ArchivDeutsches Ärzteblatt43/20044. Deutscher Psychotherapeutentag: Ein Heilberufsstand formiert sich

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4. Deutscher Psychotherapeutentag: Ein Heilberufsstand formiert sich

Bühring, Petra; Gerst, Thomas

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LNSLNS Nach dem Votum für die (Muster-)Fortbildungsordnung im Mai
stand nun die Regelung der Weiterbildung auf der Tagesordnung.
Eine (Muster-)Berufsordnung soll bald folgen.

Der Professionalisierungsprozess bei den Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten schreitet voran. Konstituierende Elemente eines solchen Prozesses sind: tendenzielles Monopol auf einem bestimmten Markt, standardisierte wissenschaftliche Ausbildung und klare Außenabgrenzung, weitgehende berufliche Autonomie. Der 4. Deutsche Psychotherapeutentag am 9. Oktober in Stuttgart zeigte, dass die Psychotherapeuten seit In-Kraft-Treten des Psychotherapeutengesetzes zum 1. Januar 1999 und nach der Schaffung von Länderkammern bereits eine beträchtliche Wegstrecke zurückgelegt haben. Die in Stuttgart geführte Debatte über die rasche Umsetzung einer (Muster-)Weiterbildungs- und (Muster-)
Berufsordnung signalisierte, dass das Professionalisierungstempo auch in Zukunft nicht gedrosselt wird.
Ausreichend Gehör finden
Genauso wichtig wie die Schaffung einer weitgehend autonomen Binnenstruktur ist auch, sich bei Gesetzgebungsverfahren, die den eigenen Tätigkeitsbereich betreffen oder gegebenenfalls erweitern, ausreichend Gehör zu verschaffen. In seinem Tätigkeitsbericht verwies der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Detlef Kommer, auf aktuelle Gesetzespläne, die eine berufspolitische Interessenvertretung auf Bundesebene unabdingbar machen. So sei es überaus wichtig, bei der Vorbereitung des Präventionsgesetzes das Kompetenzprofil der Psychotherapeuten zu vermitteln. Es müsse langfristig gewährleistet sein, dass Prävention eine gesellschaftliche Querschnittsaufgabe darstellt, an der Psychotherapeuten in zentraler Funktion beteiligt sind. Kurzfristig sei aber beim derzeitigen Vorbereitungsstand zum Präventionsgesetz an einen solch breiten Handlungsspielraum der Psychotherapeuten nicht zu denken.
Auch bei anderen wichtigen gesundheitspolitischen Entscheidungsprozessen mahnte Kommer Mitwirkungsrechte der Psychotherapeuten und ihrer Selbstverwaltungsorgane an. So will er beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bei jeder die Berufsgruppe betreffenden Angelegenheit ein Anhörungsrecht durchsetzen. Hier sieht er sich in einem Boot mit der Bundesärztekammer, die mit gleichem Nachdruck darauf besteht, vom G-BA nicht nur im Einzelfall angehört werden zu können, sondern bei allen die Berufsausübung der Ärzte betreffenden Gegenständen angehört werden zu müssen. Aktueller Handlungsbedarf für die BPtK bestehe auch, so Kommer, bei den weiteren Planungen zur Einführung des elektronischen Berufsausweises und der elektronischen Gesundheitskarte. Gerade was die Refinanzierung dieser technischen Neuerungen anbelange, müsse alles vermieden werden, was eine überproportionale Belastung der psychotherapeutischen Praxis darstelle.
Großen Diskussionsbedarf sahen die Länderdelegierten bei den „Eckpunkten für eine (Muster-)Weiterbildungsordnung“. Im Gegensatz zu der im Mai verabschiedeten (Muster-)Fortbildungsordnung gibt es für Weiterbildungsregelungen keine verpflichtende gesetzliche Vorgabe. Denn auf das Studium der Psychologie oder der Sozialpädagogik (bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten) folgt bereits eine drei- bis fünfjährige Ausbildung, die der ärztlichen Weiterbildung entspricht. In einer Weiterbildungsordnung für Psychotherapeuten liegen denn auch „Chancen und Risiken“, betonte der Sprecher der Weiterbildungskommission der BPtK, Dr. Walter Ströhm. Chancen sieht er darin, neue Berufsfelder erschließen zu können, die sonst von anderen Heilberufen wahrgenommen würden. Die Risiken liegen in einer eventuellen Abwertung der Ausbildung und in einem eingeschränkten Tätigkeitsprofil. Zur Diskussion stehen zurzeit folgende „Kompetenzbereiche“: Klinische Neuropsychologie, Kinder- und Jugendli-chenpsychotherapie für Psychologische Psychotherapeuten, ein Zweit- oder Drittverfahren sowie Rehabilitationspsychologie. Der Begriff „Kompetenzbereich“ wurde gewählt, um sich deutlich von den ärztlichen Weiterbildungsbezeichnungen zu unterscheiden. In der Diskussion wurde deutlich, dass klarere Kriterien für die Unterscheidung zwischen Fortbildung und Weiterbildung gefunden werden müssen. Hans-Jochen Weidhaas, Psychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, machte einen Vorschlag, der Zustimmung fand: „Nur was die Kompetenz über die Approbation hinaus erweitert, darf Weiterbildung heißen.“
Zügiges Tempo
Berufsordnungen wurden schon in verschiedenen Landeskammern verabschiedet. Diese unterscheiden sich jedoch in einigen Punkten. Deshalb wählten die Delegierten eine Arbeitsgruppe, die eine (Muster-)Berufsordnung mit Empfehlungscharakter erarbeiten soll. Über diese wird bereits auf dem nächsten Deutschen Psychotherapeutentag am 23. April 2005 in München abgestimmt. Petra Bühring, Thomas Gerst
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