ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2004Stereotaxie: Tabu gebrochen

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Stereotaxie: Tabu gebrochen

Dtsch Arztebl 2004; 101(45): A-3020 / B-2551 / C-2434

Voderholzer, Ulrich

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LNSLNS Der Kölner Neurochirurg Prof. Dr. med. Volker Sturm bricht ein Tabu, indem er therapierefraktäre Zwangserkrankungen chirurgisch behandelt.
So sehr die ersten Versuche mit Tiefenhirnstimulation bei psychisch erkrankten Menschen von wissenschaftlichem und klinischem Interesse sind, von einer „Rückkehr der Psychochirurgie“ kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Rede sein. Das Verfahren scheint sich derzeit in der Therapie des M. Parkinson immer mehr zu etablieren, bei psychischen Erkrankungen gibt es weltweit nur Einzelfallserien, jedoch keine kontrollierte Studie. Die Ergebnisse der Pionierarbeiten von Professor Sturm bei bisher neun ansonsten therapieresistenten Patienten, von denen sieben respondierten, sind ermutigend. Bevor von einer Rückkehr der Psychochirurgie gesprochen wird, muss aber auf ein unseres Erachtens gewichtiges Versorgungsproblem Zwangskranker in Deutschland hingewiesen werden: Die Mehrzahl aller Patienten mit Zwangsstörungen sind bisher nicht mit den heute evidenzbasierten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie mit intensiven, von Therapeuten begleiteten Expositionsübungen einschließlich im häuslichen Umfeld sowie hoch dosierte Serotonin-Reuptake-Hemmer) behandelt worden. Im Einzelfall muss vor Indikationsstellung zu einem chirurgischen Eingriff genau geprüft werden, ob eine echte Therapieresistenz oder eine „Pseudotherapieresistenz“ vorliegt. Die konsequente Umsetzung evidenzbasierter Therapie scheint mir für die große Zahl der Zwangspatienten das wichtigste Anliegen.
Priv.-Doz. Dr. med. Ulrich Voderholzer, Universitäts-Klinikum Freiburg, Hauptstraße 5, 79104 Freiburg
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