ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2004Narbentherapie in der Dermatologie

MEDIZIN

Narbentherapie in der Dermatologie

Dtsch Arztebl 2004; 101(42): A-2819 / B-2388 / C-2278

Worret, Wolf-Ingo; Vogt, Hermann-Josef

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LNSLNS Zusammenfassung
Es gibt eine Fülle von möglichen Narbenformen, die lediglich stadiengerecht und typadäquat behandelt werden sollten, um sie klinisch unauffälliger zu machen. Wichtige Optionen sind Injektionen von Glucocorticosteroiden, Silikonpräparate, spezielle Operationen, auch Laser- und Kryotherapie, Bandagierungen und die Röntgenweichstrahltherapie. Daneben gibt es noch weitere Präparate, die allein oder in der Kombination einen Vorteil erbringen können. Eine polypragmatische Vorgehensweise hat sich als optimal herausgestellt. Trotzdem wird nur eine Gentherapie in der Zukunft eine vollständige Wiederherstellung erreichen können.

Schlüsselwörter: Keloid, hypertrophe Narbe, Narbentherapie, Corticosteroid, Silikon, Strahlentherapie


Summary
Scar Therapy in Dermatology
There are many forms of scars and it is mandatory to treat them regarding their states and types to make them inconspicuous. Important options are injections with glucocorticosteroids, preparations of silicone, special operations, laser- and cryotherapy, bandages, and also X-ray soft-beam therapy. Besides this there are numerous preparations which can achieve good results alone or in combination. Often a polypragmatic approach leads to optimal results. Nevertheless, in future, only a gene therapy will be able to provide a complete restoration.

Key words: keloid, hypertrophic scar, scar therapy, corticosteroid, silicon, radiation therapy



Seit jeher beeinträchtigen Narben das physische und psychische Wohlbefinden. Häufig stören Narben aus ästhetischen Gründen, und zudem können sie eine funktionelle Behinderung, zum Beispiel eine Einschränkung der Beweglichkeit an Gelenken, hervorrufen.
Klinik
Unter praktisch ästhetischem Gesichtspunkt unterscheidet man, unabhängig von möglicherweise resultierenden funktionellen Behinderungen, fünf Arten von Narben:
- Fibröse („physiologische“) Narben
- Sklerotische Narben
- Schüsselförmig eingesunkene und scharfkantig eingezogene Narben
- Hypertrophe Narben
- Keloide
Fibröse Narben können bei manchen Patienten einen Leidensdruck hervorrufen. Sie sind jedoch physiologisch so beschaffen, dass man mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln keine Verbesserung mehr erreichen kann. Die Möglichkeit, dass man das Aussehen der Narbe verschlechtert, ist so groß, dass man zu einem aktiven Nichtstun veranlasst wird. Dieses ist mit dem Patienten sehr genau zu besprechen. Lediglich eine Narbencreme und die Camouflage vermögen die Ästhetik der Narbe zu verbessern.
Sklerotische Narben sind im Gegensatz dazu hart, unelastisch und neigen zum Schrumpfen. Liegen sie über Gelenken, können sie zu Kontrakturen oder einer Immobilisation führen.
Schüsselförmig eingesunkene und scharfkantig eingezogene Narben bilden sich oftmals bei Akne. Hierbei treten sie aber meist so multipel auf, dass eine Therapie aller Narben, auch finanziell, kaum zu vertreten ist. Größere und einzelstehende Narben können jedoch behandelt werden.
Keloide sind Narben, die bei der Wundheilung autochthon, aber benigne über die eigentlichen Wundränder zungenförmig (Chele = große Krebsschere) hinauswachsen. Im Gegensatz dazu gehen hypertrophe Narben, auch als Wulstnarben bezeichnet, nicht über die Wundränder hinaus und sind dadurch relativ scharf begrenzt. Symptome wie Jucken, Brennen, Rötung und Schmerzen werden bei Keloiden weit häufiger beobachtet als bei hypertrophen Narben. Gemeinsam ist beiden Narbenformen, dass sie auch schon nach minimalem Trauma, wie zum Beispiel bei der Akne, auftreten können. Eine Reihe von Faktoren kann zur Bildung von Keloiden prädisponieren (Textkasten). Bei hypertrophen Narben werden spontane Rückbildungen beobachtet, Keloide bilden sich ohne entsprechende Therapie nur äußerst selten zurück.
Da alte Menschen in der Regel keine auffällig verdickten Narben aufweisen, kann man davon ausgehen, dass alle Narbentypen im Senium atrophieren und damit flach werden.
Therapiemöglichkeiten
Die Behandlung von Narben umfasst zahlreiche Verfahren und richtet sich immer nach dem Narbentyp (Tabelle).
Sklerotische Narben
Durch spezielle plastisch-operative Techniken (zum Beispiel Z-Plastik) können sklerotische Narben verlängert werden, um Bewegungseinschränkungen zu verhindern. Man kann auch die gesamte unschöne Narbe herausschneiden, um nochmals sauber, intrakutan, spannungsfrei zu nähen.
Schüsselförmig eingesunkene Narben
Schüsselförmig eingesunkene Narben werden mit Füllsubstanzen (beispielsweise Kollagen, Hyaluronsäure) auf das normale Hautniveau angehoben und korrigiert. Die meist atrophische Oberfläche kann dann mit einer Camouflage der umgebenden Hautfarbe angeglichen werden.
Bei fest an den Untergrund verwachsenen, eingezogenen, großen Narben werden mit geeigneten Messern (bewährt haben sich sichelförmige Fadenmesserchen) die Synechien operativ gelöst (Cicatrixotomie) und so die Narbe angehoben. Durch einen Pflasterstreifen kann man die Oberfläche im Hautniveau fixieren. Versuche der Unterfütterung mit Eigenfett können erfolgreich sein.
Scharfkantig eingezogene Narben
Bei den kleinen scharfkantigen Narben im Gesicht („ice-pick scars“), wie sie nach einer Akne auftreten können, hat sich die Schleifung in der Oberhaut (Dermabrasion nach Schreus) bewährt (Abbildung 1). Es handelt sich dabei um ein operatives Peeling. Da jedoch der Diamantschleifkopf mit seinen 3 000 Umdrehungen pro Sekunde in ungeübter Hand und bei plötzlichen Bewegungen des Patienten schwere Verletzungen verursachen kann, ist diese Methode immer mehr von der gut steuerbaren Verschorfungstiefe des CO2- oder des Erbium:YAG-Lasers abgelöst worden (Skin-Resurfacing).
Das Prinzip der Abrasio ist nicht das „Abschleifen“ der Narben, sondern die Abflachung der scharf abfallenden Narbenränder, damit sich dort das Licht nicht so hart bricht, was den Eindruck einer flacheren, hellen kleinen Narbe hervorruft.
Eine ähnliche Wirkung kann auch durch ein mitteltiefes chemisches Peeling (30-prozentige Trichloressigsäure) erreicht werden; jedoch ist der Erfolg viel schwächer als bei den geschilderten operativen Methoden.
Bei einzeln stehenden, kleinen Narben kann das Zentrum mit einer geeigneten Stanze gelöst, eleviert und dann mit einem Klebesteifen, wie bei der Cicatrixotomie beschrieben, fixiert werden. Es muss jedoch beachtet werden, dass bei manchen Patienten sehr unschöne Ringnarben im Bereich der Hautstanzung auftreten können.
Hypertrophe Narben und Keloide
Hypertrophe Narben und Keloide werden primär konservativ behandelt, da operative Interventionen, insbesondere bei Keloiden, mit einem hohen Risiko von Rezidiven belastet sind.
Sind Exzisionen dennoch geplant, so sollten gleichzeitig weitere Therapien eingesetzt werden, wie Corticoidinjektionen in die Schnittränder, Kryotherapie, Imiquimod, Verapamil oder postoperative Röntgenbestrahlung, weil die Rezidivrate andernfalls bei 55 bis 59 Prozent liegt (18). Diese zusätzlichen Verfahren hemmen allerdings die Wundheilung.
Chirurgische Entfernung von Keloiden
Die chirurgische Entfernung von Keloiden wurde schon 1844 von Druitt (18) praktiziert. Sie ist eine der am längsten angewendeten Praktiken.
Die Exzision ist nur in therapieresistenten Fällen vorzunehmen. Dann sollten allerdings Haarfollikel, Zysten und keratinhaltiges Material mit entfernt werden, da diese vermutlich ein Stimulus für die Entstehung von Keloiden sind. Die Entfernung sollte entlang der Hautspannungslinien und möglichst atraumatisch geschehen, um eine postoperative Wundspannung zu vermeiden. Für den Wundverschluss gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel Z-Plastik, „flap repair“, „skin graft“ und ein Verschluss mit Haut, die vorher mit einem Expander gedehnt wurde. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, möglichst wenig Fremdmaterial, wie Handschuhpuder in die Wunde zu bringen. Nach Exzision müssen Infektionen und Hämatome möglichst vermieden werden, um der Haut keinen Stimulus für neue Keloidbildung zu bieten. Eine minimale Alteration des Bindegewebes ist obligatorisch.
Medikamentöse Behandlung
Glucocorticoide
Im Allgemeinen reagieren alle hypertrophen Narben auf die Infiltration mit zehnprozentiger Triamcinolon-Kristallsuspension; Keloide und Brandnarben etwas weniger, Aknekeloide kaum. Die Kollagen-m-RNA wird durch Steroide vermindert ausgebildet. Dadurch lässt sich die Hemmung der Kollagen-Synthese (bis zu 60 Prozent) erklären (16). Der Kollagenabbau wird außerdem durch die Hemmung von a-Globulin, einem Kollagenaseinhibitor, gesteigert (19). Die durch Steroide verursachte Atrophie der Haut kommt unter anderem durch diesen Effekt zustande. Möglicherweise können nur junge Fibroblasten durch Steroide stimuliert werden, Kollagenase zu produzieren.
Eine wichtige Erkenntnis in der Forschung war, dass Steroide die Men-
ge der Grundsubstanz reduzieren und damit den Tumor verkleinern (12). Diese Schrumpfung resultiert aus einer Verringerung des Abstandes zwischen kollagenen und elastischen Fasern. Ein wesentlicher Faktor, der zur Abnahme der Matrix beiträgt, ist die verminderte Bildung der Glykosaminoglykane und Mucopolysaccharide (16). Auch die Synthese der Hyaluronsäure, einer weiteren Matrixkomponente, wird durch die Behandlung mit Steroiden reduziert. Glucocorticoide hemmen zudem das für die korrekte Ausbildung der Cross-links verantwortliche Enzym Lysyloxidase.
Durch die Behandlung mit Steroiden wird auch die Kollagensynthese von Fibroblasten stark gehemmt, und Steroide scheinen die Kollagenolyse direkt positiv zu beeinflussen (11). Die Bildung von Granulationsgewebe wird vollkommen unterdrückt.
Es ist wichtig, dass die Narbeninfiltration mit zehnprozentiger Triamcinolon-Kristallsuspension ohne Verdünnung mit einem Lokalanästhetikum, im Gegensatz zu den Anweisungen in manchen Lehrbüchern, durchgeführt wird. Durch den Zusatz von Lokalanästhetika wird nämlich die Kinetik des Steroids deutlich vermindert (7). Die Substanzen wirken somit schwächer und kürzer.
Man sollte so viel von der Injektionslösung in der Narbe unterbringen, dass diese weiß wird. Falls sich dieses Vorgehen als sehr schwierig erweist, ist eine kleinkalibrigere Spritze möglichst mit anschraubbarer Kanüle anzuwenden. Diese Prozedur wird anfangs nach zwei Wochen, dann alle drei Wochen wiederholt. Wenn die Narbe sichtbar flacher geworden ist, muss eine längere Pause eingelegt werden, um keine Absenkung unter das normale Hautniveau zu provozieren. Die Verwendung eines Dermo-Jet ist nicht indiziert, da das Narbengewebe zu hart ist, um von ausreichenden Mengen des Medikaments penetriert zu werden.
Als Nebenwirkung wurden Hautnekrosen und sogar Erblindung bei versehentlicher intraarterieller Injektion in ein Kopfgefäß beschrieben. Da Triamcinolonacetonid mittlerweile aber mikrokristallisiert wird, besteht dieses Problem nicht mehr.
Weitere Medikamente
Neue Studien zeigen, dass exzidierte Keloide nicht mehr rezidivieren, wenn sie täglich einmal mit Imiquimod eingerieben werden (3). Die Anwendung muss direkt nach der Operation erfolgen und führt zu einer Entzündungsreaktion, begleitet von einem Brennen. Diese Reaktion ist möglicherweise wichtig für die Wirkung. Unterbleibt diese, rezidiviert das Keloid.
Weitere größere Studien müssen zeigen, wie hoch die Rezidivrate bei dieser weitgehend nebenwirkungsfreien Therapie wirklich ist. Ohne Nachbehandlung liegt sie bei mindestens 50 Prozent.
Auf einem möglicherweise anderen, noch unbekannten Prinzip beruht die Wirkung von Verapamil. Dieses Präparat (2,5 mg/mL) soll direkt nach der Keloidexzision in die Wundränder injiziert werden (5). Weitere Injektionen folgen an den Tagen 7, 14, 28, 56. Danach wird mit einer Silikonfolien-Behandlung fortgefahren. Die komplette Heilung lag bei mehr als 50 Prozent (Sternalbereich mehr als 30 Prozent). Auch hier sollten größere Studien erfolgen.
Eine Therapie mit oralen Antihistaminika und Pentoxyfyllin hemmt offenbar die Proliferation von Fibroblasten (15).
Des Weiteren wurden Penicillamin und Colchizin kombiniert. Diese Mischung beschleunigt den Kollagenabbau, da die Substanzen die Kollagenaseaktivität positiv beeinflussen (15). Unter anderem wird Methotrexat mit Erfolg angewendet (15).
Außerdem wurden topische Retinoide benutzt, um Keloide weicher zu machen und deren Wachstum zu reduzieren (9, 16). Verwendet werden 0,025 bis 0,05-prozentige Retinsäurelösungen, die langfristig (bis 22 Monate) aufgetragen werden müssen, um die Symptomatik zu lindern. 77 Prozent der Patienten berichten über eine Verbesserung.
Auch Interferon-g (IFN-g) scheint einen positiven Effekt auf Keloide zu haben. In Tierversuchen wies man eine Abnahme der Kollagenablagerungen durch IFN-g nach. Kulturen mit Fibroblasten zeigten eine Reduktion der Kollagensynthese während der Applikation dieser Substanz. Granstein et al. (6) berichten über eine Verkleinerung der Narben in 50 Prozent der Fälle.
Bei sechs von acht Patienten war ein Rückgang der Dicke um 30,4 Prozent zu verzeichnen. Eigene Therapieversuche zeigten kein Ansprechen der Patienten.
Bei IFN-a-2b ließ sich ein positiver Effekt auf bestehende Keloide nachweisen (Normalisierung der Fibroblastenproliferation, des Kollagens, der Glykosaminoglykane und der Kollagenase) (15). Größere Studien, insbesondere zur Nutzen-Risiko-Beurteilung stehen aber noch aus.
Andere Therapieoptionen
Silkongelfolie und Silikongel
Die Erfolge in Form einer Abflachung und Verbesserung der Oberflächen bei der Behandlung von Keloiden und hypertrophen Narben mit Silikongelfolie sind eindeutig (1, 8, 10). Nach lang
dauernder (sechs bis zwölf Monate) täglicher Applikation nimmt die Elastizität mit Fortdauer der Behandlung zu, die Narben flachen ab und werden weicher.
Die Wirkungsweise der Silikongelfolie auf die Narben ist noch nicht genau geklärt. Sicher ist, dass das Silikon nicht in die Haut direkt eindringt, weil keine Fremdkörperreaktionen in der Haut beobachtet wurden. Ein chemischer Effekt ist zwar nicht ganz auszuschließen (1), aber sehr unwahrscheinlich.
Die Wasserdampftransmission scheint bei der Behandlung wichtig zu sein. Normale Haut gibt circa 8,5 g/m² Wasserdampf pro Stunde ab, hypertrophe Narben nur etwa 4,5 g/m² pro Stunde (1). Dies hängt offenbar mit der Abnahme der Kapillarbildung und der Ablagerung von Kollagen in der extrazellulären Matrix zusammen. Durch den Okklusionseffekt der Silikonfolien wird die Wasserdampftransmission des Narbengewebes total verändert, was möglicherweise einen Einfluss auf den zellulären Umbau hat.
Vielleicht hat auch die Ausbildung eines elektrischen Feldes durch das Reiben zum Beispiel der Kleidung auf der Oberfläche der Folie eine positive Auswirkung auf die Narben. Es wurde gezeigt, dass diese elektrische Stimulation die Anzahl der Mastzellen in heilenden Wunden reduzieren kann (8). Hypothesen zur Erklärung dieses Phänomens umfassen die verminderte Vaskularisierung der Wunde und Einflüsse auf Ionenkonzentrationen.
Ein „Narbenpflaster“, das erst kürzlich auf dem deutschen Markt (Firma Beiersdorf, Hamburg) eingeführt worden ist und nicht aus Silikon besteht, sondern aus Polyurethan hergestellt wurde, wirkt möglicherweise aufgrund der gleichen Faktoren und könnte, falls die gleiche Effektivität nachgewiesen wird, die Anwendung von Silikon erübrigen.
Nach Reinigung mit mildem Seifenwasser wird die Silikonfolie auf die Narbe gelegt und mit einem Verband oder Klebstreifen fixiert. Sie bleibt nun bis zu 24 Stunden täglich auf der Haut, bis sich eine deutliche Narbenreduktion einstellt. Dann können die Trageintervalle individuell verkürzt werden. Damit diese Prozeduren nicht mehr notwendig sind, ist seit kurzem ein visköses Silikongel (Dermatix, Firma ICN) auf dem Markt.
Als unerwünschte Wirkung kommen bakterielle Reizungen und Impetiginisierungen der abgedeckten Hautstellen durch das lange Tragen vor. Deshalb müssen die Folien täglich gesäubert und trockengehalten werden.
Topische Narbenpräparate
Als Zusatzbehandlungen werden einige „Narbencremes“ angeboten. Contractubex zum Beispiel enthält die pharmakodynamisch wirksamen Inhaltsstoffe Extractum cepae (Zwiebelextrakt) (zehn Prozent), Heparin (5 000 I.E./100 g) und Allantoin (ein Prozent). Aus den Untersuchungsergebnissen kann geschlossen werden, dass dieses Präparat bei frühzeitigem Therapiebeginn der Bildung von Narben mit vermehrter Narbengewebsbildung – wie hypertrophe Narben und Keloide – entgegenwirken kann, weil es eine proliferationshemmende Wirkung auf Fibroblasten hat (20, 22). Denkbar für die Abflachungen ist aber auch die regelmäßige Massagebehandlung, die durch den Patienten erfolgt. Die Wirkung zeigt sich erst nach einigen Monaten.
Drucktherapie
Eine der am häufigsten angewandten Behandlungen bei Verbrennungsnarben ist die Kompressionstherapie (Abbildung 2). Rayer berichtete 1894 erstmals über die erfolgreiche Anwendung von Druck alleine ohne Kombination mit anderen Therapeutika.
Zur Kompressionstherapie wird bei 85 Prozent der Patienten mit hypertrophen Narben oder Keloiden über gute oder zufriedenstellende Ergebnisse berichtet (1, 10). Darunter versteht man vor allem die Abflachung der Narben. Zudem verringert der angewandte Druck den oft bestehenden Juckreiz und den Schmerz (1).
Der genaue Wirkungsmechanismus dieser Form der Therapie ist nicht bekannt. Für den abflachenden Effekt des Drucks über längere Zeit gibt es unterschiedliche Theorien. So postulierten Rockwell et al., dass die behandelten Narben locker zusammengehaltene Kollagenbündel, einen vergrößerten interstitiellen Raum und eine verminderte Zellzahl enthalten (1). Andere Autoren führen die Verminderung des Zusammenhalts interkollagener Fibrillen und die Vergrößerung auf die Anzahl der Gefäßfibroblasten zurück, sowie auf eine Hypoxie, die den Kollagenmetabolismus in Richtung Katabolismus verschiebt. Für die Juckreiz- und Schmerzreduzierung gibt es bisher keine pathogenetische Erklärung.
Übereinstimmung besteht in der Art und Dauer der Anwendung. So sollte der Druck, der in Form von Bandagen (Abbildung 2) oder Ohrclips (bei Keloiden des Ohrläppchens) ausgeübt wird circa 15 bis 40 mm Hg betragen (10). Um einen positiven Effekt zu erzielen, sollte die Behandlung mindestens über einen Zeitraum von vier bis acht Monaten, manchmal sogar bis zu einem Jahr, erfolgen. Die Drucktherapie sollte außerdem nicht mehr als 30 min pro Tag unterbrochen werden, das heißt: eine möglichst 24-stündige Anwendung ist wünschenswert (11).
Die Kombination mit physiotherapeutischen Verfahren bei gelenkübergreifenden Narben ist sinnvoll. Hier wird auch die Bindegewebsmassage eingesetzt oder ein neues Gerät, das eine kombinierte Saug-Druck-Massage auf das Gewebe ausübt (Firma LPG, Sophia Antipolis/Frankreich).
Kryotherapie
Die Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff (Siedepunkt: -195,8°C) zeigt relativ gute Resultate vor allem bei jungen, frischen Narben, aber auch bei älteren Keloiden (4). Dabei wird die zu behandelnde Narbe circa 20 bis 30 Sekunden mit dem Stickstoff in Kontakt gebracht (24). Nach dieser Behandlung, die alle vier Wochen stattfinden sollte, bildet sich in dem Areal eine Blase und die Narbe wird mit jeder Behandlung flacher. Bei hypertrophen Narben erzielte man so sehr gute Ergebnisse (82 Prozent), bei Keloiden immerhin noch eine 64-prozentige Korrektur (4, 24).
Die Verbesserung der Symptomatik geht histologisch mit einer Auflockerung des Bindegewebes, einer Zunahme der Gefäßbildung und der Fibroblasten einher. Außerdem stellt man nach der Behandlung mit flüssigem Stickstoff eine weniger chaotische Anordnung der Kollagenbündel fest (4).
Strahlentherapie
Die Kenntnis der Röntgenbestrahlung von Keloiden geht zurück auf erste Erfahrungen von Freund im Jahr 1898 in Wien (20).
In 76,5 Prozent (15) der Fälle konnten mit der Röntgentherapie Keloide zum Abflachen gebracht und gute kosmetische Resultate erzielt werden. Die Erfolge dieser Behandlung sind am größten in der frühen postoperativen Phase nach Exzision eines Keloids, das heißt, direkt nach oder innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Operation (14). Das neugebildete fibromatöse Gewebe ist dann am empfindlichsten.
Offenbar werden bei der Bestrahlung Fibroblasten zerstört und damit wird eine Dysbalance zwischen Synthese und Abbau von Kollagen hergestellt.
Bewährt hat sich bei älteren Keloiden die Verabreichung von Einzeldosen von 4 Gy in vierwöchigen Intervallen (20). Eine Gesamtdosis von 20 Gy sollte möglichst nicht überschritten werden. Vorteilhaft sind die langen Intervalle zwischen den einzelnen Bestrahlungen auch deshalb, weil man bei dieser längeren Beobachtungszeit die Strahlenempfindlichkeit oder -resistenz rechtzeitig beurteilen kann. Wenn nach dreimaliger Bestrahlung keine Regression zu erkennen ist, muss von einer weiteren Röntgenbehandlung abgeraten werden.
Keloide sind unterschiedlich strahlensensibel. Die Mehrzahl der Misserfolge ist auf eine zu niedrige Dosierung zurückzuführen. Bei Überschreitung einer Gesamtdosis von 20 Gy ist mit der Ausbildung von Teleangiektasien und gegebenenfalls auch mit Hyperpigmentierungen zu rechnen – besonders in strahlenempfindlichen Regionen wie zum Beispiel dem Hals.
Lasertherapie
Abgesehen von Röntgen werden heute auch Laserstrahlen zur Therapie von Keloiden genutzt. Angewendet werden meist gepulste Farbstoff- und CO2-Laser. Da die alleinige Behandlung mit Laser bei diesem Narbentyp nicht viel Erfolg verspricht, insbesondere durch die Rezidivinduktion infolge der Überhitzung des umgebenden Gewebes, wird sie meist in Kombination mit anderen Methoden gebraucht.
Bei hypertrophen Narben können Juckreiz und Schmerzhaftigkeit mit dem gepulsten Farbstofflaser in 83 Prozent der Fälle gebessert werden (2). Hyperpigmentierte Narben, insbesondere nach Verbrennungen, können mit einem gütegeschalteten Rubin- und Neodym:YAG Laser behandelt werden (17).
Camouflage
Eine Besonderheit in der Dermatologie ist die Kaschierung von Narben oder deren Restzuständen mit geeigneten Schminktechniken, auch Camouflage (französisch: Tarnen, Täuschen) genannt (Abbildung 3). Die dazu benutzten Farben werden durch einen speziellen Puder wasserfest gemacht, sodass der Patient schwimmen oder schwitzen kann, ohne dass die Schminkfarben verlaufen. Diese Möglichkeit ist besonders wichtig bei Gesichtsnarben, um psychischen Auswirkungen vorzubeugen.
Ausblick
Es gibt eine Fülle von therapeutischen Optionen, um Narben unauffälliger zu machen. Oft werden sie in Kombination angewendet, weil die polypragmatische Vorgehensweise meist am erfolgreichsten ist. Die Zukunft gehört aber möglicherweise der Gentherapie, da nur sie eine völlige Wiederherstellung verspricht. An diesem Ziel wird weltweit gearbeitet.
Herrn Univ. Prof. (em.) Dr. med. Dr. phil. S. Borelli zum
80. Geburtstag gewidmet.

Manuskript eingereicht: 29. 3. 2004, revidierte Fassung angenommen: 28. 4. 2004

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

zZitierweise dieses Beitrags:
Dtsch Arztebl 2004; 101: A 2819–2824 [Heft 42]



Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis, das beim Verfasser erhältlich oder im Internet unter www.aerzteblatt.de/lit4204 abrufbar ist.

Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Wolf-Ingo Worret
Abteilung für kosmetische Dermatologie
Technische Universität München
Biedersteiner Straße 29, 80802 München
E-Mail: wolf-ingo.Worret@lrz.tum.de
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