ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/1996Joan Miró – Zeichnungen und Skulpturen: „Die Seele nackt zeigen“

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Joan Miró – Zeichnungen und Skulpturen: „Die Seele nackt zeigen“

Stollhoff, Kirsten

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LNSLNS Der Katalane Joan Miró (1893 bis 1983) experimentierte zeitlebens mit unterschiedlichen Techniken und Materialien. Während seine Ölmalereien auch mit Hilfe der Reproindustrie der breiten Öffentlichkeit zugänglich wurden, sind seine Skulpturen weniger bekannt.
In der zweiten Hälfte seiner Schaffensphase rücken die Arbeiten auf Papier und vor allem die Skulpturen zunehmend in den Vordergrund. Nach Jahren der Isolation war es Miró möglich, 1945 bis 1947 erneut Kontakte nach Paris und New York zu knüpfen. Die erste Amerikareise 1947 brachte dem Künstler nicht nur Anerkennung und Aufträge, sondern konfrontierte ihn auch mit der Situation der Gegenwartskunst in New York. Die an seinem Hauptwohnort Mallorca noch lebendige traditionelle Volkskunst wird in seine Werke integriert. Neben surrealistischen Elementen aus der Vorkriegszeit finden immer mehr abstrakte Formen Eingang in seine Bildwelt. Archaische Symbole werden vereinigt zu poetisch-bildhaften Emblemen. Wie schon in seinen Ölgemälden verkörpern auch seine Bronzefiguren eine Symbolik, die in den Archetypen des Weiblichen und des Männlichen, des Tellurischen und Himmlischen, von Materie und Geist, Natur und Intellekt wurzeln. Weibliche Figuren, Vögel, Sonne und Mond, Tag und Nacht sind die immer wieder auftretenden Motive. Die Mehrzahl der in Bronze gegossenen Skulpturen wird auf Wunsch des Künstlers nach dem Guß nicht patiniert: "Bei roher Bronze sind all die kleinen Abweichungen der Dicke und Schmelzlinien sichtbar. Zieh deinen Vorteil aus den Ereignissen beim Schmelzen, aus dem Zufall." Das scheinbar Unfertige der unbehandelten Oberfläche strahlt einen besonderen Reiz aus und kommt seinem Anspruch nach: "Worauf es ankommt, ist, die Seele nackt zu zeigen."
Die Auswahl von 78 Arbeiten auf Papier sowie 70 Bronzen, die von der Fundacio Miró für Hamburg zur Verfügung gestellt wurden, läßt eine Entwicklung weiterverfolgen, die sich schon in den früheren Werken angekündigt hat: die Synthese von verschiedenen Stilelementen.
Die Ausstellung ist bis zum 5. Januar 1997 in den Hamburger Deichtorhallen zu besichtigen. Ein Katalog ist für 39 DM vom Hatje-Verlag erhältlich. Kirsten Stollhoff
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