ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2004Krankenhäuser: Mangel verteilt

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Krankenhäuser: Mangel verteilt

Dtsch Arztebl 2004; 101(44): A-2913 / B-2465 / C-2353

Clade, Harald

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LNSLNS Die rund 2 200 Akutkrankenhäuser geraten in eine immer schwierigere Situation: Auch im Jahr 2005 gelten die sektoralen Krankenhausbudgets fort, und die beginnende Konvergenzphase trifft die Krankenhäuser mit einer relativ schlechten Ausgangslage und noch nicht auf Vordermann gebrachten Kostenstrukturen besonders hart. Hinzu kommt: Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung hat kürzlich als Budget-„Anpassungsrate“ für 2005 eine Wachstumsmarge von 0,38 Prozent dekretiert. Die gravierenden Folgen der Dauerbudgetierung und der (voraussichtlich) vierstufigen Anpassung der individuellen Basisfallwerte auf landeseinheitliche Einheitspreise: Die Schere zwischen den Budgetsteigerungen und den Wachstumsraten der Tarifgehälter beträgt in den alten Bundesländern seit 1995 inzwischen 22 Prozentpunkte. Viele Krankenhäuser leben schon seit langem von der Substanz, dringend notwendige Erneuerungs- und Rationalisierungsinvestitionen lassen sich nicht aus den oft rückläufigen Erlösen finanzieren.
Noch müssen die Folgen des faktischen Budgetstillstands des Jahres 2004 und der rückläufigen Umsätze verkraftet werden. Den hohen Personalkostenanteil von weit mehr als 70 Prozent können auch diagnosebezogene Pauschalentgelte nicht wegzaubern. Das DRG-Finanzierungssystem pumpt keinen einzigen Cent mehr in die Klinikbetriebe. Über ein kompliziertes System wird lediglich der Mangel nach unten weiter verteilt. Immer mehr Klinikarbeitgeber verweigern sich dem Bundesangestellten-Tarifvertrag und der Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst (VBL). Fluchtartig treten sie aus den Arbeitgeberverbänden aus, fordern die Bildung eines branchenspezifischen Unternehmensverbandes, kündigen Zusatztarifverträge zum Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Das Aufbäumen über menschenunwürdige Verhältnisse am Dauerarbeitsplatz Krankenhaus, über den demotivierenden Administrationsaufwand stößt in der Politik (noch) auf keine Resonanz. Die Politik hält sich sauber zurück und weist darauf hin, es müsse stur gespart werden. Die Leidtragenden sind die Versicherten, die Patienten und das Personal. Die nicht ganz neue Erkenntnis: Das System ist nicht auf Leistung, sondern vielmehr auf Leistungs-
verzicht, Entwicklungsstau und Lähmung des medizinischen Fortschritts ausgerichtet. Dr. rer. pol. Harald Clade
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