ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2004Pneumokokken-Vakzine: Auch Schutz vor Otitis media

AKTUELL: Akut

Pneumokokken-Vakzine: Auch Schutz vor Otitis media

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Impfung von Kleinkindern gegen Pneumokokken verhindert nicht nur schwere Pneumonien. In den USA ist seit Einführung des Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffs auch die Zahl der Mittelohrentzündungen deutlich gesunken. Außerdem scheint die Inzidenz von antibiotikaresistenten Erkrankungen abzunehmen. Während die Ständige Impfkommission (STIKO) die Pneumokokken-Impfung bei Kleinkindern nur für Risikogruppen empfiehlt (Immundefekte, chronische Krankheiten, Frühgeburten), gilt in den USA seit 2000 eine generelle Empfehlung für alle Kinder unter zwei Jahren. Primäres Ziel der Impfung ist es, die Pneumonien zu vermeiden. Pneumokokken sind jedoch auch eine häufige Ursache der Otitis media, die viele Arztbesuche und Antibiotikaverordnungen verursacht. Wissenschaftler der Vanderbilt-Universität in Nashville/Tennessee und der Universität Rochester/New York haben untersucht, welchen Einfluss die Pneumokokken-Konjugat-Vakzine auf die Zahl der Arztbesuche (Pediatrics 2004; 114: 755–761) hat. Dazu wurden in Tennessee die Daten der staatlichen Gesundheitskasse für Arme (Medicaid) ausgewertet, im Staat New York die von drei privaten Kran­ken­ver­siche­rungen.

Die Ergebnisse haben die Erwartungen übertroffen: Die Rate der Arztbesuche wegen Otitis media sank in Tennessee um 118/1 000 Kinder im Alter unter zwei Jahren, in New York sogar um 430/1 000, die der Notfallaufnahmen oder ambulanten Behandlung in der Klinik aufgrund von Pneumonien um 20/1 000 (Tennessee) beziehungsweise 33/1 000 (New York). Nach Meinung von Katherine Poehling (Vanderbilt-Universität) sollte dies durch weitere Untersuchungen bestätigt werden. Doch schon jetzt könne festgestellt werden, dass der Einfluss der Impfung wesentlich größer sei als bisher angenommen.

Dies betrifft auch die Rate der invasiven Pneumokokkenerkrankungen (IPD) mit antibiotikaresistenten Erregern, wie die gleiche Arbeitsgruppe in Clinical Infectious Diseases (2004; 39: 641–648) berichtet. In sieben Bezirken in Tennessee waren im Jahr 1999 noch in 59,8 Prozent aller IPD der Altersgruppe unter zwei Jahren penicillinunempfindliche Pneumokokken nachgewiesen worden. Diese Rate ist in 2002 auf 30,4 Prozent gesunken. Auch in anderen Altersgruppen würden jetzt seltener resistente Erreger nachgewiesen, heißt es in der Untersuchung. Rüdiger Meyer
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