ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2004Chipkarte: e-card startet in Österreich

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Chipkarte: e-card startet in Österreich

Dtsch Arztebl 2004; 101(49): A-3318 / B-2810 / C-2661

Krüger-Brand, Heike E.

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Ärztekammer und Hauptverband schließen e-card-Vertrag ab.

Wegen der vielen Verzögerungen wurde sie schon als „nie-card“ verspottet, doch mit dem Abschluss der Verhandlungen zur „e-card“ beginnt in Österreich der Einstieg in ein neues Informationszeitalter im Gesundheitswesen: Nachdem die Österreichische Ärztekammer und der Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger den e-card-Vertrag unterzeichnet haben, ist ein erster Testlauf der Chipkarte noch im Dezember 2004 vorgesehen.
Nur Personendaten
Mit dem e-card-System sollen die Verwaltungsabläufe im Gesundheitswesen Österreichs modernisiert werden. In der ersten Ausbaustufe wird die Karte nur den Papier-Krankenschein ersetzen und in Echtzeit die Anspruchsberechtigung des Patienten auf vertragsärztliche Leistungen überprüfen. In einem zweiten Schritt soll sie zum zentralen Zugangsschlüssel zu Leistungen der Sozialversicherung und des Gesundheitswesens werden. Auf ihrer Rückseite befindet sich zusätzlich die Europäische Kran­ken­ver­siche­rungskarte, die zur Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen bei vorübergehenden Aufenthalten im europäischen Ausland berechtigt. Anders als beim Konzept der deutschen Gesundheitskarte werden auf der Karte selbst jedoch nur Personendaten, keine medizinischen Daten gespeichert. Außerdem ist die Karte für die elektronische Signatur vorbereitet.
Gleichzeitig mit der Einführung der e-card wird flächendeckend ein geschlossenes breitbandiges Intranet für die niedergelassenen Ärzte aufgebaut. Das ADSL-Gesundheitsinformationsnetz können die Ärzte künftig als hoch sicheren Übertragungsweg für die schnelle Übermittlung medizinischer Daten nutzen. Dazu richten die Ärztekammer und der Hauptverband über eine gemeinsame Betreibergesellschaft einen elektronischen Verteiler im Internet („Peering Point“) ein, über den das e-card-System und das ärztliche Datennetz verwaltet werden. Für den Schutz und die Sicherheit der sensiblen Daten sorgen Tunnelverbindungen und Firewalls. Eine zentrale Speicherung von Gesundheitsdaten ist im Ärzte-Netz nicht vorgesehen.
Rund acht Millionen Versicherte werden mit Chipkarten und 12 000 Vertragspartner mit geeigneter Software und Chipkarten-Lesegeräten ausgestattet. Das Projekt wird voraussichtlich 116 Millionen Euro kosten. Geplant ist, im ersten Quartal 2005 den Probebetrieb mit 80 Arztpraxen und 200 000 Karten im Burgenland aufzunehmen und diesen im zweiten Quartal auf acht weitere Landesteile zu erweitern. 2005 sollen e-card und herkömmliche Krankenscheine noch nebeneinander und
ab 2006 nur noch das elektronische Verfahren genutzt werden.
Als technische Voraussetzung für die Nutzung der e-card sind in der Arztpraxis drei Geräte erforderlich: die Gesundheitsinformationsnetzadapterbox, Lesegerät und Router. Die Kosten für die Erstausstattung der Praxen einschließlich der Installations- und Wartungskosten von 9,6 Millionen Euro (rund 800 Euro je Arzt) übernimmt der Hauptverband befristet bis 2009. Darüber hinaus bezuschusst der Hauptverband auch die Aufwendungen für die Betriebskosten in den ersten drei Jahren mit drei Millionen Euro. Die Ärzte müssen lediglich für die ADSL-Verbindung (rund 33 Euro monatlich) und die Integration des e-card-Systems in ihre Praxis-EDV aufkommen. Heike E. Krüger-Brand


Mehr Informationen zur e-card im Internet: www.sozial
versichung.at; www.chipkarte.at;
www.aekwien.at/uploads/ecard_041027.pdf
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