ArchivDeutsches Ärzteblatt7/1996Verschuldung: Gezieltes Management reduziert die Aufwendungen

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Verschuldung: Gezieltes Management reduziert die Aufwendungen

Jobst, Peter

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LNSLNS Das Gesundheitsstrukturgesetz hat deutliche Spuren in den Finanzen der meisten Arzthaushalte hinterlassen. Als Folge stehen vielfach nicht mehr die Geldanlage und die finanzielle Vorsorge im Vordergrund der Überlegungen, sondern vielmehr die Planung von Krediten und Darlehen, im Branchenjargon auch als Schuldenmanagement bezeichnet. Hier kann ein sorgfältiges Vorgehen erhebliches Einsparungspotential eröffnen. Zunächst ist zwischen zwei Arten von Verbindlichkeiten zu unterscheiden:
1 Betriebliche Schulden im weitesten Sinn sind alle Finanzierungen, die in Zusammenhang mit Einrichtungsgegenständen der Praxis aufgenommen wurden und damit – zumindest indirekt – einen Ertrag abwerfen; zudem können die Zinsaufwendungen in der Regel steuerlich geltend gemacht werden. Oft spricht man daher auch von "intelligenten Schulden".
1 Private Schulden dienen vorrangig der Gestaltung des persönlichen Umfelds, haben jedoch in der Regel weder steuerliche Auswirkungen, noch bringen sie für die Praxis einen finanziell rechenbaren Nutzeffekt.
In beiden Fällen, insbesondere aber bei den privaten Schulden, ist nun zu prüfen, ob angesichts der bestehenden wirtschaftlichen Unsicherheiten eine Rückführung sinnvoll beziehungsweise vorteilhaft ist. Bei betrieblich veranlaßten Schulden spielen die steuerlichen Gegebenheiten eine besondere Rolle: Hier stellen die Finanzierungskosten Betriebsaufwendungen dar, so daß die Netto-Belastung aus der Verbindlichkeit letztlich wesentlich geringer ist als im Fall eines privat veranlaßten Darlehens. Es kann daher durchaus vorteilhaft sein, betriebliche Schulden nicht zurückzuzahlen, sondern statt dessen das Geld im Privatvermögen anzulegen, stehen dann doch steuerlich abzugsfähigen Aufwendungen oftmals steuerfreie Zinserträge gegenüber.
Um dieses Ziel zu erreichen, wird gerne auch das vieldiskutierte Zwei- oder Drei-Konten-Modell gewählt, bei dem Einnahmen und Ausgaben der Praxis weitgehend über zwei beziehungsweise drei verschiedene Girokonten abgewickelt werden. Unterliegen allerdings die Sparerträge ganz oder teilweise der Steuerpflicht, ist eine Umschuldung immer dann empfehlenswert, wenn der Netto-Ertrag des Sparkapitals nach Steuern deutlich niedriger ist als der Netto-Aufwand für das betrieblich veranlaßte Darlehen nach Steuern.
Daneben empfiehlt es sich, aufgenommene Darlehen weder aus unmittelbaren noch aus mittelbaren Gründen anwachsen zu lassen. Zu den unmittelbaren Gründen zählen betriebliche Anschaffungen, die angesichts der derzeitigen Lage im Gesundheitswesen sehr genau geprüft werden sollten. Investieren sollten Sie derzeit nur dann, wenn die Neuanschaffung entweder zwingend erforderlich ist oder einen entsprechenden Mehrertrag erwarten läßt. Zu den mittelbaren Gründen zählen die von Kreditinstituten derzeit gerne angebotenen Umschuldungen, bei denen die laufenden Tilgungsraten durch eine Quasi-Neuausreichung mit einem neuerlichen Disagio reduziert werden: Das Darlehen wird mithin höher, dafür zahlt der Kunde jedoch für einen Zeitraum von beispielsweise fünf Jahren niedrigere Zinsen. Dies erscheint jedoch lediglich in Fällen eines nur vorübergehenden Liquidi-tätsengpasses sinnvoll. Hingegen sorgt eine derartige Umschuldung in allen anderen Fällen lediglich für eine Schuldenmaximierung, die der Bank gute Erträge bringt.


Gute Konditionen aushandeln
Ebenfalls zum Schuldenmanagement gehört die sorgfältige Konditionengestaltung. Die Höhe der Darlehenszinsen richtet sich in erster Linie nach den gebotenen Sicherheiten. Hierbei werden Immobilien trotz des vergleichsweise hohen Aufwands im Falle eines Verkaufs von den Kreditinstituten besonders hoch geschätzt: Liegt das aufgenommene Darlehen bei maximal der Hälfte des realen Wertes der Immobilie, bieten die Banken heute Konditionen von oft deutlich weniger als acht Prozent Effektivzins. Wird der Beleihungswert in einem höheren Umfang ausgeschöpft, wird hierfür ein Zinszuschlag von derzeit meist etwa 1,0 bis 2,0 Prozent kalkuliert.
Als werthaltige Sicherheit gelten den Instituten weiterhin Kapitalvermögen etwa in Form von Spareinlagen beim selben Institut, wobei hierfür üblicherweise ein festgeschriebener Zuschlag von 1,0 bis 3,5 Prozent auf den gezahlten Guthabenzins berechnet wird. Als weniger sicher werden schließlich Vermögenswerte wie etwa das Kraftfahrzeug, die Betriebsausstattung oder gar die "persönliche Bonität" eingestuft.
Es lohnt sich also, die eigenen Sicherheiten zu überprüfen und der Bank beziehungsweise Sparkasse entsprechende Angebote zu machen. Zurückhaltung ist hier allenfalls dann angebracht, wenn Dritte zu Bürgschaften oder anderen Sicherheitsleistungen herangezogen werden sollen: Im Fall einer finanziellen Schieflage sind dann auch sie betroffen, beispielsweise der Ehepartner. Stammen allerdings die gezielt angebotenen Sicherheiten aus eigenem Vermögen, ändert sich für die Haftung letztendlich nicht viel: Als Arzt müssen Sie ohnehin mit Ihrem gesamten Privatvermögen für Verbindlichkeiten aufkommen, unabhängig davon, ob beispielsweise die freie Grundschuld schon an die Bank übertragen wurde oder nicht. Peter Jobst

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