majerus und Johannes Möller in Heft 36/1996
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LNSLNS Es ist sehr verdienstvoll, daß die Autoren zu dem oft immer noch unkritischen Umgang mit statistischen Verfahren in der Medizin eine klare Stellung beziehen und sich dabei ausführlich mit dem statistischen Fehler erster Art beschäftigen. Nur hätte man sich an dieser Stelle gewünscht, daß auch der Fehler zweiter Art (Wahrscheinlichkeit falsch negativer Ergebnisse) detailliert besprochen wird. Häufig ziehen nämlich medizinische Forscher aus nicht signifikanten Studienergebnissen den unter Umständen noch schwerwiegenderen Fehlschluß, gezeigt zu haben, daß kein Zusammenhang besteht (präziser formuliert: daß die Nullhypothese zutrifft). Dies wäre auch deshalb wichtig gewesen, weil in Analogie zu den beiden diagnostischen Fehlern ein enger Zusammenhang zwischen den beiden statistischen Fehlern dahingehend besteht, daß – bei sonst gleichen Voraussetzungen – immer der eine Fehler größer wird, wenn man den anderen zu verkleinern sucht.
In diesem Zusammenhang sei auch noch auf folgende Asymmetrie hingewiesen: Fehler erster Art korrigieren sich im Prinzip dadurch, daß falsch positive Forschungsergebnisse einer Arbeitsgruppe von anderen Wissenschaftlern nur mit geringer Wahrscheinlichkeit reproduziert werden. Falsch negative Ergebnisse können jedoch zu einem irreversiblen Fehler werden, wenn eine an sich zu verwerfende Nullhypothese beibehalten und nie wieder geprüft wird.
Prof. Dr. med. Heinz Letzel, Verum Staticon, Behringstraße 12, 82152 Planegg
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