ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/1996Forschungsprojekt am Institut der Karl-Valentin-Stiftung: Spektroskopie bei Pfeffernußabusus

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Forschungsprojekt am Institut der Karl-Valentin-Stiftung: Spektroskopie bei Pfeffernußabusus

Kirn, Axel

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LNSLNS Arbeitsgruppe: Optophil Göschl, Jeremias Kracherl, Wiggerl Kopftörl, Xaver Siebenrübl, unter der Leitung von Fritz Lemke, Berlin.
Fragestellung:
a) Wie erklärt sich der Begriff "Pfeffernuß" angesichts der Tatsache, daß in ihr kein Pfeffer nachweisbar ist?
b) Wie wird die Pfeffernuß verstoffwechselt, gibt es noch freie Valenzen für andere Nahrungsmittel?
c) Volkswirtschaftliche Bedeutung der Nux piperina vulgaris, nicht nur zur Weihnachtszeit.
Versuchspersonen:
Zwei repräsentative Probanden.
Methodik:
Mehrmalige Querschnittserhebungen bei beiden Probanden, mit randomisierten Bildkontrollen.
Ergänzend erfolgt eine eingehende, das gewöhnliche Maß überschreitende Familienanamnese mit dem Multiplikationsfaktor Pi = 3,1415926.
Voraussichtliche Dauer der Studie: 12 Monate. Beteiligte Fremd-Forscher: keine. Finanzierung durch Fremdmittel: nein. Risiken: minimal. Datenschutz: Die erhobenen Probandendaten werden anonymisiert und codiert gespeichert ("narrensicher").
Aufklärung: Mündliche und schriftliche Einverständniserklärung! Vergütung: Die Probanden haben Kost und Logis frei. Außerdem wird ein tägliches Taschengeld in Höhe von 41,23 DM gewährt.
Vorläufige Endergebnisse: Die handelsübliche Nux piperina vulgaris enthält: Weizenmehl, Zucker, Kandissirup, modifizierte Stärke, Farinzucker, Gelatine, Kartoffelstärke, Gewürze, Backtreibmittel, Trockeneiweiß, Farbstoff E171 und Aromen.
Eine hepatische oder gar zerebrale Toxizitäts-Läsion konnte erst bei Genuß von mehr als 50 Pfeffernüssen/die signifikant nachgewiesen werden. Eine potenzierte Wirkung zeigte sich allerdings bei gleichzeitiger Inhalation von vinum igneum seu fervidum, hierzulande bekannt unter dem Begriff Glühwein.
Nux piperina vulgaris, die gewöhnliche Pfeffernuß, enthält also Gewürze, nicht aber Pfeffer, was Frau Prof. Irmi Götz, Alt-viel-lo-login an der Uni München, dergestalt erklärt, daß Piper = Pfeffer im Alterthum ein Sammelbegriff für Gewürze aller Art war. Piper war einst das wichtigste und auch das teuerste Gewürz überhaupt, das aus weiter Ferne importiert wurde und das den Volksmund dazu veranlaßte, jemanden dorthin zu wünschen, "wo der Pfeffer wächst", nämlich nach Malaysia oder Vorderindien.
Summary: Nux piperina vulgaris verursacht – soweit erkennbar – bei mittelmäßiger Dosierung (nicht mehr denn 50 Nüsse/die) weder hepatische noch zerebrale Schäden. Eine Parallelität zu Morbus Wilson konnte ausgeschlossen werden. Pfeffer fand sich in der Nuß nicht.
Literatur: keine
Axel Kirn
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