ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2004Krankenkassen: Der Arzt als Pfuscher und Betrüger?

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Krankenkassen: Der Arzt als Pfuscher und Betrüger?

Dtsch Arztebl 2004; 101(43): A-2878 / B-2434 / C-2322

Prel, Max Frhr. du

Zum Versuch der Krankenkasse AOK, Misstrauen bei Patienten zu wecken:
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LNSLNS Es musste der Patient X, geboren 1940, von mir akut in eine hiesige Herz- und Gefäßklinik eingewiesen werden, wegen eines wiederholten Verschlusses einer Beinarterie, wobei ich zugegebenermaßen mit einer Amputation rechnete, denn der Patient war, trotz seit Jahren bestehender erheblicher diesbezüglicher Probleme und wiederholter Operationen mit arterieller endoprothetischer Versorgung nicht bereit, seinen Zigarettenkonsum von 30 pro Tag aufzugeben. Ich empfand es als ein Wunder, dass durch eine erneute gefäßplastische Maßnahme das Bein erhalten werden konnte.
Noch größer war die Überraschung, als mir der Patient ein Schreiben seiner Krankenkasse zeigte, an den Patienten persönlich, wahrscheinlich auch vertraulich, gerichtet mit dem Text, der in Kopie beiliegt – der Patient sollte seine Meinung über die Angelegenheit mitteilen, insbesondere sollte er sich äußern, ob ein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegt, ob die Behandlung ordnungsgemäß und planmäßig verlief und ob besondere Vorkommnisse oder Besonderheiten aufgetreten sind.
Die Kopie dieses Schreibens (siehe Kasten) habe ich an den kompetenten und erfolgreichen Operateur des Patienten geschickt, der mir fassungslos mitteilte, dass er ein derartiges Vorgehen noch nie erlebt habe.
Aus der jetzigen allgemeinen Diskussion ist mir schon lange bewusst, dass jeder chronisch Kranke ein Simulant ist, der versucht, über betrügerische Ärzte an das für ihn nicht vorgesehene Sozialprodukt zu gelangen. Dass aber die Krankenkassen aktiv versuchen, Misstrauen bei Patienten zu schüren, und dadurch wahrscheinlich auch eine Lawine von unsinnigen Prozessen auslösen, um die Ärzteschaft gefügig zu machen, war mir bisher noch nicht bekannt.
Allgemein darf ich auch darauf hinweisen, dass dieses Vorgehen sicher ein Verschleudern der Ressourcen (Beiträge der Bürger) bedeutet, denn jede SOFA-Stunde (Sozialversicherungsfachangestellte) kostet 60 Euro.
Wer kontrolliert letzten Endes die auf uns losgelassenen Kontrolleure der Krankenkassen- und der politischen Verwaltungen?
Dr. med. Max Frhr. du Prel, Ärztlicher Kreisverband Bad Kissingen, Heinrich-von-Kleist-Straße 2, 97688 Bad Kissingen



Sehr geehrter Herr . . .,
als Mitglied der Gesundheitskasse AOK haben Sie Anspruch auf eine angemessene und qualitativ hochwertige ärztliche Behandlung.
Aufgrund Ihrer Erkrankung vom 13.07.04 wurde uns von der Klinik die Diagnose „mechanische Komplikation durch sonstige Geräte und Implantate im Herzen und in den Gefäßen“ übermittelt.
Um mögliche Qualitätsmängel in der Versorgung unserer Versicherten zu vermeiden, bitten wir Sie, uns – gerne auch telefonisch – mitzuteilen, ob aus Ihrer Sicht besondere Vorkommnisse oder Auffälligkeiten während der ärztlichen Behandlung aufgetreten sind.
Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und Ihre Mühe.
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