ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1997Lebensrecht – Ungleich: christliche und jüdische Ethik

SPEKTRUM: Leserbriefe

Lebensrecht – Ungleich: christliche und jüdische Ethik

Thienhaus, J.

Zu dem Leserbrief "Ernste Fragen" von Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart in Heft 38/1996
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LNSLNS Ich stimme dem Schreiber zu, daß eine Diskussion zur Abtreibung nicht im luftleeren Raum, sondern immer im Koordinatensystem gesellschaftlich sanktionierter Normen zu führen ist. Religiöse Tradition stellt so ein Bezugssystem dar. Ich möchte aber dem Bindestrichbegriff der "christlich-jüdischen Glaubenssätze" widersprechen. Christliche Ethik und jüdische Ethik sind nicht gleichzustellen. Die Rabbiner, die die Mischna und später den Talmud verfaßten, gestalteten den jüdischen Wertekodex. Zum Thema der Abtreibung ist dabei beispielsweise klargestellt, daß zum Schutz des Lebens der Mutter der Fötus geopfert werden darf, da bestehendes Leben Vorrang hat vor potentiellem Leben (Mischna Niddah 3:5). Erst wenn ein Teil des Kindes geboren ist, gilt das Gesetz, daß man nicht das Leben eines Menschen für das eines anderen opfern darf (Mischna Niddah 3:5). Wenn nicht das Leben, sondern die Gesundheit der Schwangeren zur Frage steht, werden die Diskussionen in Talmud und responsa der späteren Rabbiner schon kontroverser. Mein Unbehagen gilt der impliziten Verbindung, wenn nicht gar Gleichstellung, christlicher und jüdischer Werte.
Professor Dr. med. Ole J. Thienhaus, Department of Psychiatry, Reno und Las Vegas, Nelson Building/354, Nevada 89557-0046
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