ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2004Mami-Wata-Kopfaufsatzmaske: Spekulative Interpretation

KUNST + PSYCHE

Mami-Wata-Kopfaufsatzmaske: Spekulative Interpretation

Kraft, Hartmut

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LNSLNS Diese so genannte Kopfaufsatzmaske stammt aus Westafrika. Sie soll im Mami-Wata-Kult Verwendung gefunden haben – weitere Informationen über dieses Objekt liegen nicht vor. Der Betrachter ist auf Beobachtungen und Interpretationen angewiesen. Die Art der Verwendung lässt sich dabei relativ gut nachvollziehen: Das geflochtene Korbstück an der Unterseite dient der Anpassung des geschnitzten Teils an die Kopfform des Trägers, der seinerseits unter einem weiten Umhang verschwunden sein dürfte. Wie fast immer bekommt man in Europa die hölzernen Teile eines Maskenkostüms zu sehen, wohingegen die dazugehörigen, oft den ganzen Körper des Maskenträgers verdeckenden Stoffe allenfalls bei Ausstellungen in Völkerkundemuseen oder in Fachpublikationen zu sehen sind.
Mami-Wata-Kopfaufsatzmaske, circa 80er-/90er-Jahre des 20. Jahrhunderts, Holz, geschnitzt und bemalt, geflochtener Korb auf der Unterseite, Höhe 40 cm, Länge 55 cm, Breite 16 cm Foto: Eberhard Hahne
Mami-Wata-Kopfaufsatzmaske, circa 80er-/90er-Jahre des 20. Jahrhunderts, Holz, geschnitzt und bemalt, geflochtener Korb auf der Unterseite, Höhe 40 cm, Länge 55 cm, Breite 16 cm Foto: Eberhard Hahne
Die abgebildete Darstellung folgt keinem bekannten Typus, wie es sonst für afrikanische Masken charakteristisch ist und eine schnelle Zuordnung zu einer Region oder einer Ethnie ermöglicht. Es dürfte sich um eine Maske neueren Datums handeln, wie sie – nach freier Fantasie gestaltet – heute gelegentlich in Mami- Wata-Kulten verwendet werden. Mami Wata ist ein in mehreren westafrikanischen Ländern verehrter weiblicher Fluss- oder Meergeist, der als Spenderin von plötzlichem Reichtum, Ansehen und langem Leben verehrt wird. Über diese generelle Einordnung hinaus scheint die Maske weitgehend für sich selbst zu
sprechen: Aus einem männlichen Kopf wächst ein weiblicher, auf der Gegenseite verhält es sich umgekehrt. Es handelt sich um eine künstlerische Arbeit, die auf ebenso direkte wie ungewöhnliche Weise vor Augen führt, wie Verliebte jeweils den Partner „im Kopf haben“. Insofern ist zu vermuten, dass diese Kopfaufsatzmaske im Zusammenhang mit einem „Liebeszauber“ oder Ähnlichem getanzt worden sein könnte. Welche Bedeutung der Schlange und dem Vogel zukommt, ist weniger offensichtlich. Vielleicht geht es um das Zusammentreffen von Tieren, die zwei unterschiedlichen Sphären angehören – so wie Männer und Frauen mit ihren jeweiligen Peergroups unterschiedlichen Sphären angehören, bevor sie als Paar zueinander finden. Hartmut Kraft


Ethnologische Einordnung
Mami Wata stammt als Begriff aus dem Pidgin-Englisch und bezeichnet eine mythische Frauengestalt, die zumeist halb als Mensch und halb als Fisch dargestellt wird. Ihre Verehrung ist in Westafrika vom Senegal bis nach Tansania bekannt. Die Anhänger des Kults erwarten Reichtum, Gesundheit, langes Leben und hohes Ansehen.

Literatur
Schädler K-F: Lexikon afrikanischer Kunst und Kultur. München: Klinkhardt & Biermann, 1994.
Wendl T: Mami Wata oder Ein Kult zwischen den Kulturen. Münster: Lit-Verlag, 1993.
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