ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2004Prof. Dr. med. Elmar Doppelfeld: Führungswechsel in der medizinisch-wissenschaftlichen Redaktion

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Prof. Dr. med. Elmar Doppelfeld: Führungswechsel in der medizinisch-wissenschaftlichen Redaktion

Dtsch Arztebl 2004; 101(44): A-2952 / B-2497 / C-2381

Remschmidt, Helmut

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Prof. Dr. med. Elmar Doppelfeld Foto: Eberhard Hahne
Prof. Dr. med. Elmar Doppelfeld Foto: Eberhard Hahne
Am 30. September 2004 hat Prof. Dr. med. Elmar Doppelfeld, mit Erreichen der Altersgrenze, die Leitung der medizinisch-wissenschaftlichen Redaktion des Deutschen Ärzteblattes an Dr. med. Christopher Baethge übergeben. Elmar Doppelfeld hat die medizinisch-wissenschaftliche Redaktion mehr als 15 Jahre nicht nur mit außerordentlicher Kompetenz und Hingabe geleitet, sondern dem Medizinteil auch ein neues, stets aktuelles und von wissenschaftlicher Evidenz durchdrungenes Profil gegeben. In Fortsetzung der Linie seiner Vorgänger, Prof. Carl-Erich Alken und Prof. Rudolf Gross, war es stets sein Anliegen, das Deutsche Ärzteblatt nach den internationalen Regeln des Publikationswesens zu gestalten, gemäß dem Motto „fachlich einwandfreie Artikel für eine interdisziplinäre Leserschaft“. Die Beendigung seiner Tätigkeit beim Deutschen Ärzteblatt bedeutet aber nicht, dass er nun in den „wohlverdienten Ruhestand tritt“; vielmehr wird er
sein Wissen und seine Erfahrung weiterhin als Vorsitzender des Arbeitskreises Medizinischer Ethikkommissionen in Deutschland und als Vizepräsident des Lenkungsausschusses „Bioethik“ des Europarates für die Belange der Ärzteschaft einsetzen.
Seine Affinität zu ethischen Fragen ist kein Zufallsprodukt. Elmar Doppelfelds Bildungsweg war von Anfang an breit angelegt. Geboren am 20. Oktober 1939 in Köln als Sohn eines Archäologen und späteren Begründers des Römisch-Germanischen Museums in dieser Stadt, hat er, nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums mit Latein und Griechisch als Fremdsprachen, zunächst in Tübingen von 1960 bis 1962 ein Studium Generale aufgenommen (Rechtswissenschaften, Geschichte, wissenschaftliche Politik), ehe er sich für die Medizin entschied. Das Studium der Medizin absolvierte er von 1962 bis 1967 an den Universitäten Tübingen, Münster und Köln. Er promovierte 1968 an der Universität zu Köln mit einem nuklearmedizinischen Thema. Nach seiner Approbation im Jahre 1970 durchlief er eine Weiterbildung zum Facharzt für Radiologie und zum Facharzt für Nuklearmedizin an den Universitätskliniken in Zürich, Köln und Aachen. 1977 erhielt er seine Anerkennung als Facharzt für Radiologie und Facharzt für Nuklearmedizin und war von 1977 bis 1980 als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Klinische und Experimentelle Nuklearmedizin der Universität Bonn tätig. 1980 erfolgte seine Habilitation für das Fach „Nuklearmedizin“ an der Medizinischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Im selben Jahr nahm er eine Tätigkeit als Lehrbeauftragter für Nuklearmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich auf und wurde 1981 Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln. 1982 wechselte er sein Tätigkeitsfeld und wurde Geschäftsführender Arzt der Bundes­ärzte­kammer (bis 1988), ehe er am 1. Januar 1989 die Leitung der medizinisch-wissenschaftlichen Redaktion des Deutschen Ärzteblattes übernahm. Im Jahr 1986 war er zum außerplanmäßigen Professor an der Universität Bonn ernannt worden.
Dass Elmar Doppelfeld sich bereits lange Zeit, bevor er zum Deutschen Ärzteblatt stieß, mit ethischen Fragen beschäftigt hatte, war den einschlägig tätigen Kollegen nicht verborgen geblieben. So wurde er von Prof. Heinz Losse, Münster, eingeladen, an der Gründungsversammlung des Arbeitskreises Medizinischer Ethikkommissionen in der Bundesrepublik Deutschland teilzunehmen. In diesem Kreis wurde er alsbald Mitglied des Vorstandes (1988) und 1994 Vorsitzender des Arbeitskreises Medizinischer Ethikkommissionen in Deutschland. Parallel zu seinen Aktivitäten auf dem ethischen Sektor in Deutschland ergaben sich weitergehende Aufgaben auf der europäischen Ebene. 1992 wurde Elmar Doppelfeld in den Lenkungsausschuss „Bioethik“ des Europarates berufen, 2001 in dessen Vorstand, und 2003 wurde er zum Vizepräsidenten dieses Ausschusses gewählt.
Diese Ämter und Funktionen sind nur die äußerlich sichtbaren Anerkennungen für seine verantwortliche Mitwirkung
an inhaltlich bedeutsamen Stellungnahmen, von denen nur zwei genannt werden sollen: das „Menschenrechtsübereinkommen zur Biomedizin des Europarates“ und das vom Ministerrat des Europarates im Jahre 2004 angenommene Protokoll „Forschung am Menschen“. Derzeit führt er den Vorsitz einer Arbeitsgruppe des Europarates, die ein
Memorandum „Über die Forschung mit entnommenen archivierten menschlichen Geweben“ vorbereitet. Jenseits all dieser Ämter, Funktionen und wissenschaftlichen Leistungen, die ihm allenthalben große Anerkennung eingebracht haben, ist Doppelfeld ein Mensch geblieben, dem Erfolg und Einfluss nicht zu Kopf gestiegen sind. Er ist stets ein freundlicher und sachlicher Diskussionspartner und trägt in den vielen Gremien, in denen er tätig ist, seine Argumente wohl überlegt und sprachlich exzellent formuliert vor. Ich habe ihn immer als einen absolut zuverlässigen, loyalen und warmherzigen Menschen erlebt, der seine Ziele zwar konsequent verfolgt, aber dies nie zu Lasten anderer. Er kann aber auch kämpfen, wenn es um die Durchsetzung wichtiger Ziele und vor allem um den Sieg der Gerechtigkeit geht. Seine Interessen, die weit über die Medizin hinaus gehen und von den Rechtswissenschaften über die Geschichte und Kunstgeschichte bis zu ethischen Fragen, politischen Entwicklungen und sportlichen Ereignissen reichen, erlauben ihm, viele Dinge aus der wohlwollenden Distanz ungewöhnlicher Perspektiven zu betrachten, was in der Gremienarbeit, aber auch in privaten Gesprächen, stets außerordentlich anregend ist und nicht selten neue Einsichten ermöglicht. Eine entscheidende Unterstützung war und ist ihm seine Frau Elisabeth, die viele seiner Interessen mit ihm teilt, ihn auf vielen Reisen begleitet und als einfühlsame Gesprächspartnerin unentbehrlich ist.
Stil und Diskussionskultur als Markenzeichen
In der medizinisch-wissenschaftlichen Redaktion des Deutschen Ärzteblattes hat Doppelfeld auf eine progressive Weiterentwicklung gedrängt. Zu verdanken ist ihm die Einführung eines systematischen Review-Verfahrens, die Anhebung des wissenschaftlichen Niveaus, die Gewinnung kompetenter Fachredakteure und die kontinuierliche Einbeziehung ethischer und rechtlicher Gesichtspunkte in die Redaktionstätigkeit.
Ein besonderes Erlebnis waren ohne Ausnahme die jährlichen Fachredakteurskonferenzen des Deutschen Ärzteblattes in Köln. Aus den Gesprächen beim geselligen Beisammensein am Vorabend entwickelten sich manche Kooperationen und Freundschaften. Stil und gute Diskussionskultur der von ihm straff geleiteten Fachredakteurskonferenzen hat Elmar Doppelfeld geprägt. Am Tisch waren nahezu alle klinischen Disziplinen der Medizin vertreten, und aus den zum Teil kritischen Fragen, Kommentaren, Antworten und Diskussionen entwickelte sich regelmäßig eine hochkarätige „Lernveranstaltung“, sodass jeder Teilnehmer bereichert nach Hause fuhr.
So bleibt am Ende das Bedürfnis, ihm sehr herzlich zu danken, und zwar für sehr Vieles, was sich in einem Satz ausdrücken lässt, der bei verdienten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens als höchste Anerkennung gilt:
„Elmar Doppelfeld hat sich um die deutsche und europäische Ärzteschaft sehr verdient gemacht“.

Die folgenden Beiträge im medizinisch-wissenschaftlichen Teil des Deutschen Ärzteblattes sind Prof. Dr. med. Elmar Doppelfeld gewidmet.

zZitierweise dieses Beitrags:
Dtsch Arztebl 2004; 101: A 2952–2953 [Heft 44]

Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
und -psychotherapie
Philipps-Universität Marburg
Hans-Sachs-Straße 4–8, 35033 Marburg

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