ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2004Osteoporose: Patienten sind nach wie vor unterversorgt

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Osteoporose: Patienten sind nach wie vor unterversorgt

Dtsch Arztebl 2004; 101(50): A-3443

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Frauen verlieren zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr im Durchschnitt 40 Prozent ihrer Knochenmasse, Männer lediglich 14 Prozent. Kommen Risikofaktoren wie Hormonstörungen, entzündliche rheumatische Erkrankungen, Steroidtherapie und Bewegungsarmut hinzu, wird die Manifestation der Osteoporose beschleunigt. Die Erkrankung „trifft“ 40 Prozent der postmenopausalen Frauen, ein Drittel erleidet eine Fraktur.
Dieses Risiko besteht ebenfalls für 13 Pozent der Männer, die älter als 50 Jahre sind. Ursache ist nicht nur ein Mangel an Sexualhormonen; die Hälfte der über 50-Jährigen weist auch Funktionsstörungen der Schilddrüse auf. „Erstaunlich häufig“ sind nach einer Untersuchung von Prof. Klaus-Henning Usadel (Frankfurt/Main) Probleme im Kalzium- und Vitamin-D-Stoffwechsel aufgrund eines Hyperparathyreoidismus.
Patienten mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen sind nicht nur durch die Steroidtherapie, sondern bereits durch die inflammatorischen Mechanismen gefährdet. „Es werden Zytokine freigesetzt, die auch zur Aktivierung von Vorläuferzellen von Osteoklasten führen und so einen stärkeren Knochenabbau bewirken“, erläuterte Dr. Brigitte Krummel-Lorenz (Frankfurt/Main). Die adäquate Basistherapie mit Kalzium und Vitamin D sei deshalb vor Beginn einer Steroidbehandlung ein „Muss“.
Mit den Bisphosphonaten – und Raloxifen für Frauen – stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, die den Knochenabbau hemmen und die Frakturrate um 30 bis 50 Prozent verringern. Seit kurzem erst seien Präparate verfügbar, die den Knochenaufbau stimulieren, betonte Dr. Alexander Mann (Frankfurt/ Main). Das rekombinante Parathormon habe den Nachteil, dass es injiziert werden muss und „ziemlich teuer“ ist.
Fast pünktlich zum Welt-Osteoporosetag ist Strontiumranelat (Protelos®, Servier Pharma) als weitere Option zugelassen für die Therapie postmenopausaler Frauen – und zwar nicht erst nach einer Fraktur. Das Präparat wird in Wasser aufgelöst und abends oral eingenommen. Studien weisen nach Aussage von Mann eine Senkung der Frakturrate um 40 bis 50 Prozent aus. Über die Möglichkeit einer Kombination mit Bisphosphonaten – oder auch die Behandlung beim Mann – liegen keine Untersuchungen vor. Der Internist wies in diesem Zusammenhang auf die Kombination von Parathormon und Bisphosphonaten hin, bei denen sich kein additiver Effekt gezeigt habe.
Osteoporose-Patienten seien nach wie vor erheblich unterversorgt, betonte Mann, obwohl die WHO die Erkrankung auf die Liste der zehn wichtigsten zu bekämpfenden Krankheiten gesetzt hat. Nur in der Hälfte der Fälle ist die Diagnose gestellt, davon wiederum werden nur 50 Prozent adäquat behandelt. „Zu wenig, zu spät, zu undifferenziert“, lautete das Urteil von Prof. Heinrich M. Schulte (Hamburg). Denn im Gegensatz zu mehr als 100 diabetischen Schwerpunktpraxen seien endokrinologische Zentren „dünn gesät“ – in Deutschland sind es nach Angaben von Usadel nur 23.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Pressegespräch „Zu spät, zu wenig, zu undifferenziert“ zum Welt-Osteoporose-Tag in Frankfurt/Main, Veranstalter: Endokrinologikum Frankfurt/Main
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