ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1996Leasing: Alles für die Praxis und das Büro

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Leasing: Alles für die Praxis und das Büro

Combach, Rolf

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die harte Konkurrenz am Leasing-Markt hat dazu geführt, daß die Anbieter fast alles vermieten: Büromaschinen, Computer, Lastwagen, Produktionsmaschinen, auch technologisch sehr weitentwickelte Produkte, die schon nach kurzer Zeit durch Neuerungen ihren Marktwert verloren haben. Auch der Arzt kann für seine Praxis quasi alles leasen. Doch manche Verträge haben ihre Tücken.


Ein Leasingvertrag bietet die unterschiedlichsten Ausgestaltungsmöglichkeiten. Eckpfeiler für alle Verträge ist der Leasing-Erlaß der Finanzverwaltung aus dem Jahre 1971. In diesem Erlaß gibt es zwei Punkte, um die kein Vermieter herumkommt:
¿ Das Leasing-Objekt darf nicht so zugeschnitten sein, daß nur ein bestimmter Abnehmer es nutzen kann. Es darf sich also nicht um eine Spezialanfertigung handeln.
À Zudem muß die vereinbarte unkündbare Leasing-Zeit mindestens 40, äußerstenfalls aber 90 Prozent der betriebswirtschaftlichen Nutzungsdauer betragen. Diese Nutzungsdauer richtet sich nach der amtlichen Tabelle, in welcher die Abschreibungen für Anlagegüter (AfA) festgelegt sind.


Steuerliche Zurechnung
Nur wenn diese beiden Kriterien erfüllt sind, kann in der Regel die steuerliche Zurechnung des Leasing-Gutes beim Leasing-Nehmer erreicht werden. Unter Berücksichtigung dieser steuerlichen Erfordernisse werden die Leasing-Zeiten festgelegt. So werden im Mobilien-Leasing, beispielsweise für Telefonanlagen und Computer, aber auch für technische Geräte, Verträge meist über einen Zeitraum von 54 Monaten abgeschlossen, weil in diesen Fällen die betriebswirtschaftliche Nutzungsdauer nach der AfA-Tabelle 60 Monate beträgt. Für Automobile gelten Leasingzeiten von zwölf bis 43 Monate, bei Immobilien geht man meist an die Untergrenze des gesetzlichen Solls: üblicherweise 16 bis 20 Jahre. Bei den Vertragstypen unterscheidet man zwischen:
Vollamortisationsverträgen, bei denen die Zahlungen des Leasing-Nehmers während der Vertragslaufzeit die Anschaffungskosten des Leasing-Gegenstandes sowie alle Nebenkosten, die der Leasing-Gesellschaft entstanden sind, abdecken sollen. Diese Verträge werden in erster Linie für solche Objekte abgeschlossen, die schnell veralten oder bei denen ein schneller Preisverfall eintreten kann.
Teilamortisationsverträge hingegen werden für solche Leasing-Gegenstände offeriert, die nach Beendigung des Vertragsverhältnisses einen realisierbaren Marktwert haben. Dies ist besonders bei Kraftfahrzeugen der Fall.
Oft aber reicht die mögliche Nutzungsdauer eines Leasing-Gutes weit über die Leasing-Zeit hinaus. Dies gilt beispielsweise für die Einrichtungsgegenstände einer Praxis, für verschiedene Geräte, aber auch für Kraftfahrzeuge. Deshalb sollte sich der Leasing-Nehmer immer ein Optionsrecht auf das Leasing-Gut einräumen lassen. Soll heißen: Nach Beendigung der Vertragslaufzeit hat er das Recht, das Leasing-Gut zu einem vorher fixierten Preis zu übernehmen.
Leasing-Verträge, darüber sind sich die Juristen einig, sind manchmal tückische Verträge, mit Fallstricken und Fußangeln für den Leasing-Nehmer. Deshalb sollte man, gerade wenn es sich um technische Apparate handelt, erst die Funktionsfähigkeit prüfen, bevor man die Übernahme des Leasing-Gutes bestätigt. Denn als LeasingNehmer kann man niemals auf den Leasing-Geber zurückgreifen. Man muß sich statt dessen mit dem Lieferanten, mit dem man in gar keinem Rechtsverhältnis steht, auseinandersetzen.

Das eigene Haus mieten
Das Leasing von Geschäftshäusern und Laboratorien kann günstiger als eine Kreditfinanzierung sein. Auch hier bringt die steuerliche Berücksichtigung den Nutzen. Doch nicht nur Neubauten, sondern auch bestehende Gebäude können geleast werden. Man verkauft sie an die Leasing-Gesellschaft und mietet sie zurück ("sale and lease back").
Ob nun das Leasen oder Finanzieren einer Immobilie günstiger ist, dafür ist eine komplizierte Rechnung erforderlich. Generell kann gesagt werden: Je höher der Gewerbesteuerhebesatz, desto günstiger kann das Leasen sein. Beim Vergleich sollte man indes nicht nur die rechnerischen, sondern auch die rechnerisch nicht faßbaren, aber trotzdem meßbaren Vorteile sehen. Zu diesen gehört beispielsweise die 100-Prozent-Finanzierung, die liquiditätsschonende Wirkung, zusätzliche Dienstleistungs- und Servicefunktionen, langfristig festgeschriebene gleichmäßige Belastungen und die Möglichkeit, sich für andere Investitionen zusätzlich zu verschulden.
Doch selbst wer bereits ein Praxisgebäude errichtet hat und jetzt erkennt, daß Leasing für ihn die günstigere Finanzierungsvariante ist, kann trotzdem noch davon profitieren. In der Fachsprache nennt man dies "sale and lease back". Das Haus wird verkauft, gleichzeitig aber langfristig wieder zurückgemietet. Solche LeasingGeschäfte sind heute die Regel. Rolf Combach

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote