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Arzneimittelausgaben: Früherkennung

Dtsch Arztebl 2005; 102(5): A-237 / B-197 / C-185

Korzilius, Heike

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Mit Blick auf die Ausgabenentwicklung der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung sind Erfolgsmeldungen eher selten. Doch am
27. Januar verkündeten die Apotheker, dass die Krankenkassen im vergangenen Jahr gut 2,5 Milliarden Euro weniger für Arzneimittel ausgegeben haben als im Vorjahr. Die Freude müsste also groß sein.
Doch die gemeinsame Selbstverwaltung, allen voran die Kassenärztliche Bundesvereinigung, traut dem Braten nicht. Sie warnt vor einem erneuten Anstieg der Arzneimittelausgaben in diesem Jahr. Der Grund: Das gesetzlich verordnete Preismoratorium läuft aus, und der Herstellerrabatt, den die Pharmafirmen den Krankenkassen einräumen müssen, sinkt wieder von 16 auf sechs Prozent. Außerdem zeichnet sich ein Trend zu teuren „Scheininnovationen“ anstelle von preiswerten Generika ab.
Um dem entgegenzuwirken, planen KBV, Kassen, Apotheker und das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ein gemeinsames Informationsprogramm. Eine erste Absichtserklärung hatten die Beteiligten bereits vor Weihnachten veröffentlicht. Am vergangenen Wochenende hat jetzt auch die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung grünes Licht für ein Konzept gegeben, das sich mit Informationen zum indikationsgerechten Einsatz von Arzneimitteln an Ärzte und – eine Neuerung – an Patienten wenden soll. Die Einbindung von Krankenkassen, Apothekern und Patienten birgt nach Ansicht des KBV-Vorstandsmitglieds Ulrich Weigeldt den Vorteil, dass im Falle eines Falles nicht nur wie sonst üblich auf die „Hochverordner“ unter den Ärzten „eingeschlagen“ wird.
Nun wollen die Selbstverwaltungspartner darangehen, Therapiehinweise zu Versorgungsschwerpunkten wie Fettstoffwechsel oder Bluthochdruck zu erarbeiten. Zu den konzeptionellen Überlegungen gehört allerdings auch, dass die Krankenkassen die vom Gesetzgeber eingeräumte Möglichkeit der direkten Rabattverhandlungen mit Arzneimittelherstellern nutzen.
Offenbar aufgeschreckt von neuen Kostendämpfungsplänen, versichert die Pharmaindustrie, dass es nicht zu drastischen Preissteigerungen kommen werde. In dem Fall wäre das Informationskonzept zumindest eine sinnvolle Dienstleistung für die Vertragsärzte. Heike Korzilius
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