ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2005Strukturbezogene Psychotherapie. Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen

BÜCHER

Strukturbezogene Psychotherapie. Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen

Dtsch Arztebl 2005; 102(3): A-130

Rudolf, Gerd

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Psychotherapie: Begriffliche Klarheit
Gerd Rudolf: Strukturbezogene Psychotherapie. Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen. Mit einem Geleitwort von Manfred Cierpka. Schattauer GmbH, Stuttgart, New York, XVII, 219 Seiten, 10 Abbildungen, 41 Tabellen, gebunden, 29,95 €
Rudolf stellt die von ihm entwickelte Methode vor, um der durch frühkindliche Traumata gestörten Selbststruktur wirksam Hilfe zu geben. Das Buch ist plausibel aufgebaut: Die Begriffe Emotion, Affekt, ihre frühkindliche Entwicklung und ihre Irritationen im motivationalen, kommunikativen und kognitiven Bereich werden zunächst dargelegt.
Struktur als die Basis des psychischen Geschehens wird klar herausgearbeitet. Der Autor stellt dabei prägnante Begriffe für die unterschiedlichen Strukturdefizite und deren Folgen im Zwischenmenschlichen und im Selbsterleben der Patienten heraus. Im Gegensatz zur reinen Psychoanalyse sind Deutungen bei struktureller Störung unwirksam, weil der notwendige „Binnenraum“ zur selbstkritischen Reflexion fehlt. Es geht nicht um Konflikte, wie bei Neurosen, sondern um Defekte (des Selbst). Rudolf grenzt sich von der Deutung (auch von Kernberg) als analytischem Psychotherapieprinzip bei strukturellen Störungen ab. Er kritisiert den „Primat des Intellekts“, der in der puristischen Psychoanalyse den Anspruch erhebt, einen anderen Menschen „richtig“ zu verstehen. Hier geht es um eine gleichberechtigte Kommunikation und Klärung der Situation des Patienten, um ein „Wir“ zwischen Patient und Therapeut mit dem gemeinsamen Versuch, Selbst-Defizite zu beheben, zumindest zu verbessern. Die vielfach kühle intellektuelle Nähe in der klassischen Psychoanalyse wird so von Rudolf ersetzt durch eine gemeinsame Arbeit mit dem Patienten an einer gemeinsamen Aufgabe.
Das Integrationsniveau des Selbst-Defizits wird zwischen „gut“ und „desintegriert“ eingestuft. Das therapeutische Vorgehen wird durch praktische Anregungen lebendig. Strukturbezogene Psychotherapie wird als eine wichtige Ergänzung zur Psychoanalyse gesehen. Erst wenn die Basis des Erlebens und Verhaltens, die Struktur stabil ist, sind mithilfe von Übertragung, Regression und Widerstand psychoanalytische Konstrukte zur Bearbeitung neurotischer Konflikte einzubringen.
Der eingängige Sprachstil und die begriffliche Klarheit in der Abfolge heben das Buch aus der Vielheit der Publikationen zum Modethema „Struktur“ erfreulich hervor. Andreas Ploeger
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige