ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2005Doping: Ärzte zu wenig informiert
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Nachfragen zum Thema Doping kommen nicht nur aus dem Leistungssport, sondern auch aus dem Freizeitsport. Foto: ddp
Nachfragen zum Thema Doping kommen nicht nur aus dem Leistungssport, sondern auch aus dem Freizeitsport. Foto: ddp
Umfrage weist auf Defizite in der Ausbildung hin.

Doping aus ärztlicher Sicht: In einer groß angelegten schriftlichen Umfrage (2 667 Ärzte) gaben 61 Prozent der antwortenden Sportmediziner (Rücklauf: n = 472) an, im Rahmen ihrer ärztlichen Tätigkeit von Sportlern bereits allgemein auf das Thema Doping angesprochen worden zu sein, was auf ein Dopingproblem im ärztlichen Alltag hinweist.* Vordergründig wollten die Athleten über Doping informiert und aufgeklärt werden. Das Interesse galt dabei häufig der Frage nach einer Konformität von Medikamenten mit der Doping-Liste, dicht gefolgt von Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln und Schutzmaßnahmen. In geringer, jedoch bereits alarmierender Anzahl wurde auch nach Leistungssteigerungen durch verbotene Medikamente, Nebenwirkungen des Dopings beziehungsweise Missbrauchsmöglichkeiten und Bezugsquellen gefragt. Die konkreten Nachfragen bezogen sich sowohl auf den Leistungs- als auch auf den Freizeitsport sowie auf das Bodybuilding.
Im Laufe des Studiums oder der Weiterbildung erhielten die Ärzte kaum Informationen zum Thema Doping. Die Mehrzahl der an der Umfrage teilnehmenden Sportmediziner (53 Prozent) gab an, dass bei der Erlangung der Zusatzbezeichnung für die Vermittlung dopingspezifischer Kenntnisse lediglich zwischen ein und fünf Stunden aufgewandt wurden. Erfreulicherweise bemühen sich jedoch 71 Prozent der Ärzte selbstständig um Informationen zu Doping und besitzen zu 62 Prozent auch entsprechendes Informationsmaterial.
Gravierende Unterschiede zwischen den für Sportverbände tätigen Ärzten und den übrigen Sportmedizinern zeigten sich bei der Selbsteinschätzung des Kenntnisstandes zum Thema Doping. Während 70 bis 90 Prozent der Verbandsärzte sich zu fast allen Bereichen „sehr gut“ oder „gut“ informiert fühlen, erklärten dies nur 15 bis 25 Prozent der übrigen Ärzte. Bei der Einschätzung der eigenen Kompetenz als Gesprächspartner zum Thema Doping zeigten sich Besorgnis erregende Ergebnisse: Während 92 Prozent der Verbandsärzte der Ansicht sind, Sportlern kompetente Antworten zum Thema Doping geben zu können, mussten dies beinahe 60 Prozent der nicht verbandstätigen Ärzte verneinen.
Alarmierend war auch der hohe Prozentsatz (41 Prozent) bereits beobachteter krankhafter Veränderungen bei Sportlern, die auf eine Einnahme von Dopingsubstanzen schließen ließen. In 56 Prozent der Fälle war den behandelnden Ärzten tatsächlich ein Dopingmissbrauch bekannt; die betroffenen Athleten wurden daher in mehr als 90 Prozent von ihren behandelnden Ärzten auf diese Veränderungen angesprochen.
Dopingprävention durch Aufklärung leisten mehr als 90 Prozent der befragten Sportmediziner bei dopingwilligen Athleten. Dies geschieht im Gespräch mit dem betroffenen Athleten (83 Prozent) sowie durch eine informative Broschüre (acht Prozent). Aus der Erfahrung der Sportärzte zeigt sich, dass bei dieser Aufklärung die Erläuterung von Nebenwirkungen (33 Prozent), die mögliche Gesundheitsgefahr (31 Prozent) und Hinweise auf bekannt gewordene Todesfälle im Sport (20 Prozent) vor einem Dopingvergehen am ehesten abschrecken. Der Fairplay-Gedanken spielte mit 13 Prozent nur eine untergeordnete Rolle.
90 Prozent der Sportmediziner wünschten sich weitere Informationen zum Thema Doping, zum größten Teil zur Verbesserung der eigenen Kenntnisse (87 Prozent), aber auch zur Weiterreichung an die Sportler (75 Prozent). Im Vordergrund stand der Wunsch nach mehr Publikationen in der Fachpresse und regelmäßigen Fortbildungen; auch ein Internetportal wurde häufig gefordert. Aktuelle Änderungen der Doping-Liste könnten künftig über die Nationale Anti-Doping-Agentur an die Sportmediziner weitergeleitet werden, und auch eine bessere Bekanntmachung bereits existierender Internetseiten mit aktuellen Informationen rund um das Thema Doping (www.doping info.de oder www.nada. de) sowie die verpflichtende Einbindung des Themas Doping in die Weiterbildung „Sportmedizin“ wären nach Meinung der Ärzte hilfreich. Der Sportmediziner wird häufig mit dem Thema „Doping“ konfrontiert. Da er vom Sportler als kompetenter Ansprechpartner akzeptiert wird und beinahe jeder zweite dopingwillige Sportler den Medikamentenmissbrauch mit seinem Arzt besprechen würde, bietet sich im Rahmen der ärztlichen Beratung die Möglichkeit, auf dopingbereite Sportler Einfluss auszuüben. Ein großer Anteil der Sportmediziner fühlt sich für diese Aufgabe jedoch nicht ausreichend informiert und fordert vermehrt Weiter- und Fortbildungsangebote zum Thema Doping.

Dr. Sportwiss. Christiane Peters
Dipl.-Sportwiss. Peter-Johannes Selg
Prof. Dr. rer. nat. Dr. Sportwiss. Horst Michna
Lehrstuhl für Sport und Gesundheitsförderung
Technische Universität München
Dr. med. Helmut Pabst
Bayerischer Sportärztebund

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