ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1996100 Jahre Jaguar-Daimler: Mit den Insignien der Krone

VARIA: Auto und Verkehr

100 Jahre Jaguar-Daimler: Mit den Insignien der Krone

Seidel, Marc

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Automobilmarke Daimler ist eine der ältesten noch existierenden in Großbritannien. Im Januar 1896 wurde sie in das Handelsregister eingetragen. Wie es der Name vermuten läßt, beginnt ihre Geschichte in Deutschland – mit dem Ingenieur Gottlieb Daimler.


Nachdem Gottlieb Daimler 1886 seinen legendären Stahlrad-Motorwagen vorgestellt hatte, lernte er 1890 den englischen Gentleman Frederick R. Simms kennen, welcher zu seiner Zeit Straßenbahnen mit Elektroantrieb konstruierte. Vollkommen fasziniert von Daimlers Motorantrieb wechselte er sofort die "Front" und kaufte die Patentrechte für dieses Antriebskonzept. Zusammen mit einigen Geschäftsfreunden gründete Simms in England das Daimler Motor Syndicate, welches die erworbenen Rechte verwerten sollte. Kurze Zeit später veräußerten Simms und seine Freunde die Verwertungsrechte von Daimlers Konzept zum stolzen Preis von 35 000 Pfund Sterling an Harry J. Lawson, der 1896 die "Daimler Motor Company Limited" ins Leben rief. Damals in England eine Automobilfabrik zu eröffnen bedeutete Risikobereitschaft, gab es doch ein zum Schutz der Eisenbahn erlassenes Gesetz, wonach auf englischen Straßen nicht schneller als zwölf Meilen (18 km/h) gefahren werden durfte. Dennoch: 1897 ging mit dem 4 HP Daimler Phaeton der erste britische Serienwagen in Produktion. Zwei Jahre später erwarb König Edward VII, damals noch Prince of Wales, seinen ersten DaimlerMotorwagen. Seither darf die Daimler Motor Company die Insignien der Krone mit dem Zusatz "By Appointment to His Majesty" führen. Kurz danach fiel das Geschwindigkeitsgesetz, und die Automobilindustrie erhielt weiteren Aufschwung.


Neben Autos auch Jachten
Binnen kurzer Zeit wurde die eingesetzte Technik deutlich verbessert: 1905 präsentierte Daimler speziell für die Teilnahme an sportlichen Wettbewerben den "Tourer", dessen Vierzylinder-Motor einen Hubraum von zehn Litern, seitliche Nockenwelle und kombinierte Magnet- und Batteriezündung aufwies. 1907 bot Daimler eine Palette von sieben verschiedenen Modellen an, alle mit einem 9,5 Liter "Knight-Motor", mit 9,5-LiterHubraum und 57 PS. Außerdem machte die Firma auch im Bootsbau von sich reden. Die Jachten Daimler I, II und III liefen zwischen 1905 und 1907 vom Stapel der Saunders-Werft. Ambulanz-Wagen, Busse und Nutzfahrzeuge aus der englischen Automobilfabrik versahen nicht nur auf der britischen Insel ihre Dienste. Viele der nach dem ersten Weltkrieg gebauten Wagen sind noch heute in verschiedenen Museen als Schmuckstücke einstiger Pionierzeiten zu bewundern. In den wesentlichen Zügen unverändert, versehen die Doppeldecker nach wie vor ihren strapaziösen Dienst im Londoner Stadtverkehr. Der Urvater dieser "Personentransporter" war der CWA 6, der erstmals 1944 eingesetzt wurde.
Anfang 1960 erwarb Jaguar die Firma Daimler. Einige Details der traditionsreichen Produktion haben sich bis heute bewahrt, zum Beispiel die in Handarbeit hergestellten Wurzelholzkonsolen. Mit der Jubiläumsedition "Century" feiert der englische Nobelhersteller seinen 100. Geburtstag. Gerade einmal 200 Stück sollen von dieser Luxuslimousine in diesem Jahr gefertigt werden, davon 50 für den deutschen Markt. Dabei kann der Käufer zwischen sechs Farben und zwei verschiedenen Innenausstattungen wählen. Kennzeichen des Sondermodells sind Chromakzente an den Karosserieflanken, verchromte Leichtmetallfelgen im "Turbine"-Design sowie dezente Century-Embleme an Vorderkotflügeln und Heck. Angetrieben wird das Fahrzeug wahlweise von einem 4,0-Liter-24-Ventile-Motor mit 241 PS oder einem 6,0-Liter- V12-Aggregat mit einer Leistung von 311 PS. Diese Art von Exklusivität hat ihren (stolzen) Preis: 163 000 DM kostet der "Century Six", der Daimler "Double Six" steht mit 179 200 DM in der Liste. Im Jubiläumsjahr hofft die Jaguar Deutschland GmbH, hierzulande an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen zu können: 2 667 Fahrzeuge der Marken Jaguar und Daimler wurden 1995 bundesweit zugelassen. Das sind 84 Prozent mehr als 1994. Noch stärker sei der Markt in Italien und Spanien gewachsen. Dort konnte der Absatz um mehr als 100 Prozent gesteigert werden. Weltweit hat Daimler seinen Verkauf um ein Drittel erhöht und überschritt damit im Export erstmals die Milliarden-Pfund-Marke. Marc Seidel

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote