ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2004Hämorrhoiden: Indikation und Risiken der Operation

MEDIZIN: Referiert

Hämorrhoiden: Indikation und Risiken der Operation

hlh

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Therapie bei Hämorrhoiden erstreckt sich von konservativ bis operativ und kann für Hausarzt und Fachspezialisten eine Herausforderung darstellen. Bei therapieresistenten, thrombosierten, drei bis vier Grad prolabierenden Hämorrhoiden ist die Operation oft die einzige Erfolg versprechende Therapie.
Anhand der aktuellen Literatur diskutiert der Autor detailliert die Verfahren der operativen Hämorrhoidektomie (wie Milligan-Morgan, Parks, Ferguson, Longo) und deren mögliche Komplikationen (Fistel, Abszess, Fissur, Blutung, Harnverhalt, Schmerz, Stenose, Störung der Feinkontinenz, Inkontinenz). Dabei zeigt sich, dass es in der operativen Therapie keinen Goldstandard gibt, und dass ältere Methoden den neueren, wie der so genannten Stapler-Methode, die auch mit Schmerzen, schwersten Infektionen und Inkontinenz verbunden wird, in nichts nachstehen. Die operative Behandlung äußerer thrombosierter Hämorrhoiden ist mit wenig Komplikationen – und in keinem Fall mit einer analen Inkontinenz – verbunden. Beim Krankheitsbild der Inkontinenz ist die sorgfältige Anamnese nach möglichen systemischen beziehungsweise regionalen Ursachen (Schaden nach Mehrfachschwangerschaft, perianale Fistel/Abszess/Abszessspaltung, entzündliche Darmerkrankungen, Medikamenten- oder Laxanzienabusus, Obstipation, neurologische Erkrankungen, Operationen) vor einer belastenden und teueren apparativen Diagnostik (Manometrie, Endosonographie, Defäkographie) durchzuführen. Bei der apparativen Diagnostik ist die Ergebniszuverlässigkeit stark von der Mitwirkung des Patienten, der Erfahrung des Untersuchers und der Qualität der Geräte abhängig.
Nach Auswertung der Literaturdaten ist die Inkontinenz meist Folge einer oder mehrerer der ersten vier der genannten Faktoren. Nur die operative Behandlung von perianalen Fisteln beziehungsweise Abszessen hat ein ähnlich hohes oder höheres Risiko, eine Inkontinenz zu verursachen; dagegen ist das Risiko einer Inkontinenz nach Hämorrhoidektomie gering, bei äußeren Hämorrhoiden praktisch null. hlh

Holzheimer RG: Hemorrhoidectomy: indications and risks. Eur J Med Res 2004; 9: 18–36.

Priv.-Doz. Dr. med. habil. René G. Holzheimer, Universität Halle-Wittenberg, Praxisklinik für Ambulante Operationen, Tegernseer Landstraße 8, 82054 Sauerlach bei München, E-Mail: info@praxisklinik-sauerlach.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote