ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1996Ambulantes Operieren: Offensive Strategie

POLITIK: Aktuell

Ambulantes Operieren: Offensive Strategie

Glöser, Sabine

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LNSLNSLNSLNS Seit dem 1. Januar 1993 kann in Krankenhäusern ambulant operiert werden. Von der neuen Leistungsform wird bisher jedoch nur wenig Gebrauch gemacht. Zu dieser Einschätzung gelangte das Deutsche Krankenhausinstitut e.V. (DKI) in einer Fallstudie an sieben Krankenhäusern. Dabei variiert den Ergebnissen zufolge der Umsetzungsgrad zwischen den Krankenhäusern und zwischen den Fachabteilungen erheblich.
Demgegenüber zeigen die Ergebnisse, daß die Patienten mit der neuen Leistungsform außerordentlich zufrieden sind. Dies betraf vor allem den Heilungsverlauf im häuslichen Umfeld. Unabhängig von der Intensität und Dauer wurden postoperative Beschwerden und Beeinträchtigungen, wie Wundschmerzen oder Blutungen, als relativ gering oder als tolerabel beurteilt. Die Mehrheit der Patienten war der Meinung, daß die Versorgung, der Heilungsverlauf und die Kontrolle postoperativer Beschwerden bei stationärer Behandlung nicht besser gewesen wären.
Einen günstigen Einfluß auf eine erfolgreiche Umsetzung der Vorschriften über das ambulante Operieren haben den Autoren zufolge eine offensive Strategie der Geschäftsführung, eine positive Einstellung der leitenden Ärzte und eine geringe Konkurrenz ambulanter Operateure im niedergelassenen Bereich. Bei einer solchen Konstellation könne man von einer großen Bereitschaft der niedergelassenen Ärzte ausgehen, Patienten zum ambulanten Operieren ins Krankenhaus zu überweisen.
Oberste Maxime müsse es sein, heißt es in der Studie, das Leistungsangebot so zu organisieren, daß eine hohe Motivation der Krankenhausmitarbeiter, eine hohe Kooperationsbereitschaft der Vertragsärzte und eine hohe Patientenzufriedenheit gewährleistet würden. Zudem sei eine enge Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten wichtig. Mittelfristig werde die Entwicklung des klinikambulanten Operierens davon abhängen, ob die Leistungen kostendeckend erbracht werden können. Bei fortschreitendem Punktwertverfall könne dies nicht mehr gewährleistet werden. Daher seien Maßnahmen zur Stabilisierung der Vergütung geboten. Denn das ambulante Operieren werde ohne angemessene Vergütung scheitern. Die Autoren empfehlen, durch ein Maximum an Leistungsqualität, Wirtschaftlichkeit und Kundenorientierung die "Marktanteile im Bereich ambulantes Operieren zu sichern und zu steigern". Daß fehlende wirtschaftliche Anreize die Ursache für die zögerliche Nutzung der ambulanten Behandlungsform in Kliniken seien, hob Dr. med. Heinrich Roßmann vom Kreiskrankenhaus Mainburg bei einer Pressekonferenz der Akademie für Gesundheit und Volksbildung in München hervor. Dr. med. Gabriel Wasmer, Vorsitzender des Landesverbandes für Ambulantes Operieren Bayern, forderte ein Budget, das unabhängig von der ambulanten Versorgung speziell für das ambulante Operieren gebildet wird. Aus diesem Budget sollten dann sowohl Krankenhäuser als auch niedergelassene ambulante Operateure bezahlt werden. Die Honorierung, so Wasmer, müsse kostendeckend und leistungsbezogen und für alle Leistungserbringer gleich sein. SG


Margaret Asmuth, Karl Blum: Ambulantes Operieren im Krankenhaus. Chancen, Risiken, Handlungsempfehlungen. Schriftenreihe: Wissenschaft und Praxis der Krankenhausökonomie, Hrsg.: Deutsches Krankenhausinstitut e.V. (Tersteegenstraße 3, 40474 Düsseldorf), Düsseldorf 1996, 411 Seiten, kartoniert.

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