BRIEFE

Risikoaufklärung: Eigene Studie

Dtsch Arztebl 2004; 101(44): A-2948 / B-2494 / C-2378

Potrett, Oliver-Max

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
Foto: Peter Wirtz
Foto: Peter Wirtz
Die Selbstbestimmungs- bzw. die Eingriffsaufklärung ist in den letzten Jahren immer häufiger zum Streitgegenstand sowohl von Gutachter- und Schlichtungsstellen der zuständigen Ärztekammern als auch der Gerichte geworden. So wurden für das Jahr 2000 bundesweit circa 10 000 Anträge bei den Schlichtungsstellen der Ärztekammern gestellt. Dies entspricht einer Verzehnfachung seit 1978 (vgl. Neu D et. al.: Arzthaftung Arztfehler. Steinkopff Verlag Darmstadt). Der Anteil an Aufklärungsrügen variiert je nach Autor und Lan­des­ärz­te­kam­mer zwischen ein und sechs Prozent, ist jedoch nachweislich steigend (vgl. Maier C: Versicherungsmedizin 2001/3).
Die Problematik der Eingriffs-aufklärung liegt sicherlich in der Tatsache, dass sie nicht per Gesetz, sondern per Rechtsprechung, also durch entsprechende Urteile, gesichert und definiert ist.
Die Autoren weisen richtigerweise darauf hin, dass es im Falle eines Vorwurfs bezüglich einer mangelnden oder fehlenden Eingriffs- bzw. Selbstbestimmungsaufklärung zu einer so genannten Beweislast-
umkehr kommt. Hier muss im Gegensatz zu einem vorgeworfenen Behandlungsfehler der aufklärende Arzt beweisen, ob eine ordnungsgemäße Aufklärung und damit die Legitimation für den Eingriff stattgefunden haben. Dies bedeutet, dass es während eines aussichtlosen Verfahrens nicht selten zu einer Verlagerung der Klage mit Schwerpunkt auf ein Aufklärungsversäumnis kommt, um so eine Kehrtwende des Verfahrens und damit einen erwünschten Erfolg für den klagenden Patienten herbeizuführen . . .
In einer in unserer Klinik (Orthopädische Fachklinik am EFK Ratingen) durchgeführten Studie konnten wir anhand einer standardisierten Befragung von 400 in unserer Klinik operierten Patienten nachweisen, dass der Patient nur in einem sehr begrenzten Maße in der Lage ist, die während der Aufklärung erhaltenen Informationen zu verarbeiten und wenn möglich sogar aktiv zu reproduzieren. So konnten sich bereits zwei Tage nach der Operation bereits 18 Patienten nicht mehr an das genaue Operationsdatum erinnern, und ein Patient gab gar eine falsche Operation als durchgeführt an. Bei der Überprüfung der allgemeinen und speziellen Operationsrisiken ergab sich das für uns katastrophalste Ergebnis. Hier konnten sich die Patienten zwei Tage postoperativ im Mittel an 1,1 allgemeine und 0,61 spezielle Operationsrisiken erinnern.
Unsere Studie konnte beweisen, dass die von der Rechtsprechung geforderten aufklärungsbedürftigen Fakten in ihrer Gesamtheit dem gewünschten Ziel, nämlich einem aufgeklärten und einwilligungsfähigen Patienten, entgegenwirken.
Dr. med. Oliver-Max Potrett,
Vennstraße 7 a, 40627 Düsseldorf
Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige