ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/1996Geldanlage: Benz für Spekulanten

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Geldanlage: Benz für Spekulanten

Jobst, Peter

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LNSLNS Wen lockt sie nicht: eine sichere Verzinsung mit der zusätzlich gebotenen Chance auf Kursgewinne? Eine interessante Lösung können hierbei Schuldverschreibungen mit Wandlungsrecht darstellen, die es bisher in zwei Varianten gibt: l Wandelanleihen werden innerhalb einer festgelegten Wandlungsfrist gegen Zahlung einer festgelegten Wandelprämie in Aktien des Emittenten umgewandelt. Mit dem Tag der Wandlung erlöschen alle Ansprüche aus der Anleihe. Ist die Wandlung aufgrund der aktuellen Kursentwicklung der Aktie uninteressant, erfolgt die Rückzahlung der Anleihe am Ende der Laufzeit zum vollen Nennwert. l Optionsanleihen bestehen aus einer – meist niedrig verzinsten – Anleihe und mindestens einem Optionsschein. Die Anleihe wird in jedem Fall zum vollen Nennwert eingelöst; der Anleger hat jedoch das Recht, bei günstiger Kursentwicklung den beigefügten Optionsschein gegen Zahlung der Optionsprämie in Aktien des Emittenten zu tauschen. Bei ungünstiger Kursentwicklung wird der Optionsschein zum festgelegten Fristablauf wertlos. An der Börse werden jeweils eigene Kurse für die Optionsanleihe mit Optionsschein, die Optionsanleihe ohne Optionsschein und den Optionsschein allein festgestellt. Entsprechend eignet sich die Anleihe ohne Optionsschein für konservative Investoren, der Optionsschein allein für den eher spekulativeren Anleger und die Kombination aus beiden für den Anleger, der neben einer sicheren Verzinsung auch Kurschancen erhofft.
Die Daimler Benz AG hat jetzt über ihre Luxemburger Tochtergesellschaft Daimler-Benz Capital (Luxembourg) AG ein neuartiges Produkt auf den deutschen Markt gebracht: eine Optionsschuldverschreibung mit Wandlungsrecht. Dieses Papier sieht folgende Eckdaten vor: Die Nominalverzinsung beträgt 4,125 Prozent, die Laufzeit endet am 17. Juni 2003. Pro 1 000 DM Nominalbetrag kann der Anleger 10,254 Aktien der Daimler Benz AG erhalten. Hierzu bietet das Unternehmen zwei Möglichkeiten: Entweder kann er die Anleihe zum Nominalwert in die Aktien tauschen, wobei dann pro Aktie ein Preis von 95,07 DM abgerechnet wird. Oder er bringt das Geld für den Aktienbezug in bar auf und löst die dann vom Optionsschein getrennte Anleihe planmäßig zum Nennwert ein; dann sind pro Aktie 98,65 DM zu bezahlen. Das Optionsrecht selbst kann jedoch – und dies ist eine weitere Besonderheit – nicht separat an der Börse gehandelt werden. Mittlerweile ist der Kurs der neuen Optionsanleihe zwar bereits auf 101,50 Prozent gestiegen, dennoch sind die Konditionen des Papiers nicht unattraktiv: Einerseits erhält der Anleger für dieses siebenjährige Papier eine laufende Verzinsung von 4,06 Prozent und eine Rendite per Endfälligkeit von 3,35 Prozent. Andererseits ist das Aufgeld im Falle des Aktienbezugs bei einem aktuellen Börsenkurs der Daimler-Benz-Aktie von rund 81 DM mit 17,3 Prozent (Wandlung) bzw. 21,8 Prozent (Barzahlung) angesichts der immerhin fast siebenjährigen Restlaufzeit des Papiers relativ niedrig. Genaues Nachrechnen ergibt, daß die Daimler-Benz-Aktie im Jahresdurchschnitt weniger als drei Prozent zulegen muß, damit sich der Umtausch lohnt. Sollte die Aktie indes beispielsweise um acht Prozent pro Jahr klettern, erzielt der Anleger einen zusätzlichen Umtauschgewinn von immerhin 52,0 beziehungsweise 57,7 Prozent, so daß sich die jährliche Rendite der Anleihe dann auf 9,1 beziehungsweise 9,6 Prozent erhöht. Der Preis der Anleihe wird sich schon während der Laufzeit entsprechend den Kurserwartungen für die Daimler-Benz-Aktie entwikkeln. Dank Börsenhandel ist eine nahezu jederzeitige Verkäuflichkeit sichergestellt, so daß entsprechende Kursgewinne dann auch realisierbar sind. Hingegen ist das Risiko auf den Nennwert beschränkt, der in jedem Fall zurückgezahlt wird – wobei die Rendite dann freilich vergleichsweise "mager" ausgefallen wäre. Peter Jobst
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