ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2004Wahlen zur KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung: Kungelei

EDITORIAL

Wahlen zur KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung: Kungelei

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Wahl der sechs Delegierten der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten für die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin verlief angespannt. Zum Hintergrund: Die Psychotherapeuten erhalten in der neuen, nur noch aus 60 Vertretern bestehenden KBV-VV, zehn Prozent der Sitze. Diese sechs Sitze, plus jeweils zwei Stellvertreter, wurden am 18. November, in den Räumen der KBV von den 52 in die neuen KVen gewählten Delegierten der Psychotherapeuten gewählt.
Für Unruhe sorgte gleich zu Beginn des ersten Wahlgangs eine von vier Verbänden abgeschlossene „Kooperationsvereinbarung“, mit der sich die Beteiligten verpflichteten, bestimmte Kandidaten zu wählen. In einem Personaltableau festgelegt waren neben den Vertretern für die VV auch schon die Kandidaten der Psychotherapeuten für die KBV-Gremien (Beratender Fachausschuss Psychotherapie, Gemeinsamer Bundes­aus­schuss [G-BA], Unterausschuss Psychotherapie des G-BA, Vorsitz der KBV-VV, Ausschuss für Vorstandangelegenheiten, Finanzausschuss). Freie Wahlen? – Offiziell schon. Inoffiziell bestimmten die beiden Verbände, die 60 Prozent der Sitze für Psychologische Psychotherapeuten in den KVen innehaben (Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten und Deutscher Psychotherapeutenverband [DPTV]), wen sie in der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung und in den Gremien haben wollen.
Jürgen Doebert vom Berufsverband der Vertragspsychotherapeuten (BVVP) wollten die einflussreichen Verbände offensichtlich nicht in ihren Reihen sehen. Marianne Funk, KV Südwürttemberg, versuchte zwar einige Male, die kooperativen und integrativen Fähigkeiten Doeberts hervorzuheben, der sich in den vergangenen Jahren für die Selbstverwaltung als Anprechpartner mit großem Detailwissen erwiesen habe. Doch auch in zwei Wahlgängen hatte er keine Chance. Erreichbar scheint allenfalls ein Sitz im Beratenden Fachausschuss Psychotherapie.
Ähnlich erging es Helga Schäfer vom Verband Psychologischer Psychotherapeuten (VPP), deren Verband wie der BVVP und die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie in der „Kooperationsvereinbarung“ nicht vorgesehen war. Schäfer, die – wie sie betonte – sich immer für ein verbändeübergreifendes Vorgehen eingesetzt hat, fühlte sich „ausgegrenzt“. Die Psychotherapeuten seien in den letzten Jahren nach außen hin immer gemeinsam aufgetreten; da seien solche Verbändestreitigkeiten nicht mehr angemessen.
Gewählt wurden: 1. Hans-Jochen Weidhaas, KV Rheinland-Pfalz, (Vereinigung), 2. Dr. phil. Hans Nadolny, KV Bremen, (DPTV), 3. Dieter Best, KV Rheinland-Pfalz, (Vereinigung), 4. Gebhard Hentschel, KV Westfalen-Lippe, (DPTV), 5. Ellen Bruckmayer, KV Bayerns, (Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie Psychosomatik und Tiefenpsychologie), und 6. Bernhard Moors, KV Nordrhein, (Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten).
Die Delegierten werden die Interessen der Psychotherapeuten im wichtigsten KBV-Gremium sicherlich gut vertreten. Der Wahlbeobachter fragt sich allerdings: War das nötig? Absprachen vor Wahlen gibt es immer, doch diese gingen weit über das Übliche hinaus. Petra Bühring
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