ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1997Glosse: Finanzielle Nutznießer

SPEKTRUM: Leserbriefe

Glosse: Finanzielle Nutznießer

Huber, H.

Zu einer Argumentation der Bayerischen Allgemeinen Ortskrankenkassen
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LNSLNS Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hat, wer Schuld trägt an den Milliardendefiziten unserer Krankenkassen, so hat ihn der Pressesprecher der AOK Bayern, Herr Wolfgang Niederauer, letztens erbracht. In einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 11. Dezember ("Aufstand der Germeringer Ärzte") anläßlich eines angekündigten Streiktages der Germeringer Ärzteschaft wird er, der Pressesprecher der AOK Bayern (wie wir alle hinlänglich wissen, einer Pleitekasse - warum eigentlich?), folgendermaßen zitiert: "Die finanziellen Nutznießer können sich offensichtlich nicht über die Verteilung von den . . . erbrachten Milliardenbeträgen einigen." Es ist offenbar soweit, daß wir keinen Berufsstand mehr darstellen, also Arzt oder Doktor, sondern uns einen neuen Titel zulegen sollten: "Finanzielle Nutznießer" (F. N.). Hierbei wird man zwanglos an Egon Friedell erinnert, den großen Kulturhistoriker, der von den "notwendigen Sozialismen" einer Gesellschaft gesprochen hat, die - wie Warzen den Menschen - eine Gesellschaft in jeder Entwicklungsstufe befallen können (leider sind es keine Akne-Pickel).Ich gratuliere dem Pressesprecher der AOK Bayern zu seinem Zitat und kann nur hoffen, daß es sich hierbei um keinen Versprecher gehandelt hat: schließlich bin ich endlich zu der Überzeugung gekommen, warum ich sieben Jahre lang mich einer anspruchsvollen universitären Ausbildung und einer anschließenden wiederum sieben Jahre dauernden Facharztausbildung verschrieben habe: Ich bin ein finanzieller Nutznießer! Aber da ich auch eine gewisse Intelligenz besitze, werde ich daraus die Konsequenzen ziehen: Ich werde demnächst meinen Doktortitel streichen und mich als "F. N." H. Huber auf dem Praxisschild an unserer Praxiseingangstür in Germering vorstellen (die Praxismiete übrigens, die Personalkosten und die finanziellen siebenstelligen Aufwendungen, um diese Praxis überhaupt zu erstellen, sollten im Sinne eines sozialistisch durchstrukturierten planwirtschaftlichen Konzeptes möglichst umgehend durch den Staat refinanziert werden, damit wir wirklich von unseren Einkünften einen finanziellen Nutzen ziehen können - das dann entstehende Gejammer möchte ich aber nicht hören!)."F. N." (Finanzieller Nutznießer) H. Huber (ehemals "Dr."), Gernerstraße 9, 80638 München
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