ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2005Websites im Gesundheitswesen: Zehn häufige Fehler, und wie man sie vermeidet

SUPPLEMENT: PRAXiS

Websites im Gesundheitswesen: Zehn häufige Fehler, und wie man sie vermeidet

Dtsch Arztebl 2005; 102(5): [26]

Bort, Jörg

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LNSLNS 1 Unverständliche Navigation: Auf der Internet-Seite einer Arztpraxis suchen Nutzer gezielt nach Informationen wie Sprechzeiten, Behandlungsschwerpunkten oder Kontaktdaten. Sobald dafür mehr als fünf Klicks notwendig sind, werden sich die meisten Patienten auf einer anderen Seite informieren. Eine verständliche und einfache Navigation ist wichtig für die Zufriedenheit, das Verweilen und den wiederholten Besuch der Patienten.

2 Zu kleine Schrift: Jeder Internet-Nutzer weiß, wie anstrengend schwer lesbare Texte sein können. Auch wenn eine immer kleiner werdende Schrift der Trend zu sein scheint: Zur Nachahmung empfohlen ist er nicht. Gerade bei längeren Texten und für ältere Menschen bedeuten Schriftgrößen unter 10 Punkt (pt) eine große Hürde. Die Schriftgröße sollte mindestens 10 pt sein. Bei Seiten, die sich speziell an ältere Menschen richten, sind 12 pt oder mehr empfehlenswert.

3 Pop-ups (englisch pop up = auf einen Sprung hinaufkommen, plötzlich auftauchen): Dies sind kleine Fenster, die sich beim Aufrufen einer Internet-Seite zusätzlich öffnen. Genutzt werden sie vor allem für Werbezwecke. Diese Fenster schließen sich nicht automatisch, sondern müssen manuell geschlossen werden. Deshalb sollte diese Methode nicht überstrapaziert werden. Jedes zusätzliche Fenster löst Irritationen aus, kann Unsicherheit hervorrufen, etwas falsch gemacht zu haben, oder kann einfach nur lästig sein. Ausgenommen davon sind Pop-ups, die für das Internet-Angebot sinnvoll und erforderlich sind.

4 Animierte Startseiten: Es gibt viele Möglichkeiten, Animationen auf einer Website sinnvoll einzusetzen. Diese sollte jedoch nicht zu lange Ladezeiten beanspruchen und außerdem nützliche Informationen für die Patienten bereithalten. Die Website sollte für ungeduldige Besucher außerdem einen Link zum Überspringen der Animation enthalten.

5 Keine Kontaktmöglichkeit: Nicht jede Website kann sämtliche Fragen potenzieller neuer Patienten direkt beantworten. Umso wichtiger ist es, dass die Kontaktdaten der Praxis schnell und einfach auffindbar sind. Im Idealfall enthält die Seite sogar ein Kontaktformular: Das Eintragen einiger Kontaktdaten genügt, und die Praxis meldet sich darauf umgehend beim Interessenten.

6 Zu lange Wartezeit: Erfahrungsgemäß warten Besucher höchstens zehn Sekunden auf das vollständige Laden einer Seite, bevor sie zu einer anderen wechseln. Nach aktuellen Statistiken sind immer noch viele Surfer (rund 27 Prozent) mit einem Modem im Internet unterwegs. So ist vor allem in mobilen Computern häufig ein Modem für die Internet-Nutzung integriert. Dies berücksichtigen die wenigsten Websites. Bei vielen Seiten kann es eine halbe Minute dauern, bis sie für Modemnutzer sichtbar sind.

7 Tote Links: Das Internet ist voller Hyperlinks. Allzu oft kommt es vor, dass sich die Adressen von Seiten ändern, ohne dass auch die Verknüpfungen/Verweise geändert werden. Solche Links, die zu Fehlermeldungen führen, heißen „tote Links“. Sie sollten unbedingt vermieden werden, denn sie sind Ausdruck von Unachtsamkeit und fehlender Professionalität. Viele Fehlermeldungen auf einer Internet-Seite können dazu führen, dass interessierte Patienten schnell auf andere Seiten wechseln.

8 Veralteter Inhalt: Ähnlich verhält es sich mit Seiten, deren Inhalt schon seit Monaten nicht mehr aktualisiert worden ist. Wenn unter „aktuelle Informationen“ Ereignisse stehen, die mehr als zwei Monate zurückliegen, ist das ein Zeichen mangelnder Professionalität.

9 Sprache: Kein Patient erwartet, dass ihm ein hinsichtlich Rechtschreibung und Grammatik 100 Prozent fehlerfreier Text auf den Seiten präsentiert wird. Tatsache ist jedoch: Auf zahlreichen Praxis-Seiten werden nicht einmal die einfachsten Grammatik-Regeln eingehalten oder auf die Rechtschreibung geachtet. Das hinterlässt beim Patienten nicht nur einen negativen Eindruck, sondern im schlimmsten Fall wird er die Qualität der Internet-Seite mit der Qualität der Dienstleistung gleichsetzen. Wer unsicher ist, sollte einen professionellen Texter oder Lektor hinzuziehen, denn nach dem Design ist der Text das zweite Kriterium, auf das der Patient achtet.

10 Medizinrecht: Zu den schwerwiegendsten Fehlern zählt die Verletzung von Gesetzen. An erster Stelle ist das Teledienstgesetz (TDG) zu nennen. Danach sind Arztpraxen verpflichtet, ausführliche Adressangaben, die Kammer, die gesetzliche Berufsbezeichnung, den Staat, in dem die Berufsbezeichnung verliehen worden ist, die Aufsichtsbehörde sowie die Bezeichnung der beruflichen Regelungen und Informationen dazu, auf der Website zu veröffentlichen. Außerdem gilt für jeden Heilberuf das Heilmittelwerbegesetz (HWG), das vorschreibt, welche Informationen die Praxis online veröffentlichen darf. Verboten sind etwa der Abdruck von Danksagungen und Zeugnissen sowie die Abbildung von Mitarbeitern der Heilberufe in weißer Kleidung oder bei der Arbeit. Sind die Angaben, die das TDG vorschreibt, bei Kontrollen nicht vorhanden, können dem Praxisinhaber Bußgelder in Höhe von bis zu 50 000 Euro auferlegt werden, bei Verstößen gegen das HWG bis zu 25 000 Euro. Jörg Bort
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www.joerg-bort.de

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