ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2005Elektronischer Heilberufsausweis: Zentraler Schlüssel

POLITIK

Elektronischer Heilberufsausweis: Zentraler Schlüssel

Dtsch Arztebl 2005; 102(1-2): A-14 / B-12 / C-11

Krüger-Brand, Heike E.

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Die Vorbereitungen für die Herausgabe des elektronischen Arztausweises sind voll im Gange.

Als Pendant zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist er künftig unentbehrlich – der elektronische Arztausweis sei die „Eintrittskarte der Ärzte in die elektronische Welt“, sagte Prof. Dr. med. Ingo Flenker, Telematikbeauftragter der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, in Berlin. Der einzelne Arzt werde mittelfristig, zumindest wenn er seinen Beruf unter den Bedingungen des SGB V ausübe, nicht mehr ohne ihn auskommen. Die schrittweise Einführung der eGK ab 2006 erfordert nach
§ 291 a SGB V (5) auch den elektronischen Heilberufsausweis (Health Professional Card, kurz HPC), weil ohne diesen die Funktionen der Gesundheitskarte, wie zum Beispiel das elektronische Rezept, nicht genutzt werden können.
Die Ausgabe der rund 270 000 elektronischen Ausweise ist ein komplexer Vorgang. Zu regeln sind die Antragstellung/Registrierung, die technische Herstellung und der Aufbau von Verzeichnisdiensten. Die Ärztekammern werden als Zertifizierungsdiensteanbieter die HPC herausgeben. Zurzeit wird bei der BÄK ein HPC-Projektbüro aufgebaut, das die Aktivitäten der 17 Lan­des­ärz­te­kam­mern koordinieren und unterstützen soll. Aufgabe des Projektbüros wird es sein, ein einheitliches, praktikables und kostensparendes Konzept zu erarbeiten, das die Weiterentwicklung der technischen Spezifikation, die Auswahl geeigneter technischer Partner und die Interessenvertretung der Ärzteschaft gegenüber den Partnern der Selbstverwaltung, der Politik und der Industrie umfasst.
Nach sechs Jahren Vorarbeiten sind immer noch viele Details der HPC ungeklärt. So kann die Spezifikation des Heilberufsausweises beispielsweise erst fertig gestellt werden, wenn die Gesundheitskarte abschließend definiert ist. Die eGK werde jedoch nicht daran scheitern, dass die HPC nicht rechtzeitig zur Verfügung stehe, betonte Flenker. „Ich gehe davon aus, dass wir den Arztausweis für die Modellregionen ab Mitte 2005 ausgeben können.“
Die Novellierung des Signaturgesetzes im November 2004 hat die Voraussetzungen für eine einfachere Beantragung und Ausgabe von Signaturkarten mit qualifizierten elektronischen Signaturen im Wirtschaftsleben geschaffen. Daher werde angestrebt, die Antragsdaten für den Arztausweis per Internet zu erfassen, weil sich dies weniger fehleranfällig und außerdem schneller und kostengünstiger abwickeln lasse, erläuterte Philipp Stachwitz, Referent in der BÄK. Ob die persönliche Identifizierung der Antragsteller in den Ärztekammern beziehungsweise deren Bezirks- und Kreisstellen oder auch über andere Stellen (wie Notare oder Postfilialen) erfolgen könne, werde unter rechtlichen und organisatorischen Aspekten geprüft.
Auch hinsichtlich der Kosten gibt es noch keine genauen Angaben. Aufgrund von Vorteilen durch die Abnahme großer Mengen werden die Anschaffungskosten für die HPC – grob geschätzt – bei 30 bis 40 Euro für den Arzt liegen, meinte Flenker. Die jährlichen Betriebskosten, die für die Bereitstellung der Infrastruktur anfallen, veranschlagte er mit 40 bis 60 Euro. Genauere Aussagen sind jedoch erst dann möglich, wenn die Feinplanungen abgeschlossen sind, die technische Spezifikation steht und die externen Dienstleister (Trustcenter) ausgewählt worden sind.
Die Ärztekammern wollen die Ärzte frühzeitig und umfassend über die neue Technologie und die geplante Tele­ma­tik­infra­struk­tur informieren – nicht zuletzt, um die vorhandene Skepsis bei vielen Ärzten auszuräumen. Diese bezieht sich nicht nur auf die Investitionskosten und den engen Zeitplan, sondern äußert sich auch als Furcht vor dem „gläsernen Patienten“ und dem „gläsernen Arzt“. Die Telematik sollte jedoch nicht nur als gesetzliche Verpflichtung gesehen werden, sondern „auch als Chance, die tief greifenden technologischen Veränderungen im Sinne der Patienten und Ärzte aktiv mitzugestalten und zu beinflussen“, warb Flenker. Mit der Herausgabe der HPC sei sichergestellt, dass die Ärzteschaft Verantwortung übernehme und sich verstärkt technologische Kompetenz in Fragen der Gesundheitstelematik erwerbe – auch vor dem Hintergrund möglicher Risiken der neuen Technologien.
Unter www.baek.de/30/eArztausweis hat die BÄK ein Informationsangebot zum Thema veröffentlicht. Dort sind Basisinformationen zur HPC, Statements, ein Glossar und eine Linksammlung abrufbar. Darüber hinaus kann man unter www.baek.de den elektronischen Informationsdienst „IT Kompakt“ kostenfrei abonnieren oder herunterladen, der regelmäßig über neue Entwicklungen der Gesundheitstelematik berichten wird. Heike E. Krüger-Brand

Hintergrund
Den elektronischen Arztausweis erhalten auf Antrag alle approbierten Ärzte. Er umfasst mehrere Funktionen: Als personenbezogener Sichtausweis sind auf ihm Arztnummer, Gültigkeitsdauer und Passfoto aufgedruckt. Als Steckausweis enthält er elektronisch auslesbare Basisdaten zum Karteninhaber, auf die jeder zugreifen darf.
Als Prozessorchipkarte erfüllt der Arztausweis drei Funktionen:
- Authentifizierung des Nutzers (elektronischer Identitätsnachweis),
- Transportverschlüsselung beim Versand von Gesundheitsdaten,
- elektronische Signatur nach dem Signaturgesetz.
Zurzeit liegt die im Juli 2003 freigegebene Spezifikation für den Heilberufsausweis für die Ärzte- und Apothekerschaft in der Version 2.0 vor, die kontinuierlich durch das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie weiterentwickelt wird.
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