ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1996Börsebius über Steuersparmodelle (IV): Schlupfloch gestopft

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Steuersparmodelle (IV): Schlupfloch gestopft

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wirklich listige Steuerfüchse haben sich in der Vergangenheit weniger auf nervenaufreibende Schiffsbeteiligungen oder anders verschachtelte hochkomplizierte Modelle eingelassen, sondern auf höchstpersönlichem Weg dem Fiskus ein Schnippchen geschlagen.
Und das ging so, wie folgender leibhaftiger Beispielsfall aufzeigt: Das Ehepaar Feinraus (Name absichtsvoll vom Verfasser geändert) kaufte sich ein Haus für 380 000 DM und vermietete es an die Mieter zu einem Mietzins von 1 000 Mark monatlich. Der guten Idee erster Teil.
Gleichzeitig kaufte jenes Mieterpaar, nennen wir es mal Kumpania, die Feinrausimmobilie zu einem Preis von 390 000 Mark und begrüßte die neuen Mieter Feinraus herzlich in diesen Räumen. Soweit der guten Idee zweiter Teil.
Es ergab sich wunderbarerweise, daß die beiden Wohnflächen und die Ausstattung der Häuser etwa gleich waren. Und da man sich eh prächtig verstand, konnte der Notar binnen weniger Tage zwei Parteien mit zwei Kaufverträgen gleich zweimal beurkunden.
Der steuerliche Vorteil war enorm, denn plötzlich waren Reparaturkosten und Zinsaufwendung in beträchtlicher Höhe abzugsfähig, was ja bekanntlich bei selbstgenutzten Immobilien nicht geht. Aber da hatten die beiden Paare die feingesponnene Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das Finanzamt sah nämlich überhaupt nicht ein, eine solche Trickserei durchgehen zu lassen, und lehnte die steuerliche Berücksichtigung kategorisch ab.
Das angerufene Finanzgericht Münster fackelte lange und sprach dann aber am 30. Mai 1996 doch ein klares Urteil mit dem Tenor, daß es so nicht ginge. Schließlich sei der wechselseitige Verkauf von Immobilien und deren gegenseitige anschließende Vermietung ein Mißbrauch steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten nach § 42 der Abgabenordnung.
Die spiegelbildlichen An- und Verkäufe der beiden Häuser seien, so das Finanzgericht, als abwegige "Kniffe und Schliche" einzuordnen, die letztlich nur zum Zwecke des Mißbrauchs in Gang gesetzt worden wären. Steuerlich seien sowohl die Familie Feinraus als auch die Familie Kumpania so einzuordnen, als seien sie gar nicht umgezogen. Den innerfamiliären Rückabwicklungsstreß mag ich mir gar nicht vorstellen. Merke also: Mit Kumpanei auf steuerlichem Gebiete ist man noch lange nicht fein raus. Zu Recht eigentlich. Börsebius
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