ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2005Kataraktoperation: Risikominderung einer Blutung bei oraler Antikoagulation

MEDIZIN: Referiert

Kataraktoperation: Risikominderung einer Blutung bei oraler Antikoagulation

Dtsch Arztebl 2005; 102(1-2): A-58 / B-49 / C-46

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LNSLNS Die Kataraktoperation ist der häufigste Eingriff in der Medizin. In Deutschland erfolgen etwa 650 000 Eingriffe pro Jahr. 14 Prozent der zu operierenden Patienten bekommen eine medikamentöse Gerinnungshemmung (3), wobei etwa zwei Prozent der Patienten eine orale Antikoagulation erhalten (1, 4). Die Antikoagulation mit Cumarinen ist hierbei zur temporären oder permanenten Therapie bei vielen Erkrankungen mit einem erhöhten Risiko einer Thrombenbildung erforderlich. Bei der Kataraktoperation besteht aber dadurch prinzipiell die Gefahr von Blutungen im Bereich des Auges und der Orbita. Eine Umstellung oder Unterbrechung der Antikoagulation beinhaltet die Gefahr thromboembolischer Komplikationen (1), und das allgemeine Komplikationsrisiko ist am geringsten, wenn die Gerinnungswerte stabil sind (2). Untersuchungen zeigen, dass bei 15 bis 28 Prozent der Patienten die orale Antikoagulation vor der Operation geändert oder sogar unterbrochen wurde (1, 4). Obwohl zur Durchführung von elektiven Operationen im Allgemeinen eine INR von 1,5 bis 2,0 empfohlen wird (1), erfolgt die moderne Kataraktoperation in topischer Lokalanästhesie, das heißt nur mit anästhesierenden Augentropfen. In einer kürzlich durchgeführten prospektiven klinischen Untersuchung wurde die Komplikationsrate und das Blutungsrisiko bei 128 konsekutiven Patienten unter medikamentöser oraler Antikoagulation im Rahmen einer elektiven Kataraktoperation überprüft (4). 86 Patienten (67 Prozent) hatten eine Thromboplastinzeit unter 40 (INR > 1,0) und 24 Patienten (18 Prozent) eine Thromboplastinzeit von unter 25 (INR > 2,0). Der operative Zugang erfolgte in Kleinschnitttechnik. Obwohl bei neun Patienten (7 Prozent) eine Blutungsneigung aus den oberflächlichen Gefäßen festgestellt wurde, kam es nur bei einem Patienten (0,8 Prozent) zu einer leichten Einblutung der vorderen Augenkammer. Diese war nicht visuslimitierend und resorbierte sich spontan. Schwere Blutungskomplikationen mit Einschränkungen des Sehvermögens unter medikamentöser oraler Antikoagulation traten auch in anderen Untersuchungen nicht auf (1). Deshalb konnte keine Gegenanzeige für eine Fortführung der Antikoagulation bei geplanter Kataraktoperation festgestellt werden (1, 4).
Die moderne Kataraktoperation in Kleinschnitttechnik mit Implantation von faltbaren Intraokularlinsen in topischer Lokalanästhesie (Tropfanästhesie) kann das Risiko einer schweren Blutung unter oraler Antikoagulation reduzieren. Eine Absenkung der INR auf Werte um 1,5 scheint nicht immer erforderlich zu sein und birgt die Gefahr von lebensbedrohlichen thromboembolischen Ereignissen. Eine Fortführung der oralen Antikoagulation ist besonders für die zunehmend ambulanten Eingriffe geeignet. wre

Literatur
1. Katz J, Feldman MA, Bass EB, Lubomski LH et al.: Risks and benefits of anticoagulant and antiplatelet medication use before cataract surgery. Ophthalmology 2003; 110: 1784–1788.
2. Körfer R, Horstkotte D, Spannagl M, Völler H: Orale Langzeitkoagulation – Wenn Patienten sich selber testen und einstellen. Dtsch Arztebl 2004; 101: A 549 [Heft 9].
3. Mohr VD, Bauer J, Döbler K, Fischer B, Woldenga C: Qualität sichtbar machen – BQS-Qualitätsreport 2002. BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH. Düsseldorf 2003; Kapitel 24.
4. Wirbelauer C, Weller A, Häberle H, Pham DT: Kataraktoperation in topischer Anästhesie unter oraler Antikoagulation. Klin Monatsbl Augenheilkd 2004; 221: 749–752.

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