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LNSLNS Trotz der vom Autor am Beispiel von Aufmerksamkeitsstörungen (Attention deficit disorder, ADD) bei Erwachsenen gezeigten Problematik würde ich den Einsatz dauerhafter Konstrukte nicht generell ablehnen. Energiegeladene Chaoten, Tagträumer, kreative Künstler oder außergewöhnliche Zeitgenossen, das sind nur einige der unzähligen Gesichter eines genetisch fixierten Phänomens namens ADD, dessen Symptome je nach Ausmaß der Kompensationsmechanismen in unterschiedlicher Qualität und Quantität im Erwachsenenalter persistieren können. Mögliche Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel psychosomatische Störungen, unfallbedingte Verletzungen oder drogen-assoziierte Erkrankungen und „Gefängniskarrieren“ machen ADD zu einem (arbeits-)medizinischen und gesellschaftlich relevanten Problem. Eine zweifellos notwendige umfassende Aufklärung kommt
meines Erachtens ohne ein adäquates dauerhaftes Erklärungsmodell nicht aus. Dieses muss allerdings dem eingangs erwähnten Facettenreichtum von ADD Rechnung tragen. Zur Verdeutlichung sei auf die „Zwiebelhaut-Metapher“ aus Henrik Ibsens Drama „Peer Gynt“ verwiesen. Die bisherige Charakterisierung von ADD verläuft klassischerweise nach dem „Schwäche-Modell“, das nur wenige „Zwiebelhäute“, wie Aufmerksamkeitsdefizit, Mangel an Ausdauer und Hyperaktivität sowie Impulsivität berücksichtigt. Durch eine bloße Reduzierung von ADD auf eine psychiatrische Erkrankung werden oft die anderen (vorteilhaften) „Zwiebelschalen“ übersehen, wie zum Beispiel Energieüberfluss, Kreativität, Begeisterungsfähigkeit etc. Unser Eifer bei der „Heilung“ von „Krankheiten“ (oder vielleicht doch Normvarianten?) sollte uns nicht die bereichernde Rolle von ADDlern in unserer Gesellschaft vergessen lassen. Kreativität ist nun mal aus dem Chaos
geboren.
Dr. Karen Rosenkranz,
Jahnring 11, 38667 Bad Harzburg
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