VARIA: Post scriptum

Fehler in einem Monsterbericht

Dtsch Arztebl 2005; 102(5): [80]

Berthold, Frank

Neulich hat es uns erwischt: Es passierte der Super-Gau, das, was uns nächtelang nicht schlafen lässt – uns ereilte ein Fehlerprotokoll der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) (mindestens 0,55 Euro Porto).
Für alle, die sich darin nicht auskennen: Nach Abschluss der stationären Rehabilitation erhalten Rentenversicherungsträger und unter anderem vorbehandelnde und nachbehandelnde Kollegen einen Abschlussbericht. Dieser ist ein Monsterbericht – in seinem Umfang für einen gestressten Praktiker unlesbar –, ausgeheckt und vorgeschrieben von Gremien, die längst dem Klinikalltag entwachsen sind. Wir wissen, dass auch bei der BfA kein Mensch den Bericht liest, dafür gibt es Computer, die locker erkennen, wo ein Kreuz fehlt, eine Zahl nicht eingetragen ist und vielleicht auch Urgroßmutters entzündeter Hallux valgus in der Familienanamnese nicht auftaucht, weil diese an anderer Stelle als an der vorgeschriebenen erscheint. Dabei waren wir soooo stolz, dass wir unseren armen jungen Patienten mit ausgedehnten Verbrennungen und doppelseitiger Oberschenkelamputation mit Prothesen versorgt und auf die Beine bekommen haben. All das ist ausführlich beschrieben mit zig Diagnosenummern unterlegt, aber ein entscheidendes Feld blieb unausgefüllt – die Körpergröße. Deshalb also das Fehlerprotokoll.
Nun haben wir das Fehlerprotokoll ausgefüllt zurückgeschickt (Porto wieder 0,55 Euro). Wir hatten dabei ein ganz schlechtes Gewissen, denn welche Zahl sollten wir eintragen? Größe mit Prothese, Größe ohne Prothese? Eigentlich ist es schnurzegal, auch in diesem Fall wertet
der Computer aus, allerdings wissen wir nicht, ab welcher Größe der Rechner Alarm schlägt, vielleicht 230 cm?
Im Ernst: Armes deutsches Gesundheitswesen, wenn das so weiter geht mit diesem und vielem anderen unerträglichen bürokratischen Aufwand. Frank Berthold
Foto: BilderBox
Foto: BilderBox
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