ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/1996Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie: Septum-Stimulation mit DDD-Schrittmacher

POLITIK: Medizinreport

Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie: Septum-Stimulation mit DDD-Schrittmacher

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Die Implantation eines konventionellen Zweikammer-Schrittmachers scheint eine effektive therapeutische Alternative bei hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie zu sein. Das zeigen die Ergebnisse von PIC (Pacing In Cardiomyopathy), die beim Kongreß der European Society of Cardiology in Birmingham vorgestellt wurden. Die Patienten hatten objektiv und subjektiv einen statistisch signifikanten Gewinn.
Die Steife des hypertrophen Ventrikelseptums verhindert, daß ausreichend Blut in die Peripherie gepumpt wird, erinnerte Professor L. Kappenberger (Lausanne) an das grundlegende Problem der Kardiomyopathie. Die Idee, die hinter der neuen Behandlungsmethode steckt, ist einfach: Mit Hilfe eines DDD-Schrittmachers wird über eine Elektrode im rechten Ventrikel das Septum so stimuliert, daß es sich kurz vor der übrigen Kammermuskulatur kontrahiert. Dadurch werden der Ausflußtrakt erweitert und die ausgepumpte Blutmenge vergrößert.
Um diese Hypothese zu testen beziehungsweise die Auswirkungen auf Hämodynamik und Symptomatik zu verifizieren, wurde eine prospektive Studie in zwölf europäischen Zentren durchgeführt. In PIC wurden 83 Kardiomyopathie-Patienten im Alter zwischen 22 und 87 Jahren eingeschlossen, die nicht mehr auf eine medikamentöse Therapie ansprachen und auf eine Operation warteten. 36 Patienten waren im NYHA-Stadium II, 47 im Stadium III. Die Septumdicke betrug im Mittel 21 mm (10 bis 40 mm), der Druckgradient lag durchschnittlich bei 71 mm Hg (30 bis 165 mm Hg).
Nach Implantation des Schrittmachers wurden die Patienten crossover je drei Monate doppelblind mit aktiviertem und deaktiviertem Gerät beobachtet. In beiden Phasen wurden Echokardiographie, 24-StundenHoltermonitoring und Belastungstests durchgeführt. Begleitend wurden mit standardisierten Fragebögen Daten zur Lebensqualität erhoben. Wenn die Schrittmacher aktiviert waren, kam es zu einer statistisch signifikanten Verbesserung der Hämodynamik und Symptomatik: der linksventrikuläre Ausflußtrakt-Gradient nahm ab, die maximale Belastungsdauer stieg – auch bei zuvor stark eingeschränkten Patienten – an, Angina-pectorisAnfälle und Dyspnoe wurden reduziert. Gleichzeitig fühlen sich die Patienten wacher, und die Aktivitäten des täglichen Lebens fielen ihnen leichter. Wenn vom "Verummodus" in den "Plazebomodus" umgestellt wurde, kam es zu einer raschen Verschlechterung der zuvor gebesserten Symptomatik, so daß die Mehrzahl der Studienteilnehmer diese Phase vorzeitig abbrechen wollte.
Aufgrund dieser Ergebnisse sollte nach Ansicht von Professor Kappenberger bei Patienten mit einer hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie immer in den Fällen ein Therapieversuch mit einem DDDSchrittmacher gemacht werden, wenn nur noch eine chirurgische Intervention möglich ist. Man sollte aber auch überlegen, ob diese Option nicht schon im früheren Krankheitsstadium als Alternative zur medikamentösen Behandlung Vorteile bringen könnte. Gabriele Blaeser-Kiel

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