ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/1996Schweigepflicht: Ohne Relevanz

SPEKTRUM: Leserbriefe

Schweigepflicht: Ohne Relevanz

Brinkmann, Jochen

Zu dem Leserbrief "Irrtum" von Dr. med. Peter B. Auerbach in Heft 45/1996:
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LNSLNS Die Meldung von Verletzungen und Notfällen wird den Ärzten doch überwiegend schon abgenommen, bevor sie tätig werden. Notfallmeldungen über den Polizeinotruf, die 110, entsprechen einer Strafanzeige. So wurde bei einer Hundebißverletzung hier gegen den Wunsch der Verletzten eine Anzeige vorgefertigt.
Wenn die 112 nicht schon gleich widerrechtlich bei der Polizei aufläuft (D-Netz), so werden von den Leitstellen Informationen über Unfälle im Straßenverkehr grundsätzlich und über andere Notfälle zumindest großzügig weitergegeben. Verlangt wurde der Arzt, dessen Schweigepflicht unterlaufen wird. Die Disponenten der Leitstellen unterliegen dieser nicht. Die Diagnosen, das Transportziel, die Personalien auch der Meldenden gelangen weitgehend ungehindert in die Hand der Polizei und von da in die Zeitung. Diese Groteske geht hinein bis in den kassenärztlichen Notfalldienst, wenn er über Notrufzentralen betrieben wird. Ohne Bruch der ärztlichen Schweigepflicht schon im Vorfeld sieht man in der Regel notfallmäßig weder Arzt noch Rettungsdienst. Allein eine Amtsverschwiegenheit ist zu beachten.
Aus der Öffentlichkeit wurden hier Suizidversuche und Scheidenverletzungen mit Blutung nach Geschlechtsverkehr im Schock privat eingeliefert, Unfallflucht sogar ohne Notfallmeldung begangen. Wer riskiert denn in diskreten Fällen, die Polizei freiwillig zu rufen?
Die praktische Relevanz und die handfesten Nachteile des Unterlaufens einer Schweigepflicht liegen für die Notfallopfer auf der Hand. Sie sterben gegebenenfalls daran.
Jochen Brinkmann, Knollstraße 65, 49088 Osnabrück

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