ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1996Aristophanes – „Die Vögel“: Zeitlose Gültigkeit

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Aristophanes – „Die Vögel“: Zeitlose Gültigkeit

Steiner-Rinneberg, Britta

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LNSLNS Die 2 400 Jahre alte Komödie "Die Vögel" von Aristophanes bildete den Schlußpunkt der Heidelberger Schloßfestspiele. Sie wurde vom Düsseldorfer "Theater der Klänge" in einer Inszenierung von Jörg Lensing dargeboten. Das Stück ist heute immer noch aktuell, es hat weder von seinem entlarvenden Witz noch seiner scharfen Kritik verloren.
"Die Vögel" gilt als die bedeutendste Komödie des Satirikers Aristophanes. Pisthetairos (Clemente Fernandez) und Evelpides (Jacqueline Fischer), die den Vögeln geschickt schmeichelnden, wortgewandten Eindringlinge, stoßen mit ihrem Reich-Gründungsplan rasch auf Gegenliebe: Die Aussicht, Götter und Menschen künftig in Schach halten zu können, läßt die Gefiederten begeistert zustimmen. Das Projekt spricht sich herum; schnell sind die Neugierigen da.
Was Pisthetairos einzig noch fehlt, ist eine dem Größenwahnsinnigen genehm erscheinende, vornehme Königin. Dabei ausgerechnet auf Zeus’ Tochter Basileia zu verfallen, die furchterregend und peitschenschwingend zur Hochzeitsfeier erscheint, war sicher nicht seine beste Idee. Ganz kleinlaut schleicht er hinter der herrschsüchtigen Furie her. Tief enttäuscht folgen die verängstigten Gefiederten seinen Schritten. Zu spät ist allen klargeworden, daß dies der Preis für die unumschränkte Herrschaft im Wolkenkuckucksheim ist. Lebendig eingesperrt durch Mauern, die sie nicht mehr überfliegen können!
Die Adaption des uralten Stoffes mit seiner Kritik an den herrschenden Zuständen, aber auch am Umgang des Menschen mit neu errungener Macht, wurde in eine Märchenkomödie von überzeitlicher Gültigkeit verpackt und bescherte den Zuschauern einen ebenso amüsanten wie nachdenklich stimmenden Abend.
Weitere Vorstellungen der jüngsten Produktion "Die Vögel" sind im "Theater der Klänge", Düsseldorf, zu sehen. Informationen: Tel 02 11/ 46 27 46.
Britta Steiner-Rinneberg
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