ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1996Funktionelle Dyspepsie: Therapiestandards werden erarbeitet

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Funktionelle Dyspepsie: Therapiestandards werden erarbeitet

Korzilius, Heike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die funktionelle Dyspepsie gehört zu den häufigsten gastrointestinalen Beschwerden, mit denen Patienten ihren Hausarzt konsultieren. Rund 30 Prozent der Bevölkerung leiden unter Symptomen wie Völlegefühl, Appetitlosigkeit, vorzeitigem Sättigungsgefühl, Übelkeit und Meteorismus. Die Behandlung des Syndroms stellt Hausärzte jedoch immer wieder vor Probleme, da weder einheitliche Diagnose- noch Therapiestandards vorliegen.
Um diese in der täglichen Praxis unbefriedigende Situation zu beenden und therapeutische Standards zu entwickeln, haben 1994 zehn Allgemeinärzte die International Gastro Primary Care Group ins Leben gerufen. Die Gruppe hat beim WONCA-Kongreß in Stockholm ihren vorläufigen Management-Plan zur Behandlung der funktionellen Dyspepsie vorgestellt. Er soll neben dem effektiven praxisorientierten Disease-Management auch Qualitätssicherung und Kosteneffektivität berücksichtigen.
Dr. Harald Haslbauer (Frankfurt) räumte ein, daß der Plan jeweils an die nationalen Gegebenheiten angepaßt werden müsse. Er solle in Deutschland mit den verschiedenen Fachgesellschaften und dem Berufsverband der Allgemeinärzte abgestimmt werden. Außerdem plant die Firma Janssen-Cilag, die das Vorhaben finanziell unterstützt, eine prospektive Studie, um die Anwendbarkeit des Plans zu untersuchen. Zentraler Punkt des Plans ist für Haslbauer die Empfehlung einer initial probatorischen Therapie. Einer skandinavischen Studie zufolge mache es nämlich im Hinblick auf die Kosten der Therapie sowie die Lebenserwartung keinen Unterschied, ob initial endoskopiert oder eine probatorische Therapie eingeleitet werde. Angesichts der Häufigkeit von Oberbauchbeschwerden sei eine initiale Endoskopie aber weder realistisch noch kostenbewußt. Bei der Auswahl des Medikaments für eine probatorische Therapie werde derzeit diskutiert, ob nach Leitsymptomen differenziert werden sollte oder mit einem Prokinetikum wie Cisparid (Propulsin®) behandelt werden solle. Die Wirksamkeit von Cisaprid bei der funktionellen Dyspepsie sei am besten belegt. Darüber hinaus könne ein Prokinetikum ein Magenfrühkarzinom nicht maskieren. Führt die probatorische Therapie nach zwei bis vier Wochen nicht zum Erfolg, sollte eine eingehendere Diagnostik durchgeführt werden. Im Einvernehmen mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten vertritt die Care Group die Ansicht, daß die funktionelle Dyspepsie keine Helicobacter-pylori-Eradikation indiziert. HK
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote