ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 1/2005Internet-Plattform für Kardiologen: Qualitätssicherung durch Benchmarking

Supplement: PRAXiS

Internet-Plattform für Kardiologen: Qualitätssicherung durch Benchmarking

Dtsch Arztebl 2005; 102(5): [16]

Lischewski, Heike

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LNSLNS Über das Web können niedergelassene Kardiologen ein Benchmarking durchführen und statistisches Material für die Versorgungsforschung gewinnen.

Im System können beliebige Dokumente und Aufnahmen gespeichert werden, wie etwa Laborprotokolle, Röntgenbilder und Herztöne der Patienten. Foto: Peter Wirtz
Im System können beliebige Dokumente und Aufnahmen gespeichert werden, wie etwa Laborprotokolle, Röntgenbilder und Herztöne der Patienten. Foto: Peter Wirtz
Ein Web-Portal, über das niedergelassene Kardiologen ein Benchmarking ihres Behandlungsprozesses durchführen und die Versorgungsforschung vorantreiben können, hat der Bundesverband niedergelassener Kardiologen über seine Managementgesellschaft BNK Service (www.
bnk-service.de) entwickelt. Die IT-technische Umsetzung des Projekts lag bei eggs unimedia, München (www.eggs.de). Inhaltlich basiert das Portal auf einem Qualitätsmanagement-Programm (eQM), das ein Register zur Behandlung von Patienten mit koronarer Herzerkrankung enthält und künftig um weitere Krankheitsbilder erweitert werden soll. In diesem Register wird der diagnostische und therapeutische Behandlungspfad eines Patienten auf einer webbasierten Datenbanklösung abgebildet, und zwar anhand eines DMP(Disease Management Programm)-fähigen Datensatzes und nach Maßgabe der Risikostruktur-ausgleichsverordnung. Die Entwicklung des Blutdrucks, der Cholesterinwerte und anderer Laborergebnisse über einen bestimmten Zeitraum lässt sich darin ebenso nachvollziehen wie die Reaktion auf verabreichte Medikamente oder die Teilnahme an Schulungen zur Umstellung der Ernährungsgewohnheiten.
Variable Plattform für „virtuelle Arzt-Netze“
Das Register soll als Pilotprojekt und Modell für eine Integrierte Versorgung nach § 140 a ff. SGB V den Krankenkassen für überregionale und regionale Strukturverträge angeboten werden. Das eQM ist so angelegt, dass eine sektorenübergreifende Kommunikation aller Leistungserbringer, die sich zur Teilnahme an einem Strukturvertrag entschließen, über eine einzige Plattform möglich ist. Diese steht somit Hausärzten, Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen für die Umsetzung von integrierten Versorgungsmodellen zusammen mit den Kardiologen im BNK e.V. zur Verfügung. Gleichzeitig lassen sich über diese Plattform „virtuelle Arzt-Netze“ abbilden und unterschiedlich konfigurierte Versorgungseinheiten und Verträge gestalten. So könnten beispielsweise in einem bundesweiten Strukturvertrag zur Integrierten Versorgung alle Kardiologen an einem solchen Modell teilnehmen. Darüber hinaus lässt sich das eQM auch auf regionaler Ebene durch kleinere Gruppen von Leistungserbringern nutzen und als Vorlage für selektive Verträge mit den Krankenkassen verwenden. Der einzelne Arzt könnte sich an mehreren Versorgungsmodellen beteiligen und mit unterschiedlichen Gruppierungen anderer Leistungserbringer im Gesundheitswesen über eine Kommunikationsoberfläche kooperieren.
Die Suchmaske über die Parameter der Patientenstammdaten
Die Suchmaske über die Parameter der Patientenstammdaten
Technische Grundlage der browserbasierten Anwendung im BNK-Serviceportal ist der Applikationsserver „ColdFusion MX“ (Macromedia) und ein Microsoft SQL-Server für die Datenbank. In der Datenbank können zum jeweiligen Registereintrag Dokumente und Aufnahmen in beliebigen Formaten hinterlegt werden, wie etwa Laborprotokolle, Röntgenbilder und die Herztöne des Patienten. Integrierte Plausibilitätskontrollen verhindern Falscheingaben weitgehend.
Schnelles Feed-back
Über eine Schnittstelle zur Online-Arzneimitteldatenbank Ifap-Index kann der Arzt direkt auf Informationen zu den Medikamenten zugreifen. Darüber hinaus stellt das System die Patientenhistorie übersichtlich dar, zum Beispiel durch Verlaufsgrafiken der Cholesterin-, Zucker- oder Blutdruckwerte. Die Lösung ermöglicht dem Arzt ein schnelles Feed-back: Er kann sofort erkennen, wie der Stand einer Behandlung ist und wo noch therapeutischer Handlungsbedarf besteht. Durch den Vergleich mit anderen Patientengruppen lassen sich Trends und Gemeinsamkeiten besser darstellen.
Gleichzeitig kann der Kardiologe die leitliniengerechte Behandlung sehr einfach nachweisen. Auch für die Versorgungsforschung lassen sich das Portal und das eQM-Projekt nutzen. An der raschen Verfügbarkeit der statistischen Ergebnisse sind auch Krankenkassen und Pharmaunternehmen interessiert. Sie können über das System relativ kostengünstig Feldstudien auf breiter Basis durchführen lassen, weil sämtliche notwendigen Daten bereits vorhanden und nur noch auszuwerten sind.
Ein besonderes Augenmerk galt dem Datenschutz und der Datensicherheit. Das System sieht eine verschlüsselte Informationsübermittlung und den kontrollierten Zugang über ein Passwort ebenso vor wie eine professionelle Datenbankpflege sowie die Berücksichtigung der Auflagen des Datenschutzbeauftragten. Für ein Höchstmaß an Sicherheit sorgt auch die Trennung der Praxiscomputersysteme mit den Patientendaten und der webbasierten Qualitätsmanagement-Applikation. Sämtliche erfassten Krankheitsverläufe sind anonymisiert und nur mit Initialen, Geschlecht und Geburtsdatum des Patienten gekennzeichnet. Die Informationen, die zum Beispiel für das Benchmarking oder als Auswertung den Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden, sind anonym. Aus Datenschutzgründen wird zurzeit auch darauf verzichtet, die technisch mögliche und häufig sinnvolle Hinterlegung der Originaluntersuchungsbefunde der Patienten im System vorzunehmen.
Bereits drei Monate nach dem Start waren mehr als 1 000 Patienten in dem Register erfasst. Ziel des Pilotvorhabens sind rund 2 000 Fälle. Etwa 100 Praxen mit etwa 300 bis 400 Kardiologen beteiligen sich aktiv. Geplant ist, künftig möglichst alle 1 000 BNK-Mitglieder einzubeziehen und in dem Register mehr als 5 000 Behandlungsverläufe zu dokumentieren. Heike Lischewski
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